17.12.2013 17:10
Quelle: schweizerbauer.ch - blu
Freiburg
Verurteilte Bauern kämpfen weiter
Vor vier Jahren wurden Milchbauern vor Gericht zur Verantwortung gezogen, weil sie Vertreter eines Milchverbandes einsperrten. Vergangene Woche haben sie ihre Forderung nach einer Milchmengensteuerung erneut bekräftigt.

Vergangenen Mittwoch fanden sich Milchbauern der Bauerngewerkschaft Uniterre vor der Schaukäserei in Pringy FR ein. Darüber war Philippe Bardet, Direktor der Sortenorganisation Gruyère, nicht erfreut, schrieb die „Freiburger Nachrichten“ in ihrer Donnerstagsausgabe. Die Forderung einer Mengensteuerung beträfe die Gruyère-Produzenten nicht, sondern Lieferanten von Industriemilch.

Milchmengensteuerung wie EU gefordert

Im Jahr 2009 haben Milchbauern die Tür zum Saal der Schaukäserei während vier Stunden versperrt. Der Streit drehte sich um die Milchüberschüsse.

Vergangenen Mittwoch kreuzten vier Bauern als Sträflinge verkleidet bei der Schaukäserei auf. Das Anliegen ist noch dasselbe: Eine Milchmengensteuerung, wie sie sich in Europa abzeichnet. „Eine Mengensteuerung, die kostendeckende Preise bezweckt, ist die einzige Möglichkeit, um der Schweizer Milchproduktion eine Zukunft zu gewähren“, betont Pierre-André Tombez, ehemaliger langjähriger Präsident von Uniterre, gegenüber der „FN“.

Heute sei die Milchwirtschaft „total“ von der Industrie gelenkt, die Preisvolatilität nehme zu, schreibt Uniterre in einem Communiqué. Die Vorschläge des Branchenverbandes würden missachtet. Zudem habe der neue Direktor der Schweizer Milchproduzenten (SMP) (Red. Hanspeter Kern) verlauten lassen, dass seine Organisation in marktstrategischen Beschlüssen nichts mehr zu sagen habe.

„Uniterre hat viel Kredit verspielt“

Man habe schon vier Jahren vor einer Krise gewarnt. Doch in den vergangenen vier Jahren habe sich nichts geändert. „Der Markt funktioniert nicht, der Milchpreis hat sich nicht erholt“, hebt Tombaz hervor. Nun droht den Milchbauern eine weitere Öffnung des Milchmarktes. Eine unabhängige Studie komme zum Schluss, dass nur jeder achte Betrieb die Milchproduktion fortsetzen könne, hält Uniterre im Communiqué fest. Eine Grenzöffnung ohne funktionierendes, wirksames Instrument zur Mengensteuerung wäre das Todesurteil für die Branche, schlägt Uniterre Alarm. Der Bundesrat muss bis Ende 2013 dazu Stellung nehmen. Der Bericht dürfte sich aber verzögern.

Uniterre ist aber auch unzufrieden mit dem Freiburger Milchverband (FSFL). Dieser setze sich zu wenig für die Milchbauern ein. Uniterre sei für den Verband seit der Einsperr-Aktion eine unbekannte Organisation. Momentan sei der Kontakt unterbrochen, berichtet die „FN“. FSFL-Direktor Clément Moret betont, dass Uniterre durch diese Aktion bei den Bauern viel Kredit verspielt habe. Zudem funktioniere Markt gut. Innerhalb von zehn Monaten habe der Preis für Industriemilch um 10 auf 65 Rappen zugelegt. Um im Januar steige der Preis um weitere 2 Rappen, macht Moret deutlich.

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