4.01.2016 09:00
Quelle: schweizerbauer.ch - AgE
Europäischer Milchmarkt
Verzicht auf Milchproduktions-Erhöhung wird belohnt
Der niederländische Molkereikonzern FrieslandCampina will die ihm angeschlossenen Milchbauern in Deutschland, Holland und Belgien mit einer Bonuszahlung dazu bewegen, ihre Milchproduktion nicht weiter auszudehnen. Die Bauern reagieren erfreut. Der Rohmilchgarantiepreis für Januar wurde hingegen gesenkt.

Wie das Unternehmen vergangene Woche mitteilte, erhalten Betriebe einen Preisaufschlag von 2 Cent/kg (2.2 Rp.) Milch ohne Mehrwertsteuer, wenn sie die Milcherzeugung vom 1. Januar bis zum 11. Februar 2016 konstant halten oder einschränken, und zwar im Vergleich zur durchschnittlichen Tageslieferung im Referenzzeitraum 13. bis 27. Dezember 2015.

Anlagen vollständig ausgelastet

Die befristete Massnahme sei notwendig, weil das Milchangebot der Landwirte in den kommenden Wochen sonst wahrscheinlich schneller wachsen würde als bislang angenommen. Diese zusätzlichen Mengen könnten wegen der begrenzten Kapazitäten von Januar bis Mitte Februar allerdings nicht mehr verarbeitet werden. Bereits seit November 2015 sei das Aufkommen drastisch gewachsen, so dass die Anlagen nun vollständig ausgelastet seien.

Auch die Möglichkeiten, die Milch in anderen Molkereien zu verarbeiten oder direkt an andere Käufer zu vermarkten, seien ausgeschöpft. Den Zuwachs der Milchanlieferung im gesamten vergangenen Jahr bezogen auf 2014 bezifferte das Unternehmen auf
600 Mio. kg Milch oder 6,4 %.

Garantiepreis gesenkt

Allerdings senkte das Unternehmen seinen Rohmilchgarantiepreis nach einer dreimonatigen Aufwärtsbewegung für Januar 2016 erstmals wieder. Dieser beträgt nun 29,25 Euro/100 kg Milch (31.60 Fr./100 kg). Das entspricht einem Abschlag von 0,75 Euro im Vergleich zum Dezember. Entsprechend änderten sich auch die Werte der Milchinhaltsstoffe: Der Eiweisswert betrage im Januar 477,47 Euro (515.60 Fr.), der Fettwert 238,74 Euro (257.80 Fr.) und der Laktosewert 47,75 Euro (51.55 Fr.) pro 100 kg, berichtete Freisland Campina.

Das Unternehmen begründete die Senkung des Garantiepreises mit voraussichtlich sinkenden Milchpreisen der Konkurrenz. Vor allem in Europa bleibe das Milchangebot wegen des günstigen Wetters und der guten Produktionsbedingungen hoch.

Garantiepreis

Diese Beträge beziehen sich auf einen Betrieb mit einer durchschnittlichen Jahreslieferung von 600'000 kg Milch. Der Garantiepreis geilt für Milch mit 4,41 % Fett, 3,47% Eiweiss und 4,51% Laktose und enthaltet keine Mehrwertsteuer.

Schnelle Anpassung des Angebots gefordert

Bei den Landwirten stießen die von dem niederländischen Molkereikonzern angekündigten Bonuszahlungen auf positive Resonanz. So begrüsste der Rheinische Landwirtschafts-Verband (RLV) das Vorgehen von FrieslandCampina und appellierte an die besondere Verantwortung von Unternehmen mit erheblichen Marktanteilen. Einer staatlichen Angebotsregulierung der Milchmenge erteilte der Verband eine Absage. Gefordert seien vielmehr Massnahmen, die zum Marktumfeld der jeweiligen Molkerei mit ihren Genossen und Lieferanten passten.

Dagegen muss nach Ansicht des Bundesverbandes Deutscher Milchviehhalter (BDM) auch die Politik Verantwortung übernehmen und ihren Teil zu einem effektiven Management künftiger Krisen beitragen. Der Vorstoss von FrieslandCampina zeige vor allem, dass es technisch machbar und kurzfristig umsetzbar sei, die Anlieferung von Milchmengen zu begrenzen oder zurückzufahren. „Massnahmen
einzelner Marktakteure sind löblich, verpuffen aber im Gesamtmarkt“, gab der BDM-Vorsitzende Romuald Schaber zu bedenken. Nur mit einer schnellen Anpassung des EU-Milchangebots an die reale Nachfrage könnten eine Marktumkehr und in Folge auch höhere Milcherzeugerpreise erreicht werden.

Wichtiges Signal

Der stellvertretende Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL), Ottmar Ilchmann, sieht in dem Vorgehen von FrieslandCampina ein wichtiges Signal an alle Marktbeteiligten und auch an den Bundeslandwirtschaftsminister. Er forderte vor allem das Deutsche Milchkontor (DMK) als größte deutsche Molkereigenossenschaft auf, ähnliche mengenbegrenzende Beschlüsse zu fassen. „Politik und Molkereien müssen ihrer Verantwortung nachkommen, damit wir so schnell wie möglich aus den katastrophalen Milchpreisen herauskommen“, betonte Ilchmann.

Unterdessen zeigte sich der Vorsitzende der Milchabteilung im niederländischen Bauernverband (LTO), Kees Romijn, gespannt, wie die Landwirte und andere Milchverarbeiter auf den Vorstoss der holländischen Molkereigenossenschaft reagieren werden. Der Bonus für den Verzicht auf Mehrproduktion sei für viele Milchviehhalter sicher lukrativ. Nun könne sich jeder Anlieferer für die aus seiner Sicht vorteilhaftere Variante entscheiden. „Wir müssen mit Blick auf den Markt produzieren“, betonte der Niederländer.

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