23.07.2014 18:54
Quelle: schweizerbauer.ch - Interview: rab, sal
SMP
«Von der Lactofama AG haben alle profitiert»
Auch Hanspeter Kern, Präsident der Schweizer Milchproduzenten (SMP), würde sich bei einem Milchfreihandel das Weitermelken gut überlegen. Für den Herbst erwartet er genügend Milch. Die Lactofama AG beurteilt er positiv.

«Schweizer Bauer»: Wie würden Sie reagieren, falls die weisse Linie geöffnet würde und dies mit  einem Grünlandbeitrag kompensiert würde?
Hanspeter Kern: Aus meiner Sicht sind alle Beiträge, die auf die Fläche ausgerichtet werden, für den Milchproduzenten demotivierend. Im Übrigen zeigt gerade die Studie der Hafl, dass alle Vorschläge noch unbefriedigend wären. Ein Milchproduzent steht während 365 Tagen mit einer 70-Stunden-Woche für den Betrieb im Einsatz, braucht viel Know-how  – und  kann damit am Ende  das Betriebsergebnis nur marginal beeinflussen. Die gut ausgebildeten Landwirte finden heute Alternativen ausserhalb der Milchproduktion.

Würden Sie  die Milchproduktion aufgeben?
Diese Frage müssen Sie nicht mehr mir alleine stellen. Ich habe einen topmotivierten Sohn zu Hause, der Milch produzieren will. Er stellt sich aber auch die Frage, wie wir unseren Betrieb in Zukunft erweitern. Und mein Sohn wird nicht einfach  nur aus Freude Kühe melken.

Was erwartet die Milchbauern im kommenden  Herbst?
Voraussagen sind immer schwierig zu machen. Bis jetzt können wir aber zufrieden sein. Durch verschiedene Massnahmen konnten wir den A-Preis und zum Teil auch den B-Preis im Wesentlichen halten. Aufgrund der guten Futterqualität stellen wir gute Milcheingänge fest. Das kann man durchaus auch positiv sehen. Es ist doch schön, wenn man gute Futterqualität hat und die Kühe Milch geben! Zudem haben wir mehr Milchkühe, als die Statistiken eine Zeitlang auswiesen. Ich gehe also davon aus, dass wir im Herbst sicher eine genügend grosse Produktion haben werden. In gewissen Gebieten werden wir vielleicht etwas zu viel Milch haben. Ein grosser Unsicherheitsfaktor wird dabei unverändert der Emmentaler und dessen Einschränkung spielen.
 
Die Branchenorganisation Milch (BOM) hat den Richtpreis für das 3. Quartal bei 71 Rp./kg belassen .
Wir von der SMP sind an einem möglichst stabilen Milchpreis interessiert. Denn wir Produzenten verlieren, wenn der Preis sinkt. Der Index gibt aktuell keine Vorgaben für eine Erhöhung. Wir haben auch kein Interesse, dass der Richtpreis kurzzeitig steigt und dann rasch wieder sinkt.

Die Milcheinlieferungen sind nach wie vor relativ hoch. Haben wir in der Schweiz eine strukturelle und nicht nur eine saisonale Überproduktion?
Zu Beginn der Alpsaison hatten wir auch sehr gutes Wetter. Der Markt ist nie genau im Gleichgewicht. Ob wir heute einen strukturellen oder einen saisonalen Überschuss haben, können wir heute so nicht sagen. Wichtig ist, dass wir nicht zu jammern beginnen, wenn wir wegen des guten Wetters etwas zu viel Milch haben.
 
Ende März wurde die Lactofama AG gegründet. Sie sind  ihr Verwaltungsratspräsident. Wie beurteilen Sie ihre Wirkung?
Mit Freude habe ich im «Schweizer Bauer» gelesen, dass Lactofama laut Emmi eine gewisse Wirkung am Markt erzielt hat. Dieser Überzeugung bin ich auch. Aus meiner Sicht ist es  uns erstens gelungen, die Preise im Markt besser zu halten und der Segmentierung Nachdruck zu verschaffen. Zweitens haben wir den Marktorganisationen eine bessere Alternative als 2012 geboten.

Ist die Lactofama jetzt noch am Markt aktiv?
Wir haben immer gesagt, dass wir nur saisonal tätig sind, und jetzt ist die Saison beendet.

Derzeit sind aber fast 6000 Tonnen Butter an Lager, das sind 2000 mehr als Anfang April. Was sagen Sie dazu? 
Das ist selbstverständlich ein hoher Lagerbestand. An Lager ist Butter, die den üblichen Handelsweg geht, und solche, welche die Unternehmungen mit vertikalen Finanzierungslösungen abbauen wollen. Hier sind Massnahmen geplant. Ohne Lactofama wären die Butterlager zudem wesentlich grösser.

Stimmt es, dass die Lactofama das Geld aus dem ehemaligen Milchpreisstützungsfonds bereits aufgebraucht hat?
Der SMP-Vorstand hat aus dem genannten Fonds einen Kredit bewilligt. Dieser Kredit wird eingehalten. Er wird sicher auch nicht zu 100% ausgeschöpft.

In den Milchpreisstützungsfonds haben alle Bauern einbezahlt. Haben sie nicht ein Anrecht darauf, zu wissen, was Lactofama mit wie viel Geld getan hat? 
Wenn die Geschäfte abgeschlossen sind, werden Vorstand und Delegiertenversammlung der SMP selbstverständlich auch transparent wissen, wie viel Geld für was ausgegeben wurde. Wichtig ist: Die Gelder für Lactofama wurden nicht bewilligt, damit man einen möglichst hohen C-Preis bezahlen kann, sondern wir machten das, um den A- und den B-Preis zu halten. Um dies zu erreichen, muss man C-Milch so bezahlen, dass über sie nicht das A- und das B-Segment untergraben wird. Am meisten haben deshalb nicht diejenigen profitiert, die viel C-Milch an die Lactofama verkaufen konnten, sondern diejenigen, die keine C-Milch hatten. Es haben alle profitiert.

Sind für die Herbst-DV der SMP bereits Beschlüsse für eine künftige Finanzierung der Lactofama traktandiert?
Wir analysieren derzeit die Tätigkeiten. Aufgrund dessen werden die Lactofama-Aktionäre und die SMP die entsprechenden Antworten auf die Grundsatzfragen geben: Werden die Massnahmen von Lactofama weitergeführt? Wenn ja, wie sieht die zukünftige Finanzierung aus?

SCHWEIZER BAUER
BEKANNTSCHAFTEN
DER SCHWEIZER BAUER AUF YOUTUBE