21.02.2014 10:10
Quelle: schweizerbauer.ch - Michael Wahl, lid
Milchmarkt
Wachsen die Butterberge bald wieder?
Die Bauern haben im Jahr 2013 weniger gemolken als im Vorjahr. Der Milchmarkt hat sich dadurch normalisiert, Exporte von überschüssiger Butter waren massiv tiefer. Doch die Milchproduktion steigt wieder.

Mit dem Ende der staatlichen Milchkontingentierung im Jahr 2009 brach für die Milchbranche eine Zeit der Rekorde an: Rekord-Milchproduktion (2011), Rekord-Butterproduktion (2011), Rekord-Butterexporte (2012).

Butterexport kostete Bauern Millionen

In Schieflage geriet der Milchmarkt ab 2006, als die Bauern vorzeitig aus der Kontingentierung aussteigen konnten. Als Folge nahm die Milchproduktion abrupt zu – stärker als die Nachfrage. Die überschüssige Milch wurde vorab zu Butter und Milchpulver verarbeitet. Zeitweise türmten sich über 10'000 Tonnen Butter in den Tiefkühllagern.

Um den Markt zu entlasten, musste massenweise Butter exportiert werden (siehe Grafik). Das kostete die Bauern Millionen. Denn Schweizer Butter findet auf dem Weltmarkt nur einen Käufer, wenn sie künstlich verbilligt wird – mit Abgaben der Milchproduzenten. Im Gefolge der Überschussproduktion erhielten die Bauern immer weniger Geld für ihre Milch. 2012 erreichten die Produzentenpreise einen historischen Tiefststand.

Butterberg schmilzt, Preise steigen

Die dunklen Wolken über der Schweizer Milchbranche haben sich im 2013 verflüchtigt, der Markt hat sich normalisiert: Die Milchproduktion sank leicht um 1,2 Prozent, die Butterherstellung lag acht Prozent unter dem Vorjahr. Die Butterlager schrumpften auf Normalmass, Entsorgungsaktionen im Ausland waren kaum nötig.

Milch war wieder gefragter, zeitweilig gar knapp, weshalb die Preise für Industriemilch im Durchschnitt um rund 3,7 Prozent gestiegen sind gegenüber 2012. Im September 2013 erhielten die Bauern laut Bundesamt für Landwirtschaft mit 68,57 Rp./kg so viel wie seit 2009 nicht mehr.

Bilanz fällt positiv aus

"Für die Milchproduzenten war das Jahr 2013 erfreulicher als das Vorjahr", bilanziert Stefan Hagenbuch, Stellvertretender Direktor der Schweizer Milchproduzenten (SMP). Vor allem die Entwicklung des Milchpreises sei positiv gewesen. Vorerst bleibe die Situation stabil, der Richtpreis für A-Milch würde sicher noch bis Mitte 2014 auf dem aktuellen Niveau verharren. "Es besteht aber kein Anlass zur Euphorie", mahnt Hagenbuch. Der Markt verhalte sich zyklisch, die Situation könne wieder kippen.

Befeuert durch die höheren Preise steigt seit Spätsommer 2013 die Milchproduktion wieder. Die Bauern würden derzeit die Milch abliefern und weniger an die Kälber vertränken, so Hagenbuch. Die Milcheinlieferungen nähern sich schon wieder dem Niveau von 2011, dem Jahr mit der bisher grössten Milchproduktion. Auch die Butterproduktion hat bereits wieder angezogen.

Kommt es wieder zu Überschüssen?

Ob die Branche nach einem ausgeglichenen Jahr wieder auf eine Überschuss-Situation zusteuert, ist noch nicht klar. Der Milchkuhbestand liegt noch immer unter dem Vorjahr. Und von der neuen Agrarpolitik, die im Januar 2014 in Kraft trat, wird wegen der Streichung der Tierbeiträge eine dämpfende Wirkung erwartet.

Sollte es dennoch wieder zu Überschüssen kommen wie in den Vorjahren, muss sich die Milchbranche etwas einfallen lassen: Anders als in den Vorjahren existiert aktuell kein Fonds, mit der die Exporte von überschüssiger Butter finanziert werden könnten.

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