26.01.2016 06:15
Quelle: schweizerbauer.ch - Raphael Bühlmann
Milchmarkt
Warum Lanz den besten Milchpreis zahlte
Er zahlte im vergangenen Jahr den besten Preis für Molkereimilch. Und obschon Andreas Lanz, Chef der Lanz Molkerei AG, auf Produzenten aus nächster Nähe setzt, hält er äusserst wenig vom ab 2017 gültigen Swissness-Gesetz.

61,7 Rappen. Dies war laut Preismonitoring der Schweizer Milchproduzenten (SMP) der durchschnittlich beste Molkereimilchpreis 2015 (Standard-Produzentenpreise 180'000 kg, ab Hof). Bezahlt wurde dieser von der Firma Lanz. Auf die Frage, warum der Joghurtspezialist aus Obergerlafingen SO im letzten Jahr relativ gute Milchpreise auszahlen konnte, antwortet Geschäftsführer und –inhaber Andreas Lanz zunächst: «Wir sind halt ein bisschen naiv.»

5 Mio. kg direkt von gut 20 Milchproduzenten

Wohl kaum. Das innovative Unternehmen besteht bereits seit 75 Jahre erfolgreich am Markt. Und so sind wohl eher andere Faktoren wie Standort sowie die Strukturen von Molkerei und Zulieferern die Hauptgründe dafür, dass man bei Lanz mehr als 60 Rappen pro Kilo zahlen kann.  «Wir verarbeiten rund 7 Mio. kg Milch, wobei wir etwa 5 Mio. kg direkt von gut 20 Milchproduzenten beziehen», erklärt Geschäftsführer Lanz weiter.

Den Rest beziehe man bei Bedarf von der Miba. Es sei kein Geheimnis, dass man durch diesen Puffer die eigenen Produzenten etwas schützen könne, die für ihre Milch fast 20 Prozent mehr erhielten als Miba-Lieferanten. «Unser oberstes Ziel ist es stets, Milch aus nächster Umgebung mit grösstmöglicher Wertschöpfung zu verarbeiten. Wenn wir eine vernünftige Verwertung sicherstellen, profitiert davon auch der Bauer», so Lanz weiter.

«Kreuz an Decke malen»

Für die Molkerei, die ausschliesslich für den Schweizer Markt produziert, würden Rezeptleistungen immer wichtiger, also die Entwicklung kreativer Produkte, die schwer zu imitieren sind. Dies bedeute aber auch, dass die Milch im Joghurt etwas weniger wichtig würde. Ein echtes Problem für die Molkerei stellt dabei die Umsetzung von Swissness dar.

«Es ist widerlich, wenn man sieht, mit welcher Hartnäckigkeit das Gesetz umgesetzt werden muss und wie es für die Industrie einfach nur mühsam ist.» Man müsse sich dann einfach nicht wundern, wenn Verarbeiter eines Tages nur noch nach dem Preis einkaufen würden. «Dann können Bauern ihre Milch selber trinken und sich das Kreuz an die Decke malen», warnt Lanz.

EU beeinflusst Milchpreis

Aber es sei nicht nur das Schweizer Gesetz, das ihm zunehmend Buchschmerzen bereiten würde. So habe die Kontrolle einer EU-Behörde – die kontrolliere, ob wir vom Kantonschemiker des Kantons Solothurn richtig kontrolliert wurden – ergeben, dass unsere Rohmilchtanks zu wenig isoliert seien. «Alleine die zu ersetzenden Tanks kosten eine halbe Million Franken, was sich wohl auch auf den Milchpreis negativ auswirken wird», erklärt Lanz.

Freier Handel nimmt ab

Marktseitig beurteilt Andreas Lanz die fortschreitende Zentralisierung kritisch. Lanz habe bis anhin überwiegend den freien Detailhandel beliefert. Dieser würde aber immer mehr durch Grosse aufgekauft, welche wiederum mit Zulieferern exklusive Verträge abgeschlossen haben.

«Auch unser zweites Standbein, der Markt für Spitäler und Heime, wird von den Grossanbietern aggressiv bearbeitet.» Diese Institutionen kriegten UHT-Milch oder Schlagrahm zu nicht Kosten deckenden Preisen, nur um den Rest auch noch liefern zu können. «Das macht es für uns als Familienunternehmen, die mit Milchprodukten Deckungsbeiträge generieren muss, nicht einfacher, Milchpreis hin oder her», so Lanz.

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