2.06.2017 08:12
Quelle: schweizerbauer.ch - Samuel Krähenbühl
Milchmarkt
Wer meint es besser mit den Bauern?
Zwischen den Detailhändlern und den Molkereien herrscht wegen des Richtpreisentscheids ein grosses Hickhack. Die Molkereien räumen ein, dass sie A-Richtpreis nicht einhalten

Es ist kompliziert: Das gilt im Moment für die verworrene Situation um den Milchpreis. Coop hat bereits angekündigt, freiwillig 3 Rp./kg ab 1. Juli mehr zu bezahlen. Dies gilt allerdings nur für Eigenmarken. «Wir stehen bereits in Kontakt mit unseren wichtigsten Eigenmarken-Lieferanten und werden diese demnächst treffen, um sicherzustellen, dass die verarbeitende Industrie den Mehrbetrag vollumfänglich an die Bauern weitergibt», sagt Coop-Sprecherin Angela Wimmer. Im Gegensatz dazu will die Migros nicht nachziehen.  

Kritik an Molkereien

Trotzdem weist Migros-Sprecherin Monika Weibel Kritik an ihrer Firma zurück: «Die Migros bezahlt über ihren Eigenindustrie-Betrieb Elsa heute schon den vollen A-Milch-Richtpreis, ohne dabei ungerechtfertigte Abzüge zu machen. Die Migros hat sich in der Vergangenheit immer zu den Richtpreisen der BOM loyal gezeigt und wird dies auch in der jetzigen Situation und in der Zukunft tun. Daher wird die Migros ihre Preise nicht anpassen, sondern bezahlt nach wie vor den vollumfänglichen, gültigen A-Milch-Richtpreis.»

Indirekt kritisiert also die Migros die grossen Molkereien, die ihrerseits den Richtpreis nicht einhalten würden. Diese streiten das im Übrigen nicht einmal ab. «Der von Cremo durchschnittlich ausbezahlte A-Milch-Preis liegt bei rund 60 Rp./kg», sagt Cremo-Sprecher Thomas Zwald. Zur Erinnerung: Der gültige A-Richtpreis liegt franko Rampe bei 65 Rp./kg, was etwa 63 Rp./kg beim Bauern entspricht.

Abzüge gerechtfertigt

«Eine Angleichung des durchschnittlich ausbezahlten A-Milch-Preises an den Richtpreis muss über einen entsprechenden Anstieg der realen Marktpreise auf den entsprechenden Absatzmärkten erfolgen. Eine Angleichung, welche die Marktrealität ausblendet, wäre aus unternehmerischer Sicht unverantwortlich, zumal es am finanziellen Spielraum fehlen würde», argumentiert Zwald.

Auch Emmi-Sprecherin Sibylle Umiker räumt ein, dass ihre Firma diverse Abzüge, beispielsweise die Deckungslücke beim Schoggigesetz von total 2,6 Rp./kg, mache. «Richtpreisanpassungen werden immer von der gesamten Wertschöpfungskette solidarisch getragen und können deshalb nicht mit den Abzügen für Schoggigesetz-Deckungslücken, Entlastungsexporte und Ähnliches verrechnet werden. Da sich am Marktumfeld nichts verändert hat, werden die BOM-konformen Abzüge bis auf Weiteres aufrechterhalten», argumentiert sie.  

Internationalen Märkten ausgesetzt

Auch Hochdorf-Sprecher Christoph Hug räumt ein, dass seine Firma den A-Richtpreis nicht einhält. Er führt dafür verschiedene Argumente ins Feld. So beachte der Richtpreis die unterschiedlichen Produktportfolios und Absatzmärkte der Marktteilnehmer nicht. «Die Hochdorf-Gruppe ist mit ihren Produkten stark den internationalen Märkten ausgesetzt, was den Preis entsprechend beeinflusst», argumentiert er.

Der von zahlreichen Marktfaktoren beeinflusste Milchpreis lasse sich durch Hochdorf nicht steuern. «In den letzten Monaten führten die besseren internationalen Produktpreise bei der Hochdorf-Gruppe zu einer Erhöhung der ausbezahlten Preise. Weitere Preisanpassungen hängen u.a. von der internationalen Preisentwicklung ab», erklärt er.

 

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