6.06.2013 07:29
Quelle: schweizerbauer.ch - Eveline Dudda
Milchmarkt
Willkürliche Milchpreise
Die A-, B- und C-Preise der Milchkäufer haben oft wenig mit den Richtpreisen der BOM zu tun, sie weichen bis zu 18 Rappen ab.

Der Milchpreis steigt. Jedenfalls liest man das seit Wochen in allen Medien. Nur im Portemonnaie spüren die meisten Milchbauern davon aber wenig. Im Gegenteil: Von Januar bis März erhielten sie für B-Milch sogar zwei Rappen weniger – obwohl der Richtpreis der Branchenorganisation Milch (BOM) in dieser Zeit konstant blieb. Überhaupt kann man feststellen, dass die Auszahlungspreise pro Segment mit den Richtpreisen der BOM manchmal wenig zu tun haben.

Transportkosten variieren

Da der BOM-Richtpreis franko Rampe Verarbeiter gilt, ist klar, dass den Bauern noch der Aufwand für Sammlung, Transport und Verwaltung davon abgezogen wird. Merkwürdigerweise scheint sich dieser Aufwand aber laufend zu verändern. Im Januar wurden für Sammlung, Transport usw. von einem Kilo B-Milch zum Beispiel rund 5 Rappen berechnet. Im Februar waren es plötzlich 6, und im März 7 Rappen.

C-Milch liess sich in derselben Zeit billiger transportieren: Im Januar wurden dafür 3 und im März 5 Rappen veranschlagt. Bei der A-Milch scheint der Transport dagegen besonders schwer zu wiegen: Der dafür in Rechnung gestellte Aufwand lag letztes Jahr zwischen 7 und 9 Rappen. Doch alle drei Milcharten werden vom selben Lastwagen abgeholt und von den gleichen Büros verwaltet.

Bis zu 18 Rp. Differenz

Bei einzelnen Erstmilchkäufern scheinen diese Verwaltungskosten ganz besonders hoch zu sein. Im März lag z.B. der Produzenten-B-Preis der Prolait ganze 16 Rappen unter dem BOM-Richtpreis. Auch bei der Miba bekamen die Bauern 14 Rappen weniger, als die BOM berechnet hat, während bei Vallait nur zwei Rappen weniger ausbezahlt wurden. 

Das Milchpreismonitoring des SMP zeigt die grossen Unterschiede auf: Im März wurden den Bauern A-Milch-Preise von 51 (Lati) bis 63 Rappen (Vallait) geboten. Beim B-Preis, den die BOM im März auf 57,8 Rappen festlegte, schwankten die Auszahlungspreise sogar zwischen 40 (Prolait) und 58 Rappen (Milco). Das sind 18 Rappen Differenz!

Billig A-Milch einkaufen

Damit beziehen manche Milchkäufer die A-Milch billiger, als andere die B-Milch einkaufen. Deshalb stellt sich die Frage: Wenn die Milchpreise der einzelnen Segmente offenbar beliebig festgesetzt werden und derart stark von den Richtpreisen abweichen, was bringt dann die Kontrolle der «korrekten» Segmentierung? 

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