2.05.2019 11:29
Quelle: schweizerbauer.ch - Adrian Haldimann
Milchmarkt
«Wir kämpfen für die Milchbauern»
Milchbauer Werner Locher ist ein Kämpfer für einen fairen Milchpreis. Er hofft, dass über die Hälfte der Milchproduzenten die Petition Milchmarkt unterschreiben. Damit soll Druck auf die Politik ausgeübt werden.

«Schweizer Bauer»: Anfang Jahr haben Sie Ihren Milchwirtschaftsbetrieb an Ihren Sohn Kaspar übergeben. Melken Sie als Herzblut-Milchbauer trotzdem noch täglich Kühe?
Werner Locher: Ja, solange auf unserem Betrieb Milchkühe gehalten werden, melke ich sehr gerne.

Das klingt danach, als ob die Zeit mit den Milchkühen bald abgelaufen ist.
Mein Sohn vertraut keiner beständigen und verlässlichen Agrarpolitik mehr. Das ewige Hüst und Hott der Politik macht ihm Sorgen. Deshalb klammert er sich nicht weiter an die Milchproduktion. Er hat den Milchkuhbestand auf 45 Kühe reduziert, und parallel dazu baut er seine Mutterkuhherde auf. Wenn sich am Milchpreis nichts ändert, sind die Milchkühe in fünf Jahren Geschichte. Das schmerzt mich innerlich.

Der jahrzehntelange Milchtiefpreis hat also auf Ihrem Betrieb Spuren hinterlassen.
In den letzten zehn Jahren haben wir nicht mehr in die Milchproduktion investiert. Die Luft der finanziellen Möglichkeiten wurde immer dünner.

Trotz allem kämpfen Sie weiter für einen besseren Milchpreis. Fehlt es an kämpferischem Nachwuchs?
Sehr viele Jungbauern haben sich von der Milchwirtschaft verabschiedet. Es sind wirklich wenige, die sich noch für einen nachhaltigen Milchmarkt einsetzen. Viele haben die Hoffnung verloren, dass sie beispielsweise an einer Versammlung noch etwas bewirken können.

Wie nehmen Sie den Kampfgeist der Schweizer Milchproduzenten (SMP) wahr?
Die SMP setzen sich für die Anliegen der Milchbauern ein. Dies tun sie aber immer nur unter Berücksichtigung, dass alle Marktakteure einverstanden sind. Deshalb ist ihr Spielraum an Möglichkeiten sehr klein. Sie sind darin gefangen.

Sie von der Milchbauern-Basisorganisation BIG-M sind ungebunden.
Für uns gelten die Interessen der Milchbauern, und für diese kämpfen wir.

Dies machen Sie aktuell, indem Sie mit der Petition für fairen Milchmarkt auf Unterschriftensammlung  gehen. Bis heute unterschrieben rund 150 Landwirten. Sie wollen damit Druck auf die Politik ausüben.
Und dafür ist es höchste Zeit. Ich wünsche mir, dass über die Hälfte der Milchproduzenten die Petition unterschreiben wird. Bisher ging politisch nichts, weil die ganze Milchbranche keine gesetzlichen Leitplanken wollte. Ich bin überzeugt davon, dass 85 Prozent der Milchbauern anders denken.
-> Hier kann man unterschreiben

Es gibt aber sehr wohl gesetzliche Vorschriften wie etwa zu den Milchkaufverträgen.
Gemäss diesen sollten jährlich die Milchmenge und der Milchpreis vereinbart werden. Doch ständig wird diese Regelung ausgetrickst und umgangen. So teilt beispielsweise die Mooh den Milchproduzenten Monate im Nachhinein mit, wie viel Verkäsungszulage diese zugute gehabt haben. Für mich sind solche Vorgehensweisen gesetzeswidrig und völlig nicht nachvollziehbar. Es braucht klarere gesetzliche Vorgaben.

Welches ist die wichtigste gesetzliche Leitplanke, die sie in der Petition fordern?
Wir wollen einen Milchkaufvertrag, der die A-Milchmenge festlegt und der uns frei entscheiden lässt, wie viel Milchmenge wir zum B-Milchpreis liefern wollen. Händler und Verarbeiter wollen aber keinesfalls, dass die Produzenten B-Milchmengen, die ich heute bei einem Preis von 32 Rappen pro Kilo als Überschussmilch bezeichne, selber bestimmen können. Aus diesem Grund gibt es heute kaum mehr die freiwillige C-Milch.

Sie haben über 30 Jahre Milchwirtschaft betrieben. Wollten Sie unter heutigen Bedingungen nochmals so lange melken?
Ich verstehe meinen Sohn mit seinen Umstrukturierungsplänen. Mir ginge es wohl in dieser Situation gleich. Als ich 1986 den Betrieb übernahm, konnte man sich aktuelle Diskussionen nicht vorstellen. Ich hatte eine Perspektive. Heute ist alles infrage gestellt. Für Junglandwirte ist das Gift.

Glauben Sie nach vielen Ernüchterungen in den vergangenen Jahren noch an einen Durchbruch im Milchmarkt, dank der Petition?
Ich habe die Hoffnung, dass wir einen Schritt weiterkommen. Ohne ökonomische Nachhaltigkeit gibt es in Zukunft in der Schweiz keine Milchproduktion mehr. Ich setze mich dafür ein, dass es nicht so weit kommen wird. Ich kämpfe für das Ideal einer bäuerlichen Landwirtschaft.

Locher und Petition

Der 65-jährige Werner Locher aus Bonstetten ZH führte einen Milchwirtschaftsbetrieb mit 60 Kühen. Als Mitgründer und Sekretär der Milchbauern-Basisorganisation BIG-M will er den Milchbauern wieder eine Perspektive geben. Für EU-weit höhere Milchpreise lanciert das  European Milk Board (EMB), die Interessenvertretung für Milcherzeuger in Europa, Petitionen für einen fairen Milchmarkt. In der Schweiz wird die Petition von bäuerlichen Organisationen und allen voran von BIG-M und und Uniterre in die Öffentlichkeit getragen. hal

 

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