13.07.2013 13:17
Quelle: schweizerbauer.ch - Interview: Daniel Etter
Butter
«Wir müssen aus der Situation lernen»
BOM-Geschäftsführer Daniel Gerber ist überzeugt, dass beim Abbau des Butterbergs nichts schiefgelaufen ist. Für ihn sind die Butterimporte eine Konsequenz der knappen Einlieferungen. Dies sei nicht vorhersehbar gewesen.

«Schweizer Bauer»: In den letzten beiden Jahren verbilligten die Bauern mit jeweils 34 Mio. Franken  überschüssige Butter,  um sie  auf dem Weltmarkt zu entsorgen. Die Lager wurden so stark geleert, dass jetzt Butter importiert werden muss. Da ist etwas schiefgelaufen, oder?
Daniel Gerber: Nein, schiefgelaufen ist dabei nichts. Im Gegenteil. Ich erachte es als grosse Leistung, insbesondere von den Bauern, dass wir so die Überschusssituation in den Griff bekamen und das überschüssige Milchfett keine Preisspirale im Inland nach unten verursachte.

Warum legte die Branchenorganisation Milch (BOM) oder die Branchenorganisation Butter (BOB) nicht einen Ziellagerbestand fest?
Das ist eine berechtigte Frage. Man hätte durchaus sagen können, dass die Exporte nur bis zu einem gewissen Minimalbestand gestützt werden. Wir haben aber die Exportstützung per Mitte 2012 aufgrund der knappen Mittel massiv reduziert, und eine Festlegung eines Ziellagerbestandes hätte kaum einen Einfluss auf die aktuelle Marktsituation gehabt.

Die Bauern hätten Geld gespart, und wir müssten keine Butter importieren
Das stimmt. Die Butterimporte sind jedoch eine Konsequenz aus der aktuellen Angebotsverknappung, welche vor der Kürzung der Exportstützung nicht absehbar war. Wir müssen aber sicher aus der Vergangenheit und der aktuellen Situation lernen. Müssen wir wieder einmal eine Entlastungsmassnahme auf die Beine stellen, würde es wohl Sinn machen, ein entsprechendes Instrument vorzusehen.

Profiteure der Situation sind die Verarbeiter. Sie kauften die Milch billig ein, liessen sich den Lagerabbau finanzieren und können jetzt mit Importen das Geschäft machen.
Das würde ich so nicht sagen. Beachten wir die Preisentwicklung in der Schweiz im Vergleich zum europäischen Umfeld. Wir stellen fest, dass sich die Preise parallel entwickelten. Über die Entlastungsmassnahmen konnten wir den Preiszerfall in der Schweiz verhindern. Davon profitierten die Bauern. Klar, sie finanzierten die Entlastung, und das war eine grosse Leistung.

Die Situation hätte man  kommen sehen müssen. Nehmen die Milchüberschüsse ab, sinkt die Produktion von Magermilchpulver und Ramsch-Magerkäse. So entsteht weniger Fett und daher weniger Butter.
Die Situation haben wir nur sehr bedingt voraussehen können. Schliesslich haben wir die Bedingungen für den Entlastungsfonds vor mehr als drei Jahren festgelegt. Damals wussten wir nicht, dass die Milchproduktion in der jetzigen Grössenordnung zurückgehen wird. Wir haben aber die Situation immer wieder neu beurteilt. Nach den enormen Exportmengen im Mai 2012 haben wir den Beitrag massiv reduziert. Dies bremste die Exporte deutlich. Als wir schlussendlich nur noch einen marginalen Beitrag bezahlten, versiegten die Exporte quasi. Wir entrichteten also nicht bis zum Schluss Beiträge nach dem Giesskannenprinzip.

Die Butterimporte zeigen, dass die Nachfrage nach Milch in der Schweiz grösser ist als das Angebot. Weshalb liegen die Milchpreise nach wie vor  unter den Richtpreisen der BOM?
Die Milchpreise zogen stark an. Mittlerweile liegen die Milchpreise durchschnittlich in etwa beim Richtpreis. Dieser gilt ja bekanntlich franko Rampe, deshalb ist der ausbezahlte Preis etwas tiefer. Wir müssen auch berücksichtigen, dass ein allzu grosser Unterschied zwischen dem inländischen und dem ausländischen Rohstoffpreis zu einer Inlandverdrängung durch Importprodukte führen kann.

Werden nicht zu viele Niedrigpreissegmente bedient?
Nein, das zeigen ja die nötigen Butterimporte. Wird die Milch knapp, fliesst sie weniger in diewertschöpfungsschwachen Segmente. Butter und Milchpulver werden also weniger hergestellt. Das ist  gut so.

Man hört, dass Handelsorganisationen zum Teil ihre Verträge mit Verarbeitern nicht erfüllen, Strafzahlungen in Kauf nehmen, um die Milch in wertschöpfungsstärkeren Segmenten zu platzieren.
Davon habe ich noch nichts gehört. Dieses Vorgehen wäre zwar nach ökonomischen Kriterien verständlich, es verstösst jedoch gegen die Grundsätze des verbindlichen Standardvertrages.

Die Branche macht sich auch Gedanken über die Zukunft. Wie schätzen Sie diese ein?
Eine Prognose lässt sich nur schwer machen. Die tiefen Einlieferungen sind vor allem durch die schwierigen Wetter- und Futterbedingungen verursacht. Ich schliesse keineswegs aus, dass es wieder zu Überschüssen kommen wird, und ich würde es begrüssen, wenn sich die Branche bereits jetzt auf eine solche Situation vorbereiten würde.

Was wäre, wenn wir in einer vergleichbaren Situation wären, aber offene Grenzen hätten?
Wir diskutierten den Milchfreihandel intensiv. Die Meinungen gehen aber weit auseinander, und eine Sprachregelung für die gesamte Branche ist nicht möglich. Bei offenen Grenzen hätten wir jedoch vergleichbare Rohstoffpreise und in einer Situation von knappen Milcheinlieferungen  würde wohl Milch in die Schweiz eingeführt.

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