16.11.2015 06:22
Quelle: schweizerbauer.ch - Interview: Daniel Salzmann
Interview
«Wir müssen den Richtpreis halten»
Bald entscheidet die Branchenorganisation Milch, ob der Richtpreis bei 68 Rp./kg bleibt. Die Schweizer Milchproduzenten beantragen dies. Verarbeiter und Detailhandel sollen sich zur Milchproduktion bekennen.

«Schweizer Bauer»: Bevor am 27. November  in Bern die Kundgebung stattfindet…
Hanspeter Kern: Dazu möchte ich betonen: Wir unterstützen die Stossrichtung des Bauernverbandes voll und ganz. Angesichts der geplanten Sparmassnahmen zulasten der Bauernfamilien müssen wir jetzt ein Zeichen auf der Strasse setzen. Wir rufen unsere Produzenten dazu auf, an der Kundgebung teilzunehmen.

…ist am 26. November eine Sitzung des Vorstandes der Branchenorganisation Milch (BOM). Der Richtpreis des A-Segments für das 1. Quartal 2016 wird dort festgelegt. Wie sehen Sie die Vorzeichen?
Wir von der Produzentenseite werden uns einmal mehr dafür engagieren, den Richtpreis auf dem heutigen Niveau zu halten. Ein stabiler Richtpreis ist der Garant dafür, dass die Preise an der Ladentheke nicht heruntergerissen werden. Und es gibt keinen Druck der Konsumenten, dass die Milchproduktion billiger werden müsste. Es will niemand, dass diese um die 5 Rappen billiger wird!

Bei einer Senkung des Richtpreises würden alle Milchprodukte günstiger,  nicht?
Dann würde der Milchpreis auf der ganzen Front sinken und das Preisniveau im Detailhandel wäre kaum zu halten. Die Konsumenten könnten Druck machen oder die Detailhändler machen sich selbst den Druck, die Preise an der Front zu senken. Man könnte sagen, der ganze Lift fährt um einen Stock nach unten. Wir sehen ein, dass der gegenwärtige Richtpreis von 68 Rp./kg klar über dem Indexpreis liegt, aber wir sind immer noch gleich weit entfernt wie vor einem halben Jahr. Und der stabile Richtpreis hat sich bewährt: Wir halten so die Wertschöpfung in wichtigen Segmenten der Schweiz, und wir haben auf dem Markt eine gewisse Stabilität.

Schon dreimal konnten die Produzenten in der BOM diese 68 Rp./kg verteidigen. Warum soll Ihnen dies erneut gelingen?
Wir bringen die bereits genannten Argumente vor, dürfen aber auch sagen, dass sich die internationale Marktlage, wenn auch auf tiefem Niveau, mindestens stabilisiert hat. Mit unseren breit angelegten und erfolgreichen Marketingmassnahmen haben wir Produzenten unseren Teil dazu beigetragen, die Marktanteile in der Schweiz zu verteidigen. Ein stabiler Richtpreis wäre erneut ein Bekenntnis von Verarbeitern und Detailhändlern zur Milchproduktion in der Schweiz. Die Gefahr besteht, dass ein erheblicher Teil der Milchproduktion in der Schweiz wegfällt.  2015 haben prozentual mehr Milchproduzenten mit Melken aufgehört als 2014.

Aber der Einkaufstourismus ist eine Tatsache.
Ja. Doch alle Zahlen des  SBV zeigen: Die zusätzlichen Franken, die nach dem 15. Januar ins Ausland getragen wurden, sind nicht für Lebensmittel ausgegeben worden, sondern im Bereich Non-Food. Ich wohne in einer Grenzregion und kann sagen: Keiner fährt über die Grenze, weil Milch und Milchprodukte billiger sind. Da dürfen wir als Bauern uns nicht den Schwarzen Peter anhängen lassen! Ohnehin gehen die höheren Konsumentenpreise in der Schweiz ja keineswegs nur auf uns zurück, auch Verarbeitung und Handel sind in der Schweiz teurer. Milchprodukte in der Schweiz sind 2015 gleich teuer wie im Jahr 2000!

Gibt es keinen Beschluss im Vorstand, sinkt der Richtpreis um mehrere Rappen? 
Ja, es würde der Index zählen, was  wohl zwischen drei und vier Rappen bedeuten würde. Wir von der Interessengruppe «Produktion» werden uns dafür einsetzen, den Richtpreis bei 68 Rp./kg zu belassen. Für einen Beschluss braucht es sowohl auf unserer Seite als auch bei der Interessengruppe «Verarbeiter/ Handel» eine Dreiviertelsmehrheit. Wenn alle 10 auf unserer Seite einer Meinung sind, benötigen wir mindestens 8 Stimmen auf der Seite «Verarbeiter/Handel». Wenn nur 5 stimmen, sind 4 nötig. Wir appellieren an die Verarbeiter und die Detailhändler, zu ihrem Bekenntnis zur Milchproduktion in der Schweiz zu stehen.

Wer am Tisch sitzt

Für Verarbeiter/Handel sitzen im Vorstand der BOM: Markus Willimann (Emmi), Lukas Barth (Elsa), Christian Guggisberg (Coop), Jacques Gygax (Fromarte), Stefan Gygli (Migros), Lorenz Hirt (Milchindustrie), Ernst Hofer (Bernische Milchkäufer), Christian Oberli (Ostschweizer Milchverarbeiter), Michel Pellaux (Cremo), Werner Schweizer (Hochdorf). Stellvertreter für die genannten zehn Vorstandsmitglieder sind: Hans Aschwanden (Zentralschweizer Milchkäufer), Daniel Imhof (Nestlé), Christof Züger (Züger Frischkäse AG). 

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