28.11.2012 17:02
Quelle: schweizerbauer.ch - Daniel Etter
Milchmarkt
Wird jetzt mehr Butter produziert?
Wird jetzt mehr Butter produziert?Aktuell können die Handelsfirmen nicht in jedem Fall die Mengenabmachungen erfüllen. In den Verträgen geregelte Konventionalstrafen kommen zum Tragen. Die Verarbeiter müssen zusätzliche Milch beschaffen.

Jene Milchhandelsorganisation, welche ihre Vertragsmenge – egal bei welchem grösseren Milchverarbeiter – unterliefert, muss mit einer Strafabgaben in der Höhe von bis zu 14 Rappen je Kilo zu wenig gelieferte Milch rechnen. Wer eine derart hohe Strafabgabe hinnimmt, der muss entweder effektiv zu wenig Milch haben oder  ein kühler Rechner sein. Denn liefert eine Organisation die Milch anstatt beim Vertragspartner bei einem Gelegenheitskäufer ab, muss er mindestens 14 Rappen mehr je Kilo Milch lösen.

Verträge nicht erfüllt

«Im Normalfall ist es unseren Lieferanten möglich, Milch innerhalb der definierten Bandbreite zu liefern. Es kommt äusserst selten vor, dass überhaupt unterliefert wird. So war dies 2012 lediglich einmal der Fall», erklärt Sibylle Umiker, Mediensprecherin von Emmi.  Der Unterlieferungsfall, den Umiker anspricht, ist jener der PO Miba. Sie erfüllte die Vertragsmenge nicht und musste eine Konventionalstrafe hinnehmen. «All unsere Vertragspartner kriegten die Milchknappheit zu spüren», bestätigt Miba-Geschäftsführer Christophe Eggenschwiler. Sie hätten bei allen die Einlieferungen drosseln müssen. Dies aber nicht, um einem anderen zu liefern, sondern, weil die Milch einfach nicht produziert worden sei. Eggenschwiler zeigt sich aber erfreut, dass Strafabgaben jetzt nicht mehr  zur Diskussion stünden.

Was wird hergestellt?

Dass Milchverarbeiter bereit  sind, für gewisse Milchmengen deutlich  mehr zu bezahlen als für die übrige Vertragsmilch, wirft Fragen auf.  Welche Produkte stellen sie aus dieser Milch her? Viele Indizien deuten darauf hin, dass sie verbuttert wird. Schliesslich ist der Buttervorrat knapp, und es gibt gar Stimmen, die Butterimporte voraussagen. Solche würden die Bauern nicht akzeptieren, schliesslich haben sie den Abbau des Butterbergs mit weit über 30 Millionen Franken finanziert. Und sie zahlen nach wie vor in den Entlastungsfonds ein. Dazu kommt, dass die Verarbeiter nur bis Mitte Dezember zusätzliche Milch nachfragen. Aus Erfahrung weiss man, dass es in etwa so lange viel Butter für das Weihnachtsgeschäft braucht, dass aber danach die Butterlager in der Regel wieder ansteigen, es also zu viel Butter hat.

Wird nicht verbuttert

Dass zusätzliche Milch verbuttert werde, dafür hat Peter Ryser, Geschäftsführer der Branchenorganisation Butter, kein Indiz. «Seit September liegt die Butterproduktion deutlich unter Vorjahresniveau, und auch in den letzten Tagen haben uns keine Anzeichen erreicht, welche auf eine zunehmende Produktion hindeuten», sagt er.

Auch Sibylle Umiker stellt in Abrede, dass diese zusätzlich eingekaufte Milch verbuttert wird. «Aktuell produzieren wir Butter, doch deutlich weniger als zur gleichen Zeit vor einem Jahr», sagt Umiker. Die zusätzliche Milch bräuchte Emmi, um anderen Kundenaufträgen gerecht zu werden.

Überall knappe Menge

Mit ungewohnt tiefen Einlieferungen ist auch der Milchpulverfabrikant Hochdorf konfrontiert. «Die Hochdorf-Gruppe erhält im Moment schon auch weniger Milch als sonst im Monat November. Es ist aber so, dass wir als Regulierer in den Monaten September bis Ende November nie oder sehr selten zusätzliche Milch erhalten haben», erklärt Hochdorf-Sprecher Christoph Hug. Deshalb sei es nichts Neues, wenn vertragslose Milch den Weg nicht in ihr Werk finde. Bei der Migros-Tochter Elsa scheint man genügend Milch zu erhalten. «Es ist richtig, dass je nach Vertragssystem die Mengen in manchen Gegenden  unter dem Vorjahr liegen», sagt Alexander Briw von der Elsa. Die Elsa kaufe zurzeit aber keine zusätzliche Milch von Käsereien zu.

Noch 1168 Tonnen Butter am Lager

Die Butterlager leeren sich nach und nach. Ende letzter Woche lagerten noch 1168 Tonnen  Butter in Schweizer Kühlhäusern. Eine Woche zuvor waren es noch 1454 Tonnen. Wie bereits in den Vorwochen nahm der Lagerbestand knapp 300 Tonnen ab. Geht man davon aus, dass der Butterverbrauch bis Mitte Dezember in etwa konstant bleibt und dann rasant abnimmt, kann davon ausgegangen werden, dass die Lager in drei Wochen fast komplett aufgebraucht sind. Verhält sich die Butterproduktion respektive deren Verbrauch danach ähnlich wie in den Vorjahren, sollte der Lagerbestand ab Mitte Dezember wieder anwachsen.

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