19.02.2020 18:02
Quelle: schweizerbauer.ch - blu
Umfrage
Wird Milchproduktion weiter sinken?
Die Schweizer Milchproduktion ist auf den tiefsten Stand seit 2007 gefallen. Das schlechte Marktumfeld, insbesondere für Molkereimilch, hat sich ausgewirkt. Was denken Sie: Wie wird sich die Produktion 2020 entwickeln? Fällt sie weiter? Oder gibt es eine Trendumkehr? Abstimmen und mitdiskutieren

Die tiefen Preise, insbesondere für Molkereimilch, wirken sich auf die Milcherzeugung aus. Seit August 2018 ist diese in der Schweiz rückläufig. Mit 3‘399‘271 Tonnen produzierter und in Verkehr gebrachter Milch wurde 2019 die Marke von 3.4 Mio. Tonnen knapp verfehlt. Gegenüber 2018 nahm die Produktion um 1.6 Prozent oder 55‘157 Tonnen ab.

Gemäss TSM lieferten die Schweizer Milchproduzenten letztmals im Jahr 2007 mit 3‘260‘088 Tonnen Milch noch weniger Milch ab. Damals bestand noch das System der Milchkontingentierung, welches per 30. April 2009 aufgehoben wurde.

Strukturwandel und Ungewissheit

«Der Ursprung der tiefen Produktion liegt wohl im Strukturwandel», sagt Reto Burkhardt, Sprecher der Schweizer Milchproduzenten (SMP), zum Landwirtschaftlichen Informationsdienst (lid). Vor allem bei der Molkereimilch führten der hohe Arbeitsaufwand, ein ungenügender Milchpreis und damit ein deutlich zu tiefer Arbeitsverdienst dazu, dass Milchbauern die Produktion aufgäben. Auch die Ungewissheit bezüglich der künftigen politischen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen führe zu Unsicherheit, so Burkhardt.

Im vergangenen Jahr ist der Kuhbestand auf ein Rekordtief gesunken. Im Juli 2019 waren in der Schweiz 533'495 Milchkühe registriert. Gegenüber dem Vorjahresmonat hat sich der Bestand um 2% verringert, im Vergleich zu Juli 2012 sogar um 9%. Damit wurde ein absoluter Tiefstand seit Beginn der Aufzeichnungen 2012 erreicht. Dieser Rückgang hat sich ebenfalls auf die Milcheinlieferungen ausgewirkt. Denn gemäss Burkhardt konnte bis 2018 der Rückgang bei den Kühen mit besserer Genetik und mehr Milchleistung aufgefangen werden. Dies habe 2019 nicht mehr stattgefunden. 

7000 Milchbauern weniger als 2010

Immer weniger Bauern produzieren Kuhmilch – an diesem Fakt hat sich auch 2019 nichts geändert. Vergangenes Jahr haben 520 Betriebe die Produktion aufgegeben. Damit zählte die Schweiz Ende 2019 noch 19‘048 Milchbauern. Die Marke von 19'000 dürfte in diesem Jahr klar unterschritten werden.

Noch im Jahr 2010 zählte die Schweiz 26'000 Milchbauern. Seitdem haben rund 7000 Betriebe mit Melken aufgehört. 2015 haben 832 Betriebe die Produktion aufgegeben. 2016 sind 778 Betriebe ausgestiegen. 2017 zogen sich 776 Betriebe aus der Produktion zurück. Und 2018 haben 643 Bauern die Produktion beendet.

69 Betriebe mit mehr als 1 Million Kilo

Wie bereits im Vorjahr liegt der Rückgang bei sämtlichen Grössenklassen, die weniger als 300‘000 kg Milch pro Jahr produzieren. Die grösste Zunahme stellte sich bei Betrieben mit einem Produktionsvolumen zwischen 500'000 und 1 Million Kilo ein. In dieser Grössenklasse hat die Anzahl Produzenten um 43 Einheiten zugenommen. 2019 zählte die Schweiz 69 Betriebe, die mehr als 1 Million Kilo Milch produzieren. Das sind 2 mehr als 2018. 

Die 16‘478 Milchproduzenten mit einer Produktion von bis zu 300‘000 kg erreichen zusammen eine Milchmenge von insgesamt 2‘058‘079 Tonnen oder 62.6 Prozent der Gesamtproduktion. Die 2‘570 grössten Milchproduzenten mit einer Menge von über 300‘000 kg tragen bereits über einen Drittel oder 1‘230‘915 Tonnen (37.4 Prozent) zur Jahresproduktion bei.

Lücke schliessen

Burkhardt zeigt sich bezüglich Milchproduktion optimistisch. Im 2019 habe sich die Marktsituation dank guter Absatzzahlen und tiefere Milchmenge stabil gezeigt. C-Milch habe es keine gegeben. Nun gelte es, die Lücke zwischen dem A-Richtpreis (71 Rp./kg) und dem ausbezahlten Milchpreis unbedingt zu schliessen. 

Erfreulich sei zudem der neue Rekord bei der Käseproduktion. «Das ist für die Wertschöpfung positiv. Wenn die Milchproduktion tief ist, ermöglicht dies den Produzenten auch eher, den für sie optimalen Absatzkanal mit der höchsten Wertschöpfung zu finden», sagt Burkhardt zum lid.

Wie wird sich die Milchproduktion entwickeln? Werden die Einlieferungen weiter sinken und immer mehr Bauern die Produktion aufgeben? Oder sind Sie der Ansicht, dass sich die Produktion stabilisiert oder gar wieder zunehmen wird? Abstimmen und mitdiskutieren

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