25.09.2019 16:15
Quelle: schweizerbauer.ch - blu
Umfrage
Würde ein Milchstreik helfen?
Am Molkereimilchmarkt brodelt es immer noch. Die Produzentenpreise liegen bei weniger als 60 Rappen. Für Milchbauern sind solche Preise nicht kostendeckend. Würde ein Streik die Verarbeiter zu einem Umdenken veranlassen? Oder wäre es kontraproduktiv? Abstimmen und mitdiskutieren

Die Zeichen stehen auf Sturm am Schweizer Molkereimilchmarkt. Die Produzenten von Molkereimilch haben seit Jahren mit tiefen Preisen zu kämpfen. Der erlöste Milchpreis ist oft nicht kostendeckend. Vielen Produzenten müssen sich mit einem Auszahlungspreis von etwas mehr als 50 Rappen pro Kilo zufrieden geben.

Politik bekämpft Vorlage zugunsten Bauern

Der Schweizer Bauernverband und die Schweizer Milchproduzenten haben die Verarbeiter bereits mehrmals aufgefordert, die Preise für konventionelle Industriemilch zu erhöhen. Oft sind diese Forderungen in den Milchtanks der Molkereien versunken.

Verschiedene politische Vorstösse, um den Preis zu stützen, versandeten. Milchproduzent und Nationalrat Jacques Nicolet (SVP, VD) reichte am 4. Mai 2017 eine Motion: «Geben wir den Produzenten von Industriemilch wieder Zukunftsperspektiven». Er forderte, dass der Bundesrat für 80 Prozent der gesamten Molkereimilchproduktion einen Interventionspreis von 75 Rappen pro Kilogramm einführt.

Gegen Kontingentierung

Der Vorstoss strandete im Parlament. Am 21. Juni dieses Jahres starb dieser einen leisen Tod. Die Motion wurde abgeschrieben, weil sie vom Nationalrat nicht innerhalb der gesetzlichen Frist von zwei Jahren abschliessend behandelt worden ist.

Verschiedene Kantone versuchten mit Standesinitiativen, die Lage der Milchbauern zu verbessern. Der Ständerat hat am Dienstag drei Vorstösse der Kantone Jura, Freiburg und Genf abgelehnt, die mit Gesetzesänderungen für Verbindlichkeit im Milchmarkt sorgen wollen. Die Mehrheit des Ständerats ist überzeugt, dass auch eine Wiedereinführung der Kontingentierung die Situation nicht stabilisieren würde.

Ständerat will nun doch eingreifen

Immerhin überwies die grosse Kammer eine Motion der eigenen Wirtschaftskommission. Diese verlangt ein Eingreifen des Bunderates. Dieser soll bei der Branchenorganisation Milch (BO Milch) darauf hinwirken, dass die Milchpreise in den höheren Segmenten für mindestens drei Monate festgelegt werden. Die Produzenten sollten auch in Zukunft frei entscheiden können, ob sie Milch in den tieferen Segmenten zu einem tieferen Preis abgeben wollen.

Die Motion fordert, dass der Preis für A- und B-Milch im Vertrag mit Menge und Preis in Kilogramm fixiert sein muss. Heute ist es laut BOM zulässig, dass die Menge nicht in Kilogramm definiert ist. Und die Preise sollen für mindestens drei Monate fixiert sein. Heute kann dies monatlich wechseln. 

Protest bei Emmi und Migros

Die Bauerngewerkschaft Uniterre, das Bäuerliche Zentrum Schweiz einige Milchbauern haben in der vergangenen Woche in Emmen LU vor einem Werk von Emmi protestiert. Sie riefen für einen fairen und transparenten Milchmarkt auf. Falls Emmi den Milchpreis nicht erhöht, befürchtet Uniterre unweigerlich einen Preisdruck von Seiten der anderen Verarbeiter.

Die heutige Situation gefährde die bäuerliche, nachhaltige Landwirtschaft. «Wir Milchproduzenten erwarten, dass der Richtpreis von 71 Rappen für das A-Segment den Bauern franko Hof ausbezahlt wird», sagte Uniterre-Aktivist Rudi Berli. Der Richtpreis sei für ihn nicht weiter als eine nichts aussagende Zahl. Er müsse für den Produzenten gültig sein, fordert Berli. 

Nur wenige Bauern haben teilgenommen

Das Problem bei der Demo in Emmen wie auch vor einigen Wochen in Schönbühl BE: Nur ganz wenige Bauern haben teilgenommen. Die Milchbauern haben es bisher nicht geschafft, geeint und in grosser Anzahl für ihre Anliegen eintzutreten. «Wo ist da die Solidarität der 20'000 Milchbauern gegenüber dem Dutzend streikenden Bauern geblieben? Wen wunderts, wenn die grossen Milchverarbeiter diese Situation schamlos ausnützen. Einigkeit würde stark machen. Hier ist das Fehlen einer geschlossenen Bauernschaft sichtbar und spürbar», schreibt Walter Gisler auf schweizerbauer.ch in einem Kommentar. 

Dass eine geschlossene Protestaktion möglich ist, haben Bauern bereits bewiesen. Im November 2015 haben sich über 10'000 Landwirtinnen und Landwirte lautstark auf dem Bundesplatz in Bern versammelt. Anlass waren die vom Bundesrat angekündigten Kürzungen des landwirtschaftlichen Zahlungsrahmens 2018–21 in der Höhe von rund 800 Millionen Franken.

Die Demo wurde vom Bauernverband und den Schweizer Milchproduzenten organisiert. Beim Thema Milch halten sich beide Verbände in Sachen Milchstreik aber zurück. Dies ist sicher auch ein Grund, dass bisher nicht mehr Milchbauern für ihre Anliegen gekämpft haben.

Was denken Sie? Würde ein Milchstreik helfen, um die Position der Milchbauern zu verbessern? Oder wäre es gar kontraproduktiv? Und weshalb haben sich Ihrer Meinung nach bei den bisherigen Demos bei Milchverarbeitern nur wenige Bauern engagiert? Abstimmen und mitdiskutieren

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