31.10.2013 08:10
Quelle: schweizerbauer.ch - Daniel Salzmann
Milchmarkt
Zemp erwartet Richtpreiserhöhung
Markus Zemp, Präsident der Branchenorganisation Milch(BOM), geht davon aus, dass der A-Richtpreis um 3 bis 4 Rappen steigen wird. Er warnt auch davor, dass die BOM auf neue Überschüsse nicht vorbereitet wäre.

«Es sieht danach aus, dass wir für das erste Quartal 2014 eine Richtpreiserhöhung um 3 bis 4 Rappen haben werden», sagte Markus Zemp, Präsident der Branchenorganisation, am vergangenen Sonntag in Charmey FR. Und immer mehr Verarbeiter würden diesen Richtpreis auch bezahlen, sonst erhielten sie nicht genügend Milch, ergänzte er. Entscheiden wird der BOM-Vorstand über den A-Richtpreis Ende November.

Für das laufende Quartal liegt er bei 69 Rp./kg. Ende August hatten die Grossverteiler Coop und Migros, die grossen Molkereien und die Käser eine Erhöhung auf 72 Rp./kg abgelehnt. Olivier Isler vom Käserverband Fromarte verwies auf die Situation in der Deutschschweiz, wo es für die gewerblichen Käsereien bei zu hohem Molkereimilchpreis schwierig sei, genügend Milch zu erhalten. Damit sprach er vor allem die Emmentaler AOC-Käsereien an.

BLW: Zu viele Händler

Auch BLW-Direktor Bernard Lehmann beehrte die rund fünfzig Agrarjournalisten, davon viele aus dem Ausland, mit seinem Besuch. Er betonte, die langfristig steigenden Weltmarktpreise würden die Konkurrenzfähigkeit der Schweizer Bauern verbessern. Sein Stellvertreter Jacques Chavaz, dem er allerdings im Frühling den Bereich Märkte entzogen hatte, blickte zurück auf den Ausstieg aus der Milchkontingentierung.

Als positive Schlussfolgerungen auf die Übergangsphase 2006–2009 nannte Chavaz eine bessere Kooperation in der Wertschöpfungskette und eine verstärkte Ausrichtung auf den Markt. Negativ sei die zu grosse Anzahl von Milchhandelsorganisationen (39) und die schwache Verhandlungsposition der Produzentenorganisationen gewesen. Zemp stellte klar, dass von der Aufhebung der Kontingentierung einige profitiert hätten, andere – vor allem kleinere Betriebe in abgelegenen Regionen ohne Käserei – seien die Verlierer gewesen.

Überschüsse in 2015?

2015 wird die EU die Milchquote aufheben. Carlos Martín Óvilo von der EU-Kommission in Brüssel rechnet für diese Zeit nicht mit «Schocks» bezüglich Menge und Preis. Schliesslich werde heute EU-weit die Quote nicht ausgeschöpft. Lehmann aber riet, die Entwicklung genau zu beobachten. Die Aufhebung sei ein psychologisches Signal, und es gebe Regionen, wo heute die Quote voll ausgeschöpft, ja überschritten werde.

Zemp stiess ins gleiche Horn: «Ich bin mir nicht so sicher, ob 2015 nicht doch viel Milch kommt und wir in der Schweiz ein Problem haben.» Er glaube nicht, dass es in der Schweiz nie mehr zu viel Milch geben werde. Und für eine neue Überschusssituation habe die BOM derzeit noch keinen Plan. Eventuell brauche es da die Hilfe des Bundes. Zemp platzierte auch einen Seitenhieb ans Marketing für Schweizer Milch: «Ich bin nicht sicher, ob das Milch-Marketing gut ist. Wir müssen mehr tun.»

Kein A, B, C bei Biomilch

Für ziemlich ratlose Gesichter bei Lehmann und Zemp, der vorher die Segmentierung in A-, B- und C-Milch erklärt hatte, sorgte eine Frage der Journalistin Eveline Dudda. Sie wollte von Urs Brändli, Präsident von Bio Suisse, wissen, ob die von ihm gelieferte Milch in A, B- und C segmentiert werde –  wie es die BOM vorschreibe. Brändli sagte Nein, das interessiere ihn auch nicht.

Nach der Versammlung erklärte er, er habe als Mitglied der IG Biomilch mit der Biomilchpool GmbH zwar einen Milchkaufvertrag, in diesem werde aber nicht zwischen A-, B- und C-Milch unterschieden. Hingegen sei auf der Abrechnung ersichtlich, ob seine silofrei produzierte Biomilch als solche an Käsereien oder als Biomilch oder als konventionelle Milch an die Industrie verkauft wurde. Das sei absolut transparent. Lehmann betonte, das BLW habe die Aufsicht verstärkt. Bei 97% der kontrollierten Vertragsverhältnisse sei alles in Ordnung.

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