26.06.2013 06:00
Quelle: schweizerbauer.ch - Samuel Krähenbühl
Milchmarkt
ZMP wachsen im Osten, nicht im Westen
Die Zentralschweizer Milchproduzenten (ZMP) wachsen ostwärts ins Knonaueramt im Kanton Zürich und übernehmen dort 21 neue Milchbauern. Wechselwillige Berner Bauern hingegen wollen die ZMP nicht.

Die ZMP bieten als Mehrheitsaktionäre der grössten Schweizer Molkerei Emmi einen der besten Milchpreise in der Schweiz. Auf der anderen Seite fragt Emmi von den ZMP mehr Milch nach. Es erstaunt deshalb nicht, dass es an den Rändern des ZMP-Gebiets wechselwillige Milchproduzenten gibt.

«Die ZMP haben in den vergangenen Monaten einige Anfragen für eine Mitgliedschaft von Milchproduzenten aus dem angrenzenden Gebiet erhalten. Insbesondere kamen die Anfragen aus den angrenzenden Kantonen Bern und Zürich», bestätigt ZMP-Sprecherin Carole Aschwanden.

Zürcher aufgenommen

Letzte Woche habe nun der ZMP-Vorstand der Aufnahme von 21 neuen Mitgliedern aus dem angrenzenden Gebiet zugestimmt. «Die aufgenommenen Produzenten stammen aus dem unteren Drittel des Knonaueramts im Kanton Zürich, welches direkt an das Gebiet der ZMP angrenzt und kurze Transportdistanzen zu den Verarbeitungsbetrieben in der Zentralschweiz hat», so Aschwanden. Damit seien die Milchdichte und die positive Auswirkung auf die Logistikkosten gegeben.

Die Milch dieser Produzenten gehe heute an drei verschiedene Organisationen (Nordostmilch, ZeNoOs und Biomilchpool). Auch die aktuelle Marktlage und die Vereinbarung zwischen den ZMP und Emmi würden es erlauben, diese neuen Milchproduzenten aufzunehmen. Die 21 Milchproduzenten produzieren gemäss Aschwanden eine Milchmenge von insgesamt 4,6 Mio. Kilo. Die Aufnahme erfolgt per 1. Januar 2014.

Berner erhielten Absage

Eine Absage erhielten hingegen Lieferanten der Aaremilch AG im Thuner Ostamt unweit der Grenze des ZMP-Gebiets, welches bis in  die Gemeinde Schangnau BE am Schallenberg reicht. Die Initiative ging von der Milchgenossenschaft Ried in Unterlangenegg BE aus, wie deren Sekretär Fritz Reusser bestätigt: «Die Hauptversammlung unserer Milchgenossenschaft Ried hat uns vom Vorstand den Auftrag gegeben, mit den ZMP Verhandlungen aufzunehmen.» Der Grund liege auf der Hand. «Die ZMP haben im letzten Jahr gemäss Milchpreismonitoring etwa 2,5 Rp./kg mehr bezahlt.»

Der Vorstand habe dann das Gespräch mit den Vorständen von weiteren Genossenschaften aus den Gemeinden Buchholterberg BE, Unterlangenegg BE, Wachseldorn BE und Eriz BE mit insgesamt 5 Mio. Kilogramm Liefermenge geführt. Diese hätten sich ebenfalls an den Verhandlungen beteiligt. Nun habe es aber letzte Woche eine Absage von den ZMP gegeben. «Vonseiten der ZMP hat es geheissen, die ZMP-Erweiterung westwärts sei ad acta gelegt», so Reusser. Er vermutet «kartellistische Absprachen» zwischen den ZMP und der Aaremilch AG.

Schneider weiss nichts

«Die Diskussion um Aufnahme von Milchproduzenten aus dem Gebiet Schallenberg, die zu den ZMP wechseln wollten, wurde zwischen der Aaremilch AG und  den ZMP in erster Linie auf operativer Ebene geführt», sagt ZMP-Sprecherin Aschwanden dazu. Das Geschäft sei nicht im Vorstand traktandiert gewesen, da sich die Aaremilch AG und die ZMP in der Milchvermarktung darauf geeinigt hätten, primär Optimierungen in der Milchvermarktung anzustreben, um für beide Seiten Synergien erzielen zu können. «Die Gespräche hierzu sind noch nicht abgeschlossen, und zu laufenden Verhandlungen geben wir keine Stellungnahme ab», fügt sie an.

Donat Schneider, Geschäftsführer Aaremilch AG, sagt, dass er offiziell bis auf den heutigen Tag nichts von den Wechselgelüsten der Milchproduzenten im Zulgtal gehört habe. Und er betont: «Es gibt kein Stillhalteabkommen zwischen den ZMP und uns.» Was hingegen stimme, sei, dass die Aaremilch AG seit Jahren mit den ZMP in der Milchvermarktung zusammenarbeiten würden. «Dies genau so, wie wir es auch mit Nordostmilch, Prolait oder Miba tun», fügt er an.

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