3.04.2014 09:33
Quelle: schweizerbauer.ch - Ulrike Steingräber
Milchmarkt
«Zu klein, um gross zu sein»
Mit einer deutlichen Mehrheit von 93 Prozent stimmten die Delegierten des Walliser Milchverbandes (WMV) am Montag einer industriellen Zusammenführung von Valait und Valcrème mit der Cremo zu. Max Stalder, Vizepräsident des WMV, äussert sich zu den Gründen der Fusion.

Weshalb war ein Zusammenschluss der Unternehmen notwendig?
Max Stalder: Wir haben verschiedene Szenarien geprüft und überlegt, wie wir uns am Markt, der sich national und international verändert hat, besser und sinnvoll positionieren können. Mit der Integration von Vallait und Valcrème in die Cremo haben wir eine langfristige und nachhaltige Lösung für alle Beteiligten gefunden.

Die Cremo ist vorwiegend im Massengeschäft tätig, bei dem die Margen mit weiteren Grenzöffnungsschritten zunehmend unter Druck geraten. Wäre der WMV ohne Fusion nicht besser gestellt?
Stalder: Wir haben eine Marktsituation, die wir nicht ändern können. Wir haben eine Schuldenlast von früher und sind den zukünftigen Investitionen hilflos ausgesetzt: Verlangt der Markt eine neue Abfüllmaschine, müssen wir investieren. Jedoch ist eine Investition von mehreren Millionen schwer tragbar. Deshalb ist es sinnvoll, sich mit einem Partner zusammenzutun - nach dem Motto „Gemeinsam sind wir stark“. Wenn wir langfristig eine optimale Lösung haben wollen, ist eine Win-Win-Situation für beide Seiten Voraussetzung. Bei der Vorstellung, das Unternehmen wie bisher weiterzuführen, wäre die Grösse ein Hauptproblem: Wir sind zu klein, um gross zu sein und umgekehrt. Es ist nicht die Lösung, wenn man die Firmen rekapitalisiert. Dies sei lediglich eine Symptombekämpfung, aber keine effektive Problemlösung.

Welche Vorteile bringt der Zusammenschluss dem Milchproduzenten?
Stalder: Für den Milchproduzenten sind die Abnahme von Milch und Käse sowie ein angemessener Preis für diese Produkte gesichert. Wir sind auf einen guten Markt angewiesen, um unsere Produkte zu vermarkten. Die Cremo hat eine sehr gute Vermarktungsstruktur, nicht nur national, sondern auch im Export. Weiterhin wurde ausgehandelt, dass die Walliser Milchproduzenten den gleichen Status haben wie die Freiburger Produzenten. Es ist ein geschützter Status und somit können wir sicherstellen, dass wir einen möglichst optimalen Milchpreis haben.

Bleibt die Milchverarbeitung im Wallis oder wird künftig die Milch in den Kanton Freiburg transportiert?
Stalder: Es macht keinen Sinn, die Milch ausserkantonal zu verarbeiten. Die Verarbeitung und auch die Wertschöpfung werden in Siders bleiben. Ziel ist es, den Standort Siders als Käsekompetenzzentrum landesweit zu positionieren und folglich auch die Arbeitsplätze dort nachhaltig zu sichern.

Durch den Zusammenschluss verliert der WMV seine Unabhängigkeit? Inwieweit kann der Verband künftig bei Cremo mitbestimmen?
Stalder: Der WMV als Verband bleibt eigenständig. Wir werden in Zukunft weiterhin die Interessenvertretung wahrnehmen, auch das Milchmengenmanagement wird beim WMB bleiben. Innerhalb der Cremo wird der WMV einen Verwaltungsratssitz haben und als Minderheitsaktionär müssen wir natürlich überlegen, wie wir uns positionieren, um möglichst gut unsere Meinung einbringen zu können.

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