1.05.2014 11:05
Quelle: schweizerbauer.ch - Daniel Salzmann, Samuel Krähebühl
Milchmarkt
Zu viel Bio-Milch — und es kommt noch mehr
In der Schweiz gibt es zu viel Bio-Milch. 15,5 Prozent konnten in den ersten beiden Monaten des Jahres nicht zu Biomilchprodukten verarbeitet werden. Und von den Umstellbetrieben ist noch mehr Bio-Milch zu erwarten.

Gemäss Marktlagebericht Milch betrug die kumulierte Biomilchproduktion von Januar bis Februar 2014 38'177 Tonnen und liegt damit 1573 Tonnen oder 4,3 Prozent höher als in der Vorjahresperiode. Davon wurden 32'261 Tonnen (–65 t oder –0,2%) zu Biomilchprodukten verarbeitet. Das bedeutet, dass 5916 Tonnen oder 15,5% der gesamten Biomilch nicht zu Biomilchprodukten verarbeitet werden konnten.

Milch von Umstellern

2014 seien zusätzliche Mengen durch Umsteller auf den Markt gekommen, bestätigt Bio-Suisse-Sprecher Andreas Käsermann. «Nach einem allgemein sehr erfolgreichen Vorjahr, in dem der Biomilchmarkt um 7% und Käse sogar um 13,6% im Detailhandel umsatzmässig gewachsen ist, hielt sich die Nachfrage nach Biomilch zum Jahresanfang auf dem Vorjahres-Niveau. Die zusätzlichen Mengen konnten also nicht abgenommen werden», fügt er an. Ein Grund dafür sei, dass der Waren- und Werbedruck für Bioprodukte, den Detailhändler Coop 2013 wegen des Naturaplan-Jubiläums aufgebaut habe, nicht in diesem Ausmass habe fortgesetzt werden können.

Die Überproduktion hänge auch damit zusammen, dass viele Umstellbetriebe als Koppelprodukt Milch produzieren: «Die Umstellung eines Betriebes auf Bioproduktion ist ganzheitlich. Zahlreiche Betriebe produzieren zum Beispiel neben dem gesuchten Getreide auch Milch.» Unter den Umstellern gebe es zudem viele, die höhere Milchmengen produzieren.

Konventionell verkauft

Ein Teil der Biomilch werde deshalb zu konventionellen Produkten verarbeitet. «Ein Teil wird in haltbare Produkte wie Biobutter verarbeitet, deren Lager für den Sommer aufgestockt werden muss», fügt er an. Bio Suisse schätze, dass in den nächsten Jahren jährlich 5–10 Mio. kg mehr Bio-Milch auf den Markt kommen. Aufgrund von Anmeldungen zur Umstellung 2012 sind etwa noch 12,5 Millionen kg Milch von Umstellerbetrieben in der «Pipeline», welche zusätzlich ab 2015 den Bio-Milchmarkt belasten werden.

Die genaue Zahl sei jedoch sehr schwierig zu eruieren. «Auf die Mengenentwicklung haben jedoch verschiedene Faktoren wie etwa die Futterqualität, aber auch der nicht vorhersehbare Ausstieg der Betriebe aus der Bio- oder Milchproduktion einen Einfluss», betont Käsermann.

Fairer Handel gefordert

Die Biomilch-Überschüsse waren auch an der DV der Bio Suisse letzte Woche in Olten ein Thema. Die Bärner Bio Bure stellten einen Antrag mit dem Titel «Fairer Handel im Biomilchmarkt». Sie wollten den Vorstand von Bio Suisse beauftragen, der Herbst-DV 2014 einen Vorschlag zu unterbreiten, wie die Verwertungskosten überschüssiger Biomilch auf alle Bioindustriemilch-Produzenten verteilt werden können. 

An der Versammlung hiess es, es könne nicht sein, dass die Lieferanten des Biomilchpools die Überschüsse fast alleine tragen müssten und deshalb einen viel tieferen Preis für ihre Biomilch erhielten (siehe Kasten). 

Preise für Biomilch

Erstmilchkäufer Rp./kg

Cremo SA 80,19
ZMP79,69
Emmi AG 79,42
Biedermann Molkerei AG 78,47
Züger Frischkäse AG 78,14
Miba 77,46
Aaremilch AG 77,39
Schwyzer Milchhuus 76,83
Biomilchpool GmbH 69,83
Durchschnitt Schweiz 75,01

Quelle: SMP für Kalenderjahr 2013 (Basis 180'000 kg, Jahresliefermenge, Gehalt 73 g/kg, ab Hof abgeholt)

Tiefer Pool-Milchpreis - Antrag zurückgezogen

Kathrin Schneider, Präsidentin der Bärner Bio Bure, sagte: «Der Schuh drückt wirklich stark. Im Berner Oberland gibt es Biomilchpool-Lieferanten, die in bestimmten Monaten für die Bio-Milch weniger erhalten als ihre Berufskollegen für konventionelle Milch. Oft geht es auch um  Bio-Pionierbetriebe, die auf abgelegenen Betrieben zu Hause sind.» 

Die Berner zogen ihren Antrag letztlich aber zugunsten des Gegenantrags des Vorstands zurück. Demnach soll sich der Vorstand von Bio Suisse bei den Marktakteuren des Biomilchmarktes für faire Verhältnisse unter den Biomilchproduzenten einsetzen.

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