30.01.2019 18:29
Quelle: schweizerbauer.ch - blu
Milchmarkt
«Zuschlag auch für Käsereimilch»
Die Anforderungen an eine nachhaltige Milchproduktion, in der Branche «Grüner Teppich» genannt, soll auch für die Käsereimilch gelten. Dies fordert Urs Werder, Präsident der SMP-Käsereimilchkommission. Ansonsten habe die Käserei- gegenüber Molkereimilch einen Wettbewerbsnachteil.

Die Branchenorganisation Milch (BOM) einigte sich auf einen Branchenstandard für nachhaltige Milch. Dazu müssen die Molkereimilch-Produzenten ab dem 1. Juli 2019 zehn zwingende Grundanforderungen erfüllen. Dafür gibt es einen Zuschlag von 2 Rappen je Kilo Milch. «Es wäre nicht nachvollziehbar, wenn die Käsereimilch tiefere Anforderungen zu erfüllen hat als Molkereimilch», lässt sich Urs Werder in einer Mitteilung der Schweizer Milchproduzenten zitieren. 

Imageschaden droht

Er untermauert seine Forderung mit mehreren Argumenten. Um einen Imageschaden zu verhindern, müssten die weisse (Molkereimilch) und gelbe (Käsereimilch) Linie über eine getrennte Kommunikation verfügen. Dies sei sehr teuer und ineffizient, mahnt Werder. Weiter drohen Probleme bei der Überschussverwertung. «Überschussmilch und Rahm aus den Käsereien müssen den neuen Standard ja erfüllen, um in den weissen Kanal zu gelangen», so Werder.

Um sich von der ausländischen Konkurrenz abzugrenzen, müssten die Anforderungen an eine nachhaltige Milchproduktion für sämtliche Schweizer Milch gelten, betont er. «Für die Branche ist es von grundlegender Bedeutung, dass der Nachhaltigkeitszuschlag jedem Milchproduzenten gewährt wird, der die Anforderungen des Standards erfüllt», so Werder.

Appell an nachgelagerte Stufe

Die Kommission Käsereimilch richtet einen Appell an die Verarbeiter. Die Branche sei es sich schuldig, diesen Preiszuschlag generell zu unterstützen und die Preise auf dem Markt angemessen anzuheben. Die Kommission erwartet von allen nachgelagerten Bereichen der Produktion und des Vertriebs, dass sie die Gelegenheit nicht dazu nutzen, ihre Marge unangemessen anzuheben. Der Konsument sei bereit, den Nachhaltigkeitszuschlag zu bezahlen, sagt Werder.

In der Schweiz werden rund 2,4 Mio. Tonnen Molkereimilch produziert. Wird der Zuschlag flächendeckend umgesetzt (ohne gleichzeitige Senkung des Basismilchpreises), dürfen die Produzenten mit Mehreinnahmen von insgesamt 48 Mio. Franken pro Jahr rechnen. 

Die Kommission Käsereimilch wird sich dafür einsetzen, dass bei den Sortenorganisationen ab Juli 2019 der Nachhaltigkeitsstandard auch eingeführt wird. Die Kommission empfiehlt den Sortenorganisationen, in den nächsten Wochen das Thema zu diskutieren, um die Beschlüsse so rasch als möglich zu fällen. Ziel müsse es sein, den «Grünen Teppich» am 1. Juli 2019 bei sämtlicher Milch einzuführen. Die Branchenorganisation Milch (BOM) wird am 2. Mai 2019 für die Molkereimilch das Regelwerk des «Grünen Teppichs» verabschieden.

Zwingende Anforderungen für Nachhaltigkeitszuschlag

Der Nachhaltigkeitszuschlag von 2 Rappen je Kilo muss separat auf der Milchgeldabrechnung ausgewiesen werden.

Fünf Anforderungen aus dem Bereich Tierwohl 

RAUS–BTS: Die Kühe müssen an einem der beiden (oder beiden) Tierwohlprogramme des Bundes teilnehmen. BTS steht für besonders tierfreundliche Stallhaltung, RAUS steht für regelmässigen Auslauf.
Kälberhaltung: Die Mindesthaltedauer auf dem Geburtsbetrieb beträgt bei allen geborenen Kälbern 21 Tage.
Mindestmelkintervall: Die Kühe müssen mindestens zweimal pro Tag gemolken werden.
Einhaltung Richtlinien ASR: Die Tierhalter, welche mit ihren Tieren an Schauen und Ausstellungen gehen, müssen sich verpflichten, die Richtlinien ASR einzuhalten.
Keine Trächtigkeit bei Schlachtkühen: Bei Schlachtkühen muss die Nicht-Trächtigkeit nachgewiesen gemäss der Branchenregelung Proviande eingehalten werden.

Zwei Anforderungen im Bereich Fütterung

Sojaschrot: Falls Sojaschrot in der Fütterung verwendet wird, muss dieses nachweislich aus nachhaltigen Quellen stammen.
Palmfett und Palmöl: Die Fütterung der Milchkühe kommt zu 100% ohne Palmfett oder -öl aus.

Drei weitere Anforderungen

Antibiotikaeinsatz: In der tiermedizinischen Behandlung dürfen ohne tierärztliche Anordnung keine kritischen Antibiotika verwendet werden, welche wegen der möglichen Resistenzbildung in der Humanmedizin umstritten sind. 
Biodiversität: Das Bundesprogramm ÖLN muss erfüllt werden. Dies bedeutet, dass in der Regel mindestens 7% der gesamten landwirtschaftlichen Nutzfläche besondere Leistungen zur Biodiversität erfüllen.
Name der Kuh und Kalb: Jede Kuh hat ab Geburt einen Namen, welcher in der TVD eingetragen ist. Damit wird die für den Familienbetrieb typische Beziehung Tierhalter zum Tier zum Ausdruck gebracht.

Zusätzliche Anforderungen:
Die BOM will Zusatzanforderungen definieren. Sie stammen aus den Bereichen Aus- und Weiterbildung, Klima, Tierwohl und Antibiotika. Zwei Kriterien müssen die Bauern auswählen und erfüllen.

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