30.04.2019 16:09
Quelle: schweizerbauer.ch - blu/sal
Milchmarkt
Zuschlag auch für verkäste Milch?
Am kommenden Donnerstag wird ein wichtiger Tag für die Schweizer Milchwirtschaft. Die Branchenorganisation Milch wird über den Standard «Nachhaltige Milch» entscheiden. Widerstand kommt von den Käsern. Soll der Zuschlag auch für verkäste Milch ausgerichtet werden? Abstimmen und mitdiskutieren

Im vergangenen Herbst hat der Vorstand der Branchenorganisation Milch (BOM) auf einen Branchenstandard für nachhaltige Milch geeinigt.

3 statt 2 Rappen

Wer als Milchbauer den Nachhaltigkeitszuschlag erhalten möchte, muss 12 Grundanforderungen erfüllen. Ziel ist es, dass nach einer Übergangsfrist von 4 Jahren sämtliche Schweizer Milch nach strengeren Kriterien produziert und verarbeitet wird. Die Bauern sollen mit einen Nachhaltigkeitszuschlag bedacht werden.

Im September kommunizierte die BOM noch einen Zuschlag von 2 Rp./kg für sämtliche Molkereimilch (A, B und C). Der Vorstand der BOM hat Anfang April nun Vorentscheide gefällt und Änderungen vorgenommen. Der Zuschlag wird nun um einen Rappen auf 3 Rp./kg erhöht. Dieser wird aber nur noch auf der A-Milch ausbezahlt. Den definitiven Entscheid fällen die Delegierten am 2. Mai 2019.

Nur für A-Milch

Noch im vergangenen Herbst wurde ein Zuschlag auf der gesamten Molkereimilch vorgeschlagen. Warum nun diese Änderung? «Wir haben festgestellt, dass wir den Zuschlag auf B- und C-Milch am Markt nicht lösen können», sagte BOM-Geschäftsführer Stefan Kohler Anfang April zu schweizerbauer.ch. Die nun vorgeschlagene Lösung erachtet er deshalb als «realistischer». Die Chance, dass beispielsweise beim Export von Milchfett (C-Milch) in Form von Butter ein Zuschlag gelöst werden kann, ist verschwindend klein.

Die gesamte Summe des Nachhaltigkeitszuschlags bleibt gleich hoch. Es gibt also weder einen Zu- noch eine Abnahme. «Bei der Molkereimilch sind rund zwei Drittel im A-Segment und ein Drittel dem B- und C-Segment zuzuordnen», erklärte Kohler. In der Schweiz werden pro Jahr rund 3,4 Milliarden Kilo Milch produziert, 2,4 Milliarden davon sind Molkereimilch.

Begriffe nicht definiert

Der Zuschlag hat innerhalb der BOM aber nicht nur für Befürworter. Fromarte, der Verband der Käser, ist mit der aktuellen Ausgestaltung des Zuschlags für A-Milch nicht einverstanden. Die Käser wollen, dass der Zuschlag nur auf nicht verkäster Milch gilt.

«Solange keine Einigung betreffend die Begriffe Molkereimilch, industrielle Käsereimilch und gewerbliche Käsereimilch herrscht, wird Fromarte die Einführung des Branchenstandards Nachhaltige Schweizer Milch mit einem Nachhaltigkeitszuschlag von 3 Rappen je Kilogramm A-Molkereimilch ablehnen», so die deutlichen Worte von Fromarte.

Streitpunkt: Verkäste Silomilch

Die Geister scheiden sich bei mit Silage produzierter Milch, die verkäst wird. Darunter fällt beispielsweise Raclettekäse oder Grosslochkäse. Handelt es sich hierbei um A-Milch, für die 3 Rp./kg Zuschlag zu entrichten wäre, sofern die Nachhaltigkeitskriterien der BOM erfüllt sind? Viele Milchproduzenten sagen Ja. Um gegenüber der ausländischen Konkurrenz einen Mehrwert ausweisen zu können, müssten die Anforderungen an eine nachhaltige Milchproduktion für sämtliche Schweizer Milch gelten, sagen die Schweizer Milchproduzenten (SMP). «Für die Branche ist es von grundlegender Bedeutung, dass der Nachhaltigkeitszuschlag jedem Milchproduzenten gewährt wird, der die Anforderungen des Standards erfüllt», so die SMP.

In der Schweiz werden rund 2,4 Mio. Tonnen Molkereimilch produziert. Wird der Zuschlag flächendeckend umgesetzt (ohne gleichzeitige Senkung des Basismilchpreises), dürfen die Produzenten mit Mehreinnahmen von insgesamt 48 Mio. Franken pro Jahr rechnen.

Fromarte: Zuschlag kann nicht überwälzt werden

Käser müssten den Milchproduzenten dann einen Nachhaltigkeitszuschlag von drei Rappen bezahlen, ohne eine Siloverzichtszulage im Umfang von 3 Rappen zu erhalten. Sollte der Zuschlag für verkäste Silomilch aber nicht gelten, ist deutlich weniger Milch im System. Um die Höhe des Nachhaltigkeitszuschlags halten zu können, müsste der Zuschlag auf der A-Molkereimilch über 3 Rappen hinausgehen. 

Die Fromarte hingegen ist dagegen, weil Preiserhöhungen für Käse sowohl im Inland wie auch im Export zugunsten eines Nachhaltigkeitszuschlags zur Zeit nicht umsetzbar seien. Schweizer Käse werde seit vielen Jahren mit den Argumenten des grünen Teppichs (Nachhaltigkeit) beworben und vermarktet. Aufgrund der Marktlage beim Käse sieht Fromarte keine Möglichkeit für die Ausrichtung eines Nachhaltigkeitszuschlags auf der Käsereimilch. 

Es ist ein offenes Geheimnis, dass mit einem Branchenstandard für Nachhaltige Milch mittlerweile viele Akteure unter den Milchverarbeitern grosse Mühe haben. Vermutlich wären diese Verarbeiter nicht unglücklich oder gar glücklich, wenn dieser Antrag am 2. Mai an der Delegiertenversammlung der Branchenorganisation Milch (BOM) bachab geht.

Erstens sind aus Sicht der Verarbeiter Preiserhöhungen bei den Produkten aufgrund eines neuen Nachhaltigkeitszuschlages ohnehin schwierig umzusetzen. Zweitens steht die Migros abseits, sie selbst als Detailhändlerin, aber auch die Migros-Molkerei Elsa sind aus der BOM ausgetreten. Die Migros hat einen eigenen Nachhaltigkeitsstandard auf den 1. Januar 2019 bereits umgesetzt, aber nicht mit einem Zuschlag von 3 Rappen, sondern sie hat das einfach eingepreist. 

Cremo und Emmi gehören aber mehrheitlich den Milchproduzenten, für sie ist es schwierig, gegen einen Nachhaltigkeitsstandard mit 3 Rp./kg Bonus für die Milchproduzenten zu stimmen. Wenn jetzt die Käser mit ihrer Kritik im Fokus stehen und sich bei den Milchproduzenten unbeliebt machen, können sich die grossen Molkereien genüsslich zurücklehnen. sal

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