9.04.2019 15:13
Quelle: schweizerbauer.ch - blu
Milchmarkt
Zuschlag nur noch auf A-Milch
Die Branchenorganisation Milch (BOM) führt einen Standard «Nachhaltige Schweizer Milch». Der Zuschlag für die Bauern soll nun neu 3 statt 2 Rappen pro Kilo betragen, aber nur noch auf A-Milch. Neu soll dieser erst am 1. September statt am 1. Juli ausbezahlt werden. Den definitiven Entscheid fällen die Delegierten.

Im vergangenen Herbst hat die BOM beschlossen, einen Branchenstandard für nachhaltige Milch einzuführen. Wer als Milchbauer den Nachhaltigkeitszuschlag erhalten möchte, muss 12 Grundanforderungen erfüllen (siehe Kasten). Ziel ist es, dass nach einer Übergangsfrist von 4 Jahren sämtliche Schweizer Milch nach strengeren Kriterien produziert und verarbeitet wird. 

Im September kommunizierte die BOM noch einen Zuschlag von 2 Rp./kg für sämtliche Molkereimilch (A, B und C). Der Vorstand der BOM hat in der vergangenen Woche nun Vorentscheide gefällt und Änderungen vorgenommen. Gemäss einer Mitteilung von Dienstag wird der Zuschlag nun um einen Rappen auf 3 Rp./kg erhöht. Dieser wird aber nur noch auf der A-Milch ausbezahlt. Den definitiven Entscheid fällen die Delegierten am 2. Mai 2019.

Für B- und C-Milch nicht realistisch

Noch im vergangenen Herbst wurde ein Zuschlag auf der gesamten Molkereimilch vorgeschlagen. Warum nun diese Änderung? «Wir haben festgestellt, dass wir den Zuschlag auf B- und C-Milch am Markt nicht lösen können», sagt BOM-Geschäftsführer Stefan Kohler zu schweizerbauer.ch. Die nun vorgeschlagene Lösung erachtet er deshalb als «realistischer». Die Chance, dass beispielsweise beim Export von Milchfett (C-Milch) in Form von Butter ein Zuschlag gelöst werden kann, ist verschwindend klein.

Die gesamte Summe des Nachhaltigkeitszuschlags bleibt gleich hoch. Es gibt also weder einen Zu- noch eine Abnahme. «Bei der Molkereimilch sind rund zwei Drittel im A-Segment und ein Drittel dem B- und C-Segment zuzuordnen», erklärt Kohler. In der Schweiz werden pro Jahr rund 3,4 Milliarden Kilo Milch produziert, 2,4 Milliarden davon sind Molkereimilch.

1. Juli zu ehrgeizig

Und weshalb wurde der Starttermin um zwei Monate auf den 1. September nach hinten verschoben. «Dies ist auf einen Lernprozess in den vergangenen vier bis fünf Wochen zurückzuführen. Um den Standard und die damit verbundene Preiserhöhung am Markt erfolgreich durchzusetzen, muss die Kommunikation bereits aufgebaut sein. Hier waren wir mit dem 1. Juli zu ehrgeizig», sagt Kohler. Die Basiskommunikation, die Verarbeiter und die Händler müssen über ihre Kanäle die Änderungen kommunizieren. Zudem müssen auch neue Verpackungen produziert und ein Logo kreiert werden.

Das Logo soll in den kommenden Wochen erschaffen werden. Dieses wird anschliessend der Öffentlichkeit präsentiert. Ab Sommer können, die Marktakteure das Logo einsetzen. Ab dem 1. September sind die Produkte in den Läden verfügbar. Hat der neue Standard auch im Export eine Chance? Kohler zeigt sich optimistisch. Für Milchpulver und Babynahrung im Export werde A-Milch verwendet. «Verarbeiter wie Hochdorf, Crémo, Emmi, Züger und Nestlé sind Mitglieder der BOM und tragen den Entscheid mit», so Kohler.

Zwingende Anforderungen (ab 1. September) 

Die Grundanforderungen müssen erfüllt sein, um den Zuschlag zu erhalten. 

Fünf Anforderungen aus dem Bereich Tierwohl 

RAUS –BTS: Die Kühe müssen an einem der beiden (oder beiden) Tierwohlprogramme des Bundes teilnehmen. BTS steht für besonders tierfreundliche Stallhaltung, RAUS steht für regelmässigen Auslauf. 

Kälberhaltung: Die Mindesthaltedauer auf dem Geburtsbetrieb beträgt bei allen geborenen Kälbern 21 Tage. 

Mindestmelkintervall: Die Kühe müssen mindestens zweimal pro Tag gemolken werden. 

Einhaltung Richtlinien ASR: Die Tierhalter, welche mit ihren Tieren an Schauen und Aus-stellungen gehen, müssen sich verpflichten, die Richtlinien ASR einzuhalten. 

Keine Trächtigkeit bei Schlachtkühen: Bei Schlachtkühen muss die Nicht-Trächtigkeit nachgewiesen gemäss der Branchenregelung Proviande eingehalten werden. 

Zwei Anforderungen im Bereich Fütterung 

Sojaschrot: Falls Sojaschrot in der Fütterung verwendet wird, muss dieses nachweislich aus nachhaltigen Quellen stammen. 

Palmfett und Palmöl: Die Fütterung der Milchkühe kommt zu 100% ohne Palmfett oder -öl aus. 

Drei weitere Anforderungen 

Antibiotikaeinsatz: In der tiermedizinischen Behandlung dürfen ohne tierärztliche Anordnung keine kritischen Antibiotika verwendet werden, welche wegen der möglichen Resis-tenzbildung in der Humanmedizin umstritten sind. 

Biodiversität: Das Bundesprogramm ÖLN muss erfüllt werden. Dies bedeutet, dass in der Regel mindestens 7% der gesamten landwirtschaftlichen Nutzfläche besondere Leistungen zur Biodiversität erfüllen. 

Name der Kuh und Kalb: Jede Kuh hat ab Geburt einen Namen, welcher in der TVD eingetra-gen ist. Damit wird die für den Familienbetrieb typische Beziehung Tierhalter zum Tier zum Ausdruck gebracht.

Zusätzliche Anforderungen:

Sie stammen aus  den Bereichen Aus- und Weiterbildung, Klima, Tierwohl und Antibiotika. Zwei Kriterien müssen die Bauern auswählen und erfüllen.

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