15.04.2017 06:05
Quelle: schweizerbauer.ch - sal
Milchmarkt
Prolait macht Druck auf BOM
Die Milchbauernorganisation Prolait fordert, dass die Branche die Molkerei Cremo bezüglich Abrechnung in die Pflicht nimmt

Die Situation bei den ÖLN-Molkereimilchproduzenten im Waadtland ist aufs Äusserste angespannt. Viele grössere Milchviehbetriebe haben sich in der Vergangenheit für das Wachstum verschuldet und können jetzt angesichts von ausbezahlten Preisen unter 50 Rp./kg ihre Rechnungen nicht mehr bezahlen.

Die tiefe Verzweiflung und die grosse Wut war an der Delegiertenversammlung der Prolait in Mézières VD zu spüren. Beim ersten Votum von Uniterre-Vertreter André Muller war am Gästetisch noch verbreitetes Schmunzeln zu sehen. Dann donnerte Christian Wolf: «Man foutiert sich um uns! Die Herren in der Krawatte lächeln! Wie viele Selbstmorde braucht es noch, bis reagiert wird?» Betroffene Ruhe im Saal.

Patrick Demont kritisierte: «Die Verarbeiter leben gut bei den aktuellen Milchpreisen. Bitte reagieren Sie! Wir wollen keine Ausflüchte mehr!» Diverse Votanten waren sich einig, dass eine nationale Milchmengensteuerung unabdingbar sei.

Cremo soll mehr bezahlen

Milchproduzent Philippe Gruet brachte beim Milchring Yverdon die Forderung ein, dass Prolait als Milchkäuferin die Segmentierung respektiert, indem sie für die A- und die B-Milch den Richtpreis der Branchenorganisation Milch (BOM) bezahlt.

Weil der Hauptabnehmer Cremo aber derzeit Milch deutlich unter diesen Preisen einkauft, würde eine sofortige Umsetzung dieses Antrags den finanziellen Kollaps der Prolait bedeuten, die unter anderem wegen ihrer Weichkäserei in Moudon VS im Jahr 2016 einen Verlust verbuchen musste.

Der Verwaltungsrat der Prolait suchte deshalb mit Gruet das Gespräch, um einen dreifachen Antrag vorzulegen, der von den Delegierten denn auch genehmigt wurde. Erstens soll Prolait in den Milchkaufverträgen ab 1. Januar 2018 die Segmente A und B genannt haben. Zweitens bringt Prolait dies in die BOM ein, denn dafür muss die Molkerei Cremo ihr Einkaufssystem ändern (bislang hatte sie  den Segen der BOM für ein anderes System). Drittens muss sich Prolait dafür engagieren, dass die Richtpreise A und B eingehalten werden.

Laut dem Verwaltungsrat um Präsident Marc Benoît sind dafür allerdings höhere Konsumentenpreise nötig. Sonst sei die Molkereimilchproduktion in der Schweiz gefährdet. Laut Benoît hat sich die Segmentierung ohne Referenzmenge als unwirksam erwiesen.

Kritik an Segmentierung

Gruet kritisierte an der Versammlung: «Die Segmentierung ist aktuell nur ein Werkzeug, um die Produzenten zur Ablieferung von Billigmilch zu zwingen.» Vorrangig appellierte er an Verarbeiter und Detailhändler, aber auch BOM, SMP und der Bund  stünden in der Verantwortung. 

Die Milchproduzentenorganisation (PO) Prolait zählte Ende 2016 1011 Milchproduzenten (59 weniger als im Vorjahr, 1113 weniger als im Jahr 2006) und 194 Sömmerungsbetriebe (6 weniger). Die Produzenten verteilen sich auf die Kantone Waadt (925), Neuenburg (213), Freiburg (56) und Bern (11). Die Basismenge unter Vertrag belief sich 2016 auf 243 Mio. kg Milch. 60,7 % der Milch wurden in den Käsereien verarbeitet (Gruyère AOP, Vacherin Mont d’Or AOP, Weichkäse und andere Spezialitäten), 4,4 % auf den Alpen, und 34,9% gingen via Pool an die Molkereien. sal

 

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