26.11.2013 15:53
Quelle: schweizerbauer.ch - sda/dpa
Welthandel
Vorverhandlungen für WTO-Ministerkonferenz ohne Kompromiss beendet
Trotz nächtelanger Bemühungen von Diplomaten liegt für die Welthandelskonferenz auf Bali kommende Woche kein unterschriftsreifes Abkommen vor. «Wir hätten in Genf auch noch zwei weitere Wochen beraten können, ohne es zu schaffen», räumte WTO-Chef Roberto Azevêdo am Dienstag in Genf ein.

Man sei einer Einigung aber sehr nahe gekommen, sagte er. Er  forderte die zuständigen Minister der 159 WTO-Mitgliedsländer dazu  auf, sich an der Konferenz in Indonesien für ein Abkommen  einzusetzen.

In der letzten Vorbereitungsrunde im WTO-Generalrat - dem  höchsten Gremium der Handelsorganisation zwischen den  Weltkonferenzen auf Ministerebene - ging es um das sogenannte  Bali-Paket. Über einige der darin vorgesehenen Reformen hatten sich  die Diplomaten in den letzten zehn Wochen bereits verständigen  können. Dazu gehören etwa Absprachen über eine schrittweise  Reduzierung direkter und versteckter Agrarsubventionen.

Keine Einigung gab es dagegen bei angestrebten  Handelserleichterungen wie dem Bürokratieabbau in der  Zollabwicklung. Laut Azevêdo haben neue Vorbehalte in letzter  Minute sowie der Rückzug von Zusagen durch einige Länder Hoffnungen  auf ein unterschriftsreifes Abkommen für Bali zunichtegemacht.

21 Millionen neue Jobs

Zu den umstrittenen Punkten soll nun bei der Konferenz auf der  indonesischen Insel Bali vom 3. bis 6. Dezember ein Kompromiss  gefunden werden. Die Verhandlungen dürften nicht leicht werden,  sagte Azevêdo. «Obwohl wir bei den meisten Verhandlungspunkten  Spielraum für eine Einigung erkennen, gibt es noch viele  Hindernisse.»

Der Brasilianer warnte vor den Auswirkungen eines Scheiterns der  Verhandlungen in Bali. «Die Unterzeichnung eines Abkommens würde  die Weltwirtschaft mit Hunderten von Millionen Dollar stimulieren»,  betonte er.

Von einem mittlerweile ungewissen Durchbruch versprechen sich  Experten einen Investitionsschub für die gesamte Weltwirtschaft im  Umfang von 960 Mrd. Dollar. Dadurch könnten nach Berechnungen der Internationalen Handelskammer (ICC) in Paris 21 Millionen neue Jobs  entstehen, 18 Millionen davon in Entwicklungsländern.

Die Ministerkonferenz auf Bali wird als vielleicht letzte Chance  gesehen, die Doha-Verhandlungsrunde über den Abbau internationaler  Handelsschranken wiederzubeleben. Diese Verhandlungsrunde hatte  2001 in Katar begonnen.

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