Dienstag, 15. Juni 2021
06.05.2021 07:02
Freiburg

«Agrarinitiativen gefährden Traditionen»

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Von: lid/blu

Anlässlich einer Pressekonferenz in Charmey FR sprach sich eine freiburgische Allianz gegen die zwei Agrarinitiativen aus. Bio- und konventionelle Landwirtinnen vom Berg- und Talgebiet legten ihre Argumente gegen die Begehren vor.

Eine Annahme der beiden extremen Agrarinitiativen hätte fatale Auswirkungen auf die Land- und Ernährungswirtschaft, schweizweit und auch im Kanton Freiburg, argumentieren der Freiburgische Bauernverband und das 2x-NEIN-Komitees der Bezirke Glane, Greyerz und Vivisbach gemeinsam.

Alpabzug in Gefahr

Die potenziellen Konsequenzen dieser dogmatischen Initiativen seien eine Bedrohung für die Freiburger Landwirtschaftsbetriebe, warnte Fritz Glauser, Präsident des Freiburgischen Bauernverbandes. Ausserdem würden die Initiativen an der Qualität des Wassers so gut wie nichts ändern, da laut einer 2016 durchgeführten Studie zum Rheinwasser in Basel 99 Prozent der festgestellten Schadstoffrückstände nicht aus der Landwirtschaft stammten.

Die beiden Agrarinitiativen würden ausserdem die vielen Traditionen, wie beispielsweise den Alpabzug, der weit über die Kantonsgrenzen hinaus bewundert werde, gefährden. «Die Begehren bedrohen die alpwirtschaftlichen Traditionen, das Handwerk und die Familienbetriebe», sagte Henri Buchs, Präsident des Freiburgischen Alpwirtschaftlichen Vereins.

Die Poya bezeichnet den Alpaufzug der Viehherde im Frühling. Dieser sei bei einem Ja zu den Agrarinitiativen in Gefahr, warnt das Komitee.
zvg

Einkommen sinken

Die Initiativen würden zu einem Rückgang der Einkommen, des Viehbestandes und der landwirtschaftlichen Produktion führen, sagte Buchs weiter. «Alpkäsereigenossenschaften befürchten einen dramatischen Rückgang der produzierten Mengen», warnt er.

Auch Biobauern legten ihre Argumenten gegen die beiden Agrarinitiativen vor. Biobäuerin Karin Liaudat geht von einschneidenden wirtschaftlichen Auswirkungen aus. Bei einer Annahme der Initiative würde sie die Eierproduktion aufgeben. «Da unser Betrieb in der Bergzone I liegt, ist es für uns nicht möglich, das Getreide für die Fütterung unserer Legehennen selbst zu produzieren», hielt sie fest. 

Druck auf Freiburger Wirtschaft

Die landwirtschaftlichen Vertreter gehen bei einem Ja zu den Initiativen von einer Zunahme der Importe aus. Murielle Chassot, Präsidentin der «Association fribourgeoise des paysannes», macht sich Sorgen um die Ernährung ihrer drei Kinder. «Wir haben keine Kontrolle über die Qualität und Produktionsverfahren im Ausland», gab sie zu bedenken. Als reiches und fruchtbares Land sei es die Aufgabe der Schweiz, Konsequenzen von Ideologien nicht einfach ins Ausland zu verlagern.

Eine Annahme der Initiativen würde zu einem starken Druck auf die Freiburger Wirtschaft führen, pflichtete Olivier Curty, der für die Wirtschaft zuständige Staatsrat, bei. Und Staatsrat Didier Castella ergänzte, dass im Kanton Freiburg derzeit bereits viele wesentliche Schritte in Richtung einer nachhaltigeren und ökologischen Landwirtschaft unternommen würden.

Zwei Volksinitiativen

Die Pestizid-Initiative fordert ein Verbot synthetischer Pflanzenschutzmittel in der landwirtschaftlichen Produktion, in der Verarbeitung landwirtschaftlicher Erzeugnisse und in der Boden- und Landschaftspflege. Verboten werden soll auch der Import von Lebensmitteln, die mit synthetischen Pflanzenschutzmittel hergestellt wurden oder die solche enthalten.

Die Trinkwasser-Initiative verlangt, dass nur noch Bauern Direktzahlungen erhalten, die auf Pflanzenschutzmittel, vorbeugend oder systematisch verabreichte Antibiotika und zugekauftes Futter verzichten. Auch die landwirtschaftliche Forschung, Beratung und Ausbildung soll nur unter diesen Bedingungen Geld vom Bund erhalten.

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10 Responses

  1. Diese Initiativen sind an allem schlechten auf der Welt schuld. Sie sind die Inkarnation des Bösen schlechthin.

    Diesen Eindruck könnte man jedenfalls bekommen.

    1. genau! Solche an den Haaren herangezogene Argumente kommen, wenn man keine Argumenten mehr hat!

      Die Agrarlobby merk gar nicht, wie sie die letzten 30 Jahre verstreichen liess, um die Landwirtschaft den neuen Gegebenheiten anzupassen.

      Von allen, die voll vom Staat abhängig sind, kann man auch nichts anderes erwarten (nebst Bauern auch die Beamten, Sozialhilfebezüger, Entwicklungshelfer usw.)
      Deshalb JA zur TWI

      1. Jakob, die Landwirtschaft (inklusive die „Agrarlobby“) hat in den letzten Jahren sehr viel getan. Wenn das bei dir nicht so ankommt, solltest du vielleicht versuchen, dich besser zu informieren und wirklich nachzudenken. Der Antibiotikaverbrauch ist massiv zurückgegangen, der Pestizidverbrauch ebenfalls. Das Trinkwasser ist die letzten 20 Jahre besser geworden. Weil die Grenzwerte z.T. um das 100 fache verschärft wurden, scheint es so, dass das Trinkwasser schlechter wurde. 5 x NEIN am 13. Juni.

  2. Wenn man schon Traditionen hochhalten will, dann so wie sie ursprünglich waren. Ursprünglich wurde zum Beispiel den Kühen auf den Alpen kein Kraftfutter gefüttert. Und ursprünglich wurde auf den Alpen auch kein Herbizid gespritzt.

  3. Ursprünglich hat es auch noch keine Disteln gegeben auf den Alpen und der Unkrautdruck war nicht so hoch…. Möchtest du mal eine Woche helfen kommen zur Unkrautbekämpfung. Wenn nicht !dann Stimm lieber 2 mal Nein

    1. Habe viel Erfahrung mit Unkrautbekämpfung von Hand, dann kann ich also Ja stimmen. Bio aus Überzeugung müsste mind. bei der Pestizidinitiative ja stimmen, sonst musst du an deiner Überzeugung noch ziemlich arbeiten.

  4. Im Umkehrschluss würde es bedeuten: je mehr wir unsere Umwelt belasten und vergiften, desto besser geht es uns allen und wir sind alle viel glücklicher und zufriedener. Interessante Sicht.

    1. Willi Hauser: Produktion bringt Emissionen. Wer produziert, verursacht auch gewisse Schadstoffe. Dass sich gewisse Bauern derart ins Bockshorn jagen lassen, und sich und ihre Berufskollegen als Umweltverschmutzer ansehen, ist bedenklich. Die Bauern sind die wirklichen Umweltschützer und -erhalter in diesem Land. Wir sollten einfach erkennen, dass die Initiativen nicht das Ziel haben, die Umwelt oder das Trinkwasser zu verbessern, sondern die Schweizer Landwirtschaft zu schwächen.

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