Freitag, 23. Juli 2021
13.06.2021 20:30
Abstimmung

Agrarinitiativen wuchtig abgelehnt

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Von: blu

Die Trinkwasser- und Pestizidinitiative wurden deutlich abgelehnt. In diesem Übersichtsartikel finden Sie Reaktionen von Gegnern und Befürworter der Agrarinitiativen. In Videointerviews erklären Vertreter beider Seiten, wie sie das Resultat deuten. 

Ergebnisse Trinkwasser-Initiative

Ergebnisse Pestizid-Initiative

Die Berichterstattung zum Abstimmungssonntag ist mit dem Eintrag zu Bundesrat Guy Parmelin abgeschlossen. 
20.15 Uhr: Guy Parmelin ruft zum Dialog auf

Anwendungen für die Praxis seien bedeutend, erklärte Bundespräsident Parmelin.
eth

Landwirtschaftsminister und Bundespräsident Guy Parmelin wertet das Nein zur Trinkwasser- und zur Pestizidinitiative als Bestätigung des Kurses von Bundesrat und Parlament hin zu einer nachhaltigeren Landwirtschaft. Er rief die gegnerischen Lager zum Dialog auf. Mehr dazu hier

20.04 Uhr: Milchproduzenten zufrieden
Die Schweizer Milchproduzenten (SMP) sind sehr zufrieden mit diesem Ausgang der Abstimmungen. Das Abstimmungsergebnis zu den beiden Agrarinitiativen sei in dieser Deutlichkeit nicht zu erwarten gewesen. Sie bedanken sich für das grosse Engagement. «Die Stimmbürgerinnen und Stimmbürger bringen damit zum Ausdruck, dass die notwendige Weiterentwicklung und der Dialog auf dem vom Parlament bereits vorgezeichneten Weg verlaufen sollen. Die verkappten <Importförderungsvorlagen> sind damit ebenfalls abgelehnt», heisst es in der Mitteilung der Milchproduzenten. Die Schweizer Milchproduktion habe mit dem Produktionsstandard für nachhaltige Milchproduktion bereits 2019 ein klares Bekenntnis für eine nachhaltige Milchproduktion abgelegt.

19.50 Uhr: Erleichterung ja, Jubel nein 
Die Stimmbevölkerung hat die Trinkwasser-Initiative mit 60,7% Nein und die Pestizidinitiative mit 60,6% Nein abgelehnt. Die allermeisten Bauernfamilien in der Schweiz werden heute Sonntag aufatmen und erleichtert sein. Und das dürfen sie auch.  Den Kommentar von Chefredaktor Daniel Salzmann gibt es hier

19.20 Uhr: Grosse Erleichterung bei 2x-Nein-Allianz

SVP-Nationalrat Alois Huber freut sich über das doppelte Nein seines Heimatkantons Aargau.
Daniel Salzmann


Die vom Bauernverband geführte 2x-Nein-Allianz und die IG Zukunft Pflanzenschutz und die IG BauernUnternehmen trafen sich am Sonntagnachmittag auf einem Bauernhof in Oberbottigen BE eingefunden. Die Erleichterung über das deutliche Nein ist gross. Den Gegnern der Agrarinitiativen ist klar: Es kommen neue Herausforderungen auf die Schweizer Landwirtschaft zu. Mehr Informationen und Video von den Gegnern der Initiativen finden Sie hier

19.15 Uhr: «Das war David gegen Goliath»

Ein Schluck Bio-Demeter-Wein von Mitinitiant Jean-Denis Perrochet.
Monika Gerlach

Das Stimmvolk hat die Pestizidinitiative versenkt.  Trotz der Niederlage können die Initianten auch Positives aus dem Ergebnis herauslesen. Mehr Reaktionen und Interviews von den Befürwortern der Pestizidinitiative gibt es hier

19.10 Uhr: Initianten der Trinkwasserinitiative sind ernüchtert

Die Nein führt Franziska Herren auf eine starke Gegenbewegung zurück.
Adrian Haldimann

Die Trinkwasserinitiative wird mit 60 Prozent deutlich abgelehnt. Die Initianten und mehrere Bauern trafen sich in Weggis LU und verfolgten die Abstimmung. Der «Schweizer Bauer» war vor Ort und stiess auf kämpferische Stimmen – trotz Niederlage. Mehr Reaktionen und Interviews von den Befürwortern der Trinkwasserinitiative gibt es hier

18.20 Uhr: «Initianten wurden von Gegnerkampagne überrannt»
Biobauer Kilian Baumann sagte, man sei sich bewusst gewesen, dass einen grossen Widerstand vonseiten der Agrarkonzerne geben werde. «Diese Kreise wollen nicht, dass die Bauern ökologischer werden», sagt der Präsident der Kleinbauern-Vereinigung zu schweizerbauer.ch. Deshalb sei es absehbar gewesen, dass es einen «krassen Widerstand geben wird».

Baumann zeigte sich jedoch schon ein wenig erstaunt über das wuchtige Nein: «Es ist schon überraschend, dass die Initianten von den Gegnern mit deren Kampagne so überrollt wurden.» Doch er blickt bereits in die Zukunft. Beide Seiten seien sich im Parlament einig gewesen, dass der Einsatz von Pestiziden gesenkt werden. Beim Weg sei man noch einig. Baumann sieht nun die Gegner der Initiativen in der Pflicht. «Sie müssen nun das Pestizidgesetz unterstützen, um die Risiken bei den Pflanzenschutzmitteln zu reduzieren. Das würde viel zur Entspannung der Situation beitragen», sagt Baumann zu schweizerbauer.ch.

18.00 Uhr: Klares Ablehnung
60,7 Prozent der Stimmenden oder knapp 1’967’000 sagten Nein zur Trinkwasser-Initiative, rund 1’276’400 stimmten zu. Die Pestizidinitiative lehnten 60,6 Prozent beziehungsweise rund 1’965’000 Stimmende ab, 1’279’900 legten ein Ja ein. Die Stimmbeteiligung lag bei rund 59 Prozent.

Fast alle Kantone lehnten die Initiativen ab, am deutlichsten das Wallis mit 78 Prozent Nein zur Trinkwasser- und 77 Prozent zur Pestizidinitiative. Die Ausnahme war Basel-Stadt: Der Halbkanton nahm die Trinkwasser-Initiative mit rund 59 Prozent Ja an. Ein Pestizidverbot befürwortete er mit 57 Prozent Ja-Anteil. Nur in einigen Städten fanden die Anliegen Zustimmung.

17.30 Uhr: Parteipräsidenten setzen auf Pestizidgesetz
SP-Co-Präsidentin Mattea Meyer zeigt sich enttäuscht über das doppelte Nein. Doch die Initiativen hätten bereits viel erreicht. Das Bewusstsein über die Schädlichkeit von Pestiziden sei gestiegen. Das Parlament habe Massnahmen beschlossen, um den Einsatz zu reduzieren. Sie meint damit das Pestizidgesetz. «Und der Bundesrat hat rasch gehandelt. Ich hoffe, wir sind hier auf guten Weg, auch parteiübergreifend, den Einsatz von diesen schädlichen Pestiziden zu reduzieren», sagte sie im Abstimmungsstudio von SRF.

Wird das Gesetz nun nach der Abstimmung nicht abgeschwächt? FDP-Präsidentin Petra Gössi sagte, das Parlament habe die Zeichen erkannt. Das Problem sei erkannt. Sie geht davon, dass sich die Branche nun auch daran hält. Auch CVP-Präsident Gerhard Pfister ist sicher, dass das Gesetz umgesetzt wird. «Die Landwirtschaft ist ökologisch nicht so schlecht unterwegs, wie sie dargestellt wird», führe er aus. Man müsse sich daher nicht wundern, wenn deshalb so stark mobilisiert werde. «Die Landwirtschaft ist in der Pflicht. Sie weiss, dass sie den Einsatz von Pestiziden senken müsse. Aber nicht so, dass die Bauernfamilien in ihrer Existenz gefährdet sind», fuhr er fort. Es sei ein klarer Entscheid des Volkes.

SVP-Präsident Marco Chiesa wies darauf hin, dass bei einer Annahme ein 30 Prozent der Produktion verloren gegangen wäre. «Wir hätten anschliessend mehr importieren müssen. Das ist keine Lösung. Wir haben im Parlament einen richtigen Weg eingeschlagen», so Chiesa weiter.

17.10 Uhr: Liberales Komitee für Trinkwasserinitiative bedauert Nein

Das Liberale Komitee für die Trinkwasserinitiative bedauert das Nein der Schweizer Stimmbevölkerung zur Trinkwasserinitiative. Der Handlungsbedarf in der Landwirtschaft bleibe jedoch gross und dringend.

Neben ökonomischen Fehlanreizen gebe es in der Landwirtschaft weiter enorme ökologische Probleme, gerade bei der Pestizidbelastung und der Überdüngung, heisst es in einer Medienmitteilung vom Sonntag. Mit der Trinkwasserinitiative hätte die Bevölkerung den Stillstand in der Landwirtschaftspolitik endlich beenden können und das mit Anreizen statt Verboten.

Nun gelte es ökonomischen und ökologischen Reformen im Rahmen der künftigen Agrarpolitik im Parlament zum Durchbruch zu verhelfen. Die nötige Kurskorrektur in der Landwirtschaft sei nicht nur eine ökologische Notwendigkeit, sondern auch eine liberale Selbstverständlichkeit, schreibt das Liberale Komitee für die Trinkwasserinitiative.

17.00 Uhr: SP enttäuscht über das Nein zu den Agrarinitiativen

Enttäuscht über die beiden Nein zur Trinkwasser- und Pestizidinitiative hat sich am Sonntag die SP Schweiz gezeigt. Positiv gewertet wird allerdings, dass das Problembewusstsein in der breiten Öffentlichkeit durch die Initiativen gestiegen sei.

«Zwei Ja wären wichtig gewesen für eine ökologische und zukunftsfähige Schweizer Landwirtschaft und die Gesundheit von uns allen», liess sich SP-Co-Präsidentin Mattea Meyer in einer Mitteilung zitieren. Die Initiativen hätten aber ein Bewusstsein für das Problem der Trinkwasserverschmutzung und den massiven Einsatz von Pestiziden geschaffen. Es sei allen klar geworden, dass man handeln müsse.

SP-Nationalrätin Ursula Schneider Schüttel (FR) erklärte der Nachrichtenagentur Keystone-SDA auf Anfrage, dass sie nun erwarte, dass die Bauern ihre Wahlversprechen einhalten würden. Schneider Schüttel, die auch Präsidentin von Pro Natura ist, zeigte sich enttäuscht, dass sich die Idee einer umweltfreundlicheren Landwirtschaft nicht habe durchsetzen lassen. Landwirte und ihre Verbände hätten Zusagen gemacht und sich verpflichtet, den Einsatz von Pestiziden zu reduzieren, sagte Schneider Schüttel weiter.

16.45 Uhr: «Wir haben mit unsere Initiative Missstände aufgedeckt»
Die Initiantin der Trinkwasserinitiative, Franziska Herren, sagt, dass die Bevölkerung mit diesem Resultat gezeigt habe, dass sie eine ökologischere Landwirtschaft wolle. Die Nein führt sie auf eine starke Gegenbewegung zurück. «Wir wollen einen Wechsel von der industriellen Landwirtschaft hin zu einer nachhaltigen, pestizidfreien Landwirtschaft», sagt Herren zu schweizerbauer.ch. Dies habe zu einer starken Reaktion geführt, fast alle bäuerlichen Komitees hätten sich gegen die Initiative eingesetzt.

Profiteure von der Agrarpolitik seien aber Grosskonzerne wie Syngenta oder Fenaco. Die Initiative sei nicht zu extrem. Der Bauernverband habe hier nicht recht, hielt Herren fest. Die Landwirtschaft erfülle ihre Klima- und Umweltziele nicht. Das Trinkwasser werde vergiftet. Sie kann sich nicht erklären, weshalb nicht mehr Landwirtinnen und Landwirte der Initiative zugestimmt haben. Für sie gibt es auch keine Gräben. «Wir haben mit unserem Anliegen Missstände aufgedeckt», so Herren zu schweizerbauer.ch. Sie wolle sich auch künftig für sauberes Trinkwasser einsetzen.

16.20 Uhr: Bürgerliche Parteien erleichtert
Die bürgerlichen Parteien sind zufrieden mit dem doppelten Nein zu den Landwirtschaftsinitiativen. Sie verweisen darauf, dass das Parlament bereits mit dem Aktionsplan Pflanzenschutz wichtige Weichen für die Zukunft gestellt hat. Die Ablehnung der beiden Landwirtschaftsinitiativen sei ein Zeichen zugunsten der produzierenden Schweizer Bauernfamilien, erklärte der Landwirt und SVP-Nationalrat Marcel Dettling (SZ) auf Anfrage der Nachrichtenagentur Keystone-SDA.

Sehr zufrieden zeigte sich auch FDP-Nationalrat Beat Walti (ZH) . Es sei gelungen, die über das Ziel hinausschiessenden Initiativen zu verhindern. Die Initiativen hätten handwerkliche Mängel gehabt und wären bei der Umsetzung problematisch gewesen. 

Mitte-Nationalrätin und Bäuerin Priska Wismer, die zusammen mit ihrem Mann einen Landwirtschaftsbetrieb, ist froh, dass man der Stimmbevölkerung zeigen konnte, dass die «radikalen Änderungen, die die beiden Initiativen verlangt hätten, nicht zielführend gewesen wären».

-> Mehr dazu hier

15.35 Uhr: «Gemeinsam nach Lösungen suchen»
Gaby Schürch, Vizepräsidentin des Bäuerinnen- und Landfrauenverbandes ist sehr erleichtert, dass die Initiativen abgelehnt wurden. Die Biobäuerin ist auch erfreut über das Vertrauen der Bevölkerung in die heimische Landwirtschaft. «Zudem fällt eine grosse Last von den Schultern der Bäuerinnen und Bauern weg», sagt sie zu schweizerbauer.ch.

Wichtig sei nach dem gehässigen Abstimmungskampf, der tiefe Gräben aufgerissen habe, dass man nun gemeinsam an den Tisch sitze und nach Lösungen suche. Dazu benötige es die gesamte Wertschöpfungskette – vom Feld bis auf den Teller. Die Landwirtschaft werde sich weiter in Richtung Nachhaltigkeit entwickeln. Es brauche Unterstützung von der Forschung und von der Technik. Doch das brauche Zeit.

15.25 Uhr: Bauernfamilien bedanken sich
Das Komitee gegen die beiden extremen Agrar-Initiativen zeigt sich erfreut, dass eine Mehrheit der Bevölkerung «das Kind nicht mit dem Bade ausschütten» und die einheimische Produktion nicht mit zu extremen Forderungen gefährden will. «Das Komitee dankt im Namen der einheimischen Bauernfamilien und der ganzen Ernährungswirtschaft den Schweizer Stimmbürgerinnen und Stimmbürgern für das Vertrauen. Diese gehen damit davon aus, dass die bereits aufgegleisten Massnahmen und insbesondere die neue Pestizidgesetzgebung sowieso zu einer verbesserten Praxis mit weniger Pflanzenschutz und tieferen Risiken führen. Weitere Optimierungen sind damit garantiert», versprechen die Gegner der Agrarinitiativen.

Die Schweizer Landwirtschaft sei gewillt, diesen Prozess voranzutreiben. Die Landwirtschaft will erreichen, dass von Seiten des Marktes und der Nachfrage einen entsprechenden Sog entsteht. «Denn jeder Lebensmittelkauf ist eine Bestellung an die Landwirtschaft. Je schneller die Nachfrageanpassung gelingt, desto rascher entwickelt sich die einheimische Landwirtschaft in diese Richtung», heisst es in der Mitteilung weiter.

15.00 Uhr: Agrarinitiativen scheitern am Ständemehr
Die Trinkwasser- und die Pestizidinitiative sind am Ständemehr gescheitert. Alle bisher ausgezählten Kantone sagten Nein zum Begehren.

Deutlich dürfte auch das Volksnein zu den Initiativen ausfallen: Gemäss den Hochrechnungen von gfs.bern im Auftrag der SRG legten lediglich 39 Prozent der Stimmenden ein Ja ein. Der Fehlerbreich liegt bei plus/minus 2 Prozentpunkten. In den bisher ausgezählten Kantonen bewegt sich die Zustimmungsrate bei der Trinkwasser-Initiative zwischen knapp 22 Prozent im Wallis und rund 47 Prozent in Genf. Zwischen 23 Prozent im Wallis und 49 Prozent in Genf Zustimmung sind es bei der Pestizidinitiative.

14.55 Uhr: «Bevölkerung will keine Extremlösungen»

Christoph Mäder, Economiesuisse-Präsident
zvg

«Die Bevölkerung will keine Extremlösungen. Das Abstimmungsergebnis zu den Landwirtschaftsinitiativen zeigt, dass die Bevölkerung mit dem eingeschlagenen Weg einverstanden ist», erklärte Economiesuisse-Präsident Christoph Mäder.

Der Wirtschaftsdachverband hatte sich im Abstimmungskampf gegen die Initiativen eingesetzt. Der Pestizideinsatz werde in der Schweiz Schritt für Schritt reduziert und erfolge immer gezielter, erklärte Mäder der Nachrichtenagentur Keystone-SDA. Technik und Forschung würden zudem immer weiter entwickelt und auch eingesetzt. Die Landwirtschaft sei ein wichtiger Teil der Schweizer Wirtschaft und werde sich in Zukunft verstärkt mit den Befindlichkeiten der Bevölkerung auseinandersetzen müssen. Das sei auch eine Chance, erklärte Mäder.

14.45 Uhr: «Gräben zwischen Bauern zuschütten»
Jean-Denis Perrochet, Winzer und Mitglied vom Komitee der Pestizidinitiative, sagt, die Gräben innerhalb der Landwirtschaft müssten nun zugeschüttet werden. «Wir bauern alle in der Schweiz und müssen gemeinsam eine Lösung finden. Es gibt Probleme mit den synthetischen Pestiziden, hier müssen wir ansetzen», so Perrochet zu schweizerbauer.ch. Vielleicht müsse man die Landwirtschaft reorganisieren. «Einige Kulturen bauen wir mehr an, andere weniger», führt er aus.

14.32 Uhr: «Beim Pestizideinsatz wird sich vieles ändern»

Markus Ritter schaut am Handy die jüngsten News an.
Daniel Salzmann

Markus Ritter, Präsident des Schweizer Bauernverbandes, erklärte gegenüber der Nachrichtenagentur SDA, dass die Stimmbevölkerung der Landwirtschaft in der Schweiz eine Perspektive geben wolle.

Er schätze das damit ausgesprochene Vertrauen von Konsumentinnen und Konsumenten in die Arbeit der Schweizer Bauernfamilien. Die Stimmenden hätten die regionale Produktion nicht schwächen wollen und sich dafür ausgesprochen, dass die ganze Breite von Lebensmittel über Bio bis konventionell produziert werde.

Das Parlament habe vor Kurzem das strengste Pestizidgesetz Europas beschlossen. Beim Pestizideinsatz werden sich daher in Zukunft Vieles ändern, sagte Ritter.

14.20 Uhr: «Syngenta, Fenaco und Futtermittelhersteller profitieren»

Franziska Herren
Julia Spahr


Die Gegner der Trinkwasserinitiative haben, laut der Initiantin der Trinkwasserinitiative Franziska Herren, die Initiative im Abstimmungskampf als extrem dargestellt. Sie bedauere es sehr, dass die Volksinitiative «Für sauberes Trinkwasser und gesunde Nahrung – Keine Subventionen für den Pestizid- und den prophylaktischen Antibiotika-Einsatz» an der Urne abgelehnt worden sei, erklärte Franziska Herren auf Anfrage der Nachrichtenagentur Keystone-SDA. Der Abstimmungskampf habe gezeigt, wer von der heutigen Politik profitiere, nämlich die Agrarchemiebetriebe Syngenta und Bayer, die Agrargenossenschaft Fenaco und die Futtermittelimporteure, sagte Herren.

Gegenüber SRF sagt sie, sie wisse nicht, was sie falsch gemacht habe. Das Nein sei auf die Übermacht der Gegnerschaft zurückzuführen. Mehr dazu hier

14.10 Uhr: Die Stimmung ist gelöst
Bei den Gegnern der Agrarinitiativen in Oberbottigen bei Bern ist die Stimmung gelöst. Die beiden Vorlagen werden massiv abgelehnt. Einen ausführlichen Ticker aus Oberbottigen finden Sie hier

14.01: Natur- und Umweltschutzverbände sehen kein Problem gelöst
Umwelt- und Naturschutzorganisationen sehen mit der Ablehnung der beiden Landwirtschaftsinitiativen kein Problem gelöst. Sie setzen auf Dialog mit der Landwirtschaft, um nun gemeinsam Lösungen zu finden, wie Philipp Sicher, Leiter der 2xJa-Kampagne auf Anfrage der Nachrichtenagentur Keystone-SDA sagte.

Er habe ganz klar mit einer besseren Resonanz der beiden Initiativen bei der Stimmbevölkerung gerechnet, sagte Sicher. Der Kampagnenleiter und Geschäftsführer des Schweizerischen Fischerei-Verbandes erwartete nach eigenen Angaben eine Zustimmung zwischen 40 und 50 Prozent.

Im Abstimmungskampf seien von den Gegnern Ängste über die Versorgungssicherheit, die Existenz von Bauern und steigende Lebensmittelpreise geschürt worden, erklärte Sicher. Die Kampagne sei zudem von der Agrarindustrie stark finanziert worden. Der Abstimmungskampf der Gegner sei sehr emotional und polemisch geführt worden. Von Seiten der Landwirtschaft seien sehr viele Zusagen gemacht worden. Diese werde man nun prüfen. Die Umwelt- und Naturschutzorganisationen wollen sich laut Sicher für einen ausgewogenen und fairen Dialog einsetzen, um Lösungen zu finden.

13.55 Uhr: «Druck aufrechterhalten»
Dominik Waser vom Initiativkomitee für die Pestizidinitiative sagt, dass sich immer mehr Menschen Sorgen um das Wasser, die Böden und die Gesundheit machen. Der Druck sei da. Es gehe nun darum, diesen aufrecht zu erhalten. «Die Politik muss mehr machen als nur Symptombekämpfung und konsequente und wirksame Massnahmen beschliessen, die die Gefahr von synthetischen Pestiziden vermindert», sagt Waser zu schweizerbauer.ch.

13.35 Uhr: «Habe Bauern seit 30 Jahren nicht mehr so politisiert erlebt»
Markus Ritter sagte, dass er die Bauern in den vergangenen 30 Jahren noch nie politisiert erlebt. Es sei um Existenzen gegangen, und das haben man gespürt. Er äussert sich auf zu Angriffen auf seine Person. «Das war für mich schwierig als Lügner bezeichnet werden», sagte Ritter zu schweizerbauer.ch.

13.24 Uhr: «Versprechen umsetzen»

Anwältin Stéphanie Hüsler, Mitinitiantin und Rechtsexpertin, ist trotz des Neins zur Pestizidinitiative nicht ganz enttäuscht. Sie spricht von einem Achtungserfolg. Und sie fordert von den Gegnern, dass sie ihre Versprechen umsetzen.

13.15 Uhr: «Frontalangriff auf die Landwirtschaft»
Erleichterung kehrt auch bei ehemaligen SVP-Präsident Albert Rösti ein. Er hat sich gegen die Agrarinitiativen eingesetzt. Er wehr sich gegen die Vorwürfen an die «Agrar-Lobby», diese hätte die Initiativen mit ihrer Macht gebodigt. «Damit sollte man aufhören. Heute wäre der Tag wieder zusammenzuarbeiten – für eine sichere, ökologische und tierfreundliche Ernährung in der Schweiz», so Rösti zu SRF. Die Trinkwasser-Initiative sei «sehr süffig» und sei ein frontaler Angriff auf die Landwirtschaft gewesen, so der SVP-Nationalrat weiter. 

12.50 Uhr: «Initiative war nicht zu radikal»
Dominik Waser vom Ja-Komitee zur Pestizid-Initiative spricht erst von einem Trend. Das Nein sei noch nicht definitiv. «Ein Erfolg für uns war, dass über die Problematik öffentlich diskutiert wurde», sagte Waser. Die Bevölkerung mache sich Sorgen. Er findet nicht, dass die Initiative, dass die Initiative zu radikal gewesen sei. Die Schweiz habe ein grosse Problem mit synthetischen Pestiziden. Es gehen nun weiter, die Politik habe einen Auftrag. Man habe etwas gefordert, dass möglich sei, sagte er zu Frage der steigenden Preise. Waser sagte zu SRF, 7500 Biobetriebe würden zeigen, dass es funktioniere. Der Druck bleibe hoch für eine Schweiz ohne synthetische Pestizide, machte Waser klar.

12.45 Uhr: Eierproduzenten froh über Nein
Edith Nüssli, Kommunikationschefin von Gallosuisse, dem Verband der Eierproduzenten, ist erfreut über die Ablehnung, vor allem bezüglich der Trinkwasserinitiative. «Das ist eine gute Nachricht für die Schweizer Konsumenten, sie können weiterhin tierfreundliche Schweizer Eier konsumieren», sagte sie gegenüber SRF. Die Bestimmungen der Initiative bezüglich Futter seien für die Produzenten nicht umsetzbar. Um Direktzahlungen zu erhalten, dürften Bauern nur so viele Tiere halten, wie sie mit dem eigenen Futter versorgen können. «Hennen fressen ja bekanntlich kein Gras, sondern sie brauchen Mais, Weizen und Eiweissträger. Und das muss richtig aufbereitet werden», so Nüssli weiter.

12.36 Uhr: Deutliches Nein zu den Agrarinitiativen
Die Stimmberechtigten in der Schweiz erteilen der Trinkwasser-Initiative eine klare Abfuhr: Die erste Hochrechnung von gfs.bern geht von 61 % Nein-Stimmen aus. Und auch die Pestizidinitiative hat keine Chance. Sie wird ebenfalls deutlich abgelehnt. «Der Abstimmungskampf war hoch emotional. Wir haben aber mit Anstand und mit Argumenten geführt», sagte Urs Schneider, stellvertretender Direktor des Schweizer Bauernverband, zur SRF. Er bedauert die Entgleisungen. Der Verband habe immer auf Mässigung aufgerufen. Er bedankt sich bei den Stimmberechtigten. Denn 95 Prozent der Bäuerinnen und Bauern wären von der Initiative betroffen gewesen und haben sich gegen die Begehren eingesetzt, so Schneider. Ein Ja hätte für die Landwirtschaft fundamentale Änderungen bedeutet.

12.08 Uhr: Agrarinitiativen gemäss Trendrechnung abgelehnt

Die erste Trendrechnung bei der Trinkwasserinitiative zeigt ein Nein. Die Landbevölkerung in der Romandie wie in der Deutschschweiz würden das Begehren deutlich ablehnen, sagte Politologe Lukas Golder von GFS um 12 Uhr gegenüber SRF. Auch bei der Pestizidinitiative zeigt der Trend ein Nein an. Viele Abstimmenden hätten ein doppeltes Nein in die Urne gelegt, so wie vom Schweizer Bauernverband vorgegeben, sagte Golder weiter.

11.55 Uhr: «Agrarinitiativen sind Ausdruck einer Wohlstands-Verwahrlosung»

Bäuerin Gabi Schürch im Gespräch mit Herbert Riem, Geschäftsführer der Weinkellerei Riem&Daepp.
Daniel Salzmann


Zahlreiche kantonale und lokale landwirtschaftliche Komitees haben in den vergangenen Monaten gegen die beiden Agrarinitiativen formiert. So auch das Berner Komitee Ende April. Dieses warnte stellvertretend für alle bäuerlichen Komitees vor einem sinkendem Selbstversorgungsgrad, mehr Importen und Einschränkungen bei der Produktion.

Herbert Riem, Geschäftsführer Weinkellerei Riem & Daepp und Landwirt, wählte deutliche Worte. Für ihn sind die Initiativen Ausdruck einer Wohlstands-Verwahrlosung. Das Trinkwasser sei in der Schweiz noch nie so sauber gewesen wie im Jahr 2021. Er sei aufgebracht, sagte Riem. So was habe sein Betrieb noch nie erlebt.

Eine Annahme würde nicht nur den Menschen in der Schweiz schaden, sondern in erster Linie der Natur. «Je kaputter die Lebensräume, desto höher ist der Anteil an links grüner Wählerschaft. Teil der Lösung sind die Bauernfamilien, unser Bestreben ist es, das Erbe im besten Zustand weiterzugeben», hielt Riem fest.

Für Ständerart Werner Salzmann (SVP) sind die beiden Begehren «eigentliche Importinitiativen». Mit der Pestizid- und Trinkwasser-Initiative werde der Selbstversorgungsgrad der Schweiz, je nach Nahrungsmittel, zwischen 30 bis 40% sinken, warnte der Agronom und Präsident der Berner SVP. «Mit den Initiativen würden das Risiko für die Bauern beim Anbau von Obst, Wein, Gemüse, Kartoffeln, Zuckerrüben oder Raps derart vergrössern, dass der Anbau massiv zurückginge», folgerte Salzmann. 

11.30 Uhr: «Machen Bio für alle erschwinglich»

«Mit der Trinkwasserinitiative gibt es eine Kostenwahrheit», sagte Franziska Herren an der Pressekonferenz.
Youtube


Die Initianten der Trinkwasserinitiative eröffneten ihren Wahlkampf am 22. März auf dem Bauernhof von Biolandwirt Markus Bucher im bernischen Grossaffoltern. «Das Ziel ist eine Landwirtschaft, die dauerhaft für gesunde Nahrungsmittel und sauberes Trinkwasser sorgt, ihre Umwelt- und Klimaziele erreicht und die Gewässerschutzgesetze einhält», erklärte Initiantin Franziska Herren. Weiter führte sie aus, dass es besser sei, dass Fleisch dort zu produzieren, wo das Futter angebaut werde. Futtermittelimporte seien viel aufwändiger als der Import von Fleisch. «Der Import von Futter braucht zehnmal mehr Schiffstransporte als der Import des Fleisches», führte Herren weiter aus. Es sei also besser, das Fleisch dort zu produzieren, wo die Ressource vorhanden ist. «Die Schweiz hat ein grosses Problem mit Nährstoffüberschüssen, dass die Umwelt zerstört, die Gewässer verschmutzt und das Klima schädigt», hielt sie fest.

Thematisiert wurde an der Pressekonferenz auch das Thema Preis. Die Initiative mache eine Anpassung, Ökologie werde normal. «Mit der Initiative werden wir Milliarden in ökologische Produkte investieren und nicht mehr in Produkte, die die Umwelt zerstören. Wir werden einen Markt kreieren, da ist Ökologie normal. Die Produkte werden für alle erschwinglich. Mit der Trinkwasserinitiative gibt es eine Kostenwahrheit», führte Herren aus.

11.00 Uhr: In einer Stunde schliessen die Wahllokale. Gemäss den letzten Umfragen von SRG und Tamedia haben beide Initiativen deutlich an Zustimmung verloren. Bei der Trinkwasserinitiative gibt es einen deutlicheren Trend zu einem Nein.

Stadt-Land-Graben

Den 53 Prozent der Ablehnenden der Trinkwasserinitiative standen in der SRG-Erhebung 44 Prozent Zustimmende gegenüber. 3 Prozent sind noch unentschieden. Gemäss der ebenfalls am Mittwoch veröffentlichten dritten Abstimmungsumfrage von 20 Minuten/Tamedia lehnen 57 Prozent der Befragten die Initiative ab, 41 Prozent wollen sie annehmen, 2 Prozent machten keine Angaben.

Dabei zeigt sich weiter ein deutlicher Stadt-Land-Graben, wobei die Zustimmung auch in grossen Agglomerationen deutlich sinkt. Politisch bleibt ein ebenfalls ein klarer Graben: Anhänger der linken Parteien und der GLP wollen überwiegend für die Initiative stimmen, während die Anhänger der anderen Parteien und Parteiungebundene mehrheitlich gegen die Initiative stimmen würden.

Neu ist auch die Altersgruppe der über 65-Jährigen mehrheitlich für ein Nein. Wie vor einem Monat ist die Gruppe der 18- bis 39-Jährigen am deutlichsten dagegen, wie die Politikwissenschaftlerinnen und -wissenschaftler des Forschungsinstitutes gfs.bern feststellen. Sämtliche Altersgruppen lehnen das Begehren ab. Der deutliche Nein-Trend bei der Trinkwasser-Initiative ist inhaltlich fundiert und erfasst breite gesellschaftliche Kreise, heisst es im gfs.bern-Bericht. 

Pestizidinitiative mit leicht mehr Zustimmung

Auch bei der Initiative «für eine Schweiz ohne synthetische Pestizide» nimmt die Zustimmung ab.  Der Vergleich der 1. SRG-Umfrage vom April mit der 2. SRG-Umfrage vom Mai zeigt einen negativen Trend. Der Anteil der Personen, die bestimmt oder eher Nein stimmen würden, ist im letzten Monat von 42 auf 51 Prozent angestiegen. 47 Prozent waren bei der 2. Umfrage dafür und 2 Prozent unentschlossen. 

In der 20 Minuten/Tamedia-Umfrage sprachen sich 42 Prozent der Befragten für und 57 Prozent gegen die Initiative aus, 1 Prozent gab keine Stimmabsicht an.

GFS geht davon aus, dass er hier aber enger werden könnte als bei der Trinkwasserinitiative. In Städten und in Haushalten mit höheren Einkommen geniesst die Initiative Pestizidverbot jeweils höhere Unterstützung als die Trinkwasser-Initiative. «Mehrheiten sind damit trotz Nein-Trend bis zum Schluss eher wahrscheinlich als bei der Trinkwasser-Initiative», so das Forschungsinstitut gfs.bern zu SRF. Insgesamt spreche aber wenig für eine Annahme der Initiative.

Der Einsatz chemischen Substanzen gilt für eine Mehrheit von 67 Prozent zwar als nicht vereinbar mit einer nachhaltigen Landwirtschaft. Doch das Argument Preis hat auch bei dieser Agrarinitiative (wie beispielswiese bei der Fair-Food-Initiative) Einfluss. 76 Prozent unterstützen das Argument, dass durch zusätzliche Auflagen für die Landwirtschaft die Lebensmittel für die Konsumenten in der Schweiz teurer würden. 

DAS WILL DIE PESTIZIDINITIATIVE
Die Pestizidinitiative verlangt ein Verbot synthetischer Pestizide. Die Mittel sollen in der Schweiz nicht mehr eingesetzt werden dürfen. Zudem beinhaltet die Vorlage ein Importverbot für Lebensmittel, die mit Hilfe synthetischer Pestizide hergestellt wurden. Die Verbote sollen spätestens zehn Jahre nach einer Annahme der Volksinitiative in Kraft treten.

DIE BEFÜRWORTER
Die Initiative lanciert hat der Verein «Future3». Die Initianten und Initiantinnen argumentieren, dass mit ihrem Begehren die Gesundheit gefördert werde. Es sei wissenschaftlich belegt, dass synthetische Pestizide der menschlichen Gesundheit bereits in geringsten Konzentrationen schadeten. Die Initiative stärke zudem die Biodiversität. Umwelt, Tiere und Pflanzen würden unter der Verwendung von Pestiziden leiden. Mit der Initiative werde auch die Landwirtschaft gestärkt, weil das Importverbot die Schweizer Bauernbetriebe schütze. Und schliesslich sei die Initiative wirtschaftsfreundlich, weil Innovationsprozesse die Forschung förderten und eine Chance für KMU und Start-ups seien.

Die Ja-Parole beschlossen haben die Grünen, die SP und die EVP. Die Grünliberalen haben Stimmfreigabe beschlossen. Unterstützt wird die Pestizidinitiative auch von den Verbänden Bio Suisse und Demeter Schweiz.

DIE GEGNER
Der Bundesrat und das Parlament lehnen die Initiative ab. Der Einsatz von Pestiziden sei seit Jahren rückläufig, argumentieren die Gegner. Die Initiative senke den Selbstversorgungsgrad der Schweiz und sei gefährlich für die Ernährungssicherheit, erklärte der Bundesrat. Ein Importverbot verletzte auch internationale Verträge – insbesondere mit der EU. Gegen die Initiative stellt sich auch der Schweizer Bauernverband (SBV). Er hat eine Studie in Auftrag gegeben, die zum Ergebnis kam, dass mit einem Verzicht auf den Einsatz von Pestiziden die Erträge in der Landwirtschaft um 20 bis 40 Prozent schrumpfen würden. Schliesslich würde auch die Exportwirtschaft unter dem Verbot leiden, sagen die Gegner. Da Pestizide auch zur Einhaltung der Hygienemassnahmen verwendet werden, würde sich die Produktion verteuern.

Die Nein-Parole beschlossen haben die SVP, die FDP und Die Mitte. Der Schweizer Bauernverband (SBV) und zahlreiche weitere landwirtschaftliche Verbände und Lebensmittelproduzenten lehnen die Initiative ebenfalls ab.

DAS WILL DIE TRINKWASSERINITIATIVE
Die Volksinitiative «Für sauberes Trinkwasser und gesunde Nahrung – keine Subventionen für den Pestizid- und den prophylaktischen Antibiotikaeinsatz» fordert, dass die Subventionen an die Landwirtschaft künftig nur für Bewirtschaftungsweisen ausgerichtet werden, welche die Gesundheit und die Umwelt nicht gefährden und das Trinkwasser nicht verschmutzen.

Artikel 104 der Bundesverfassung soll ergänzt werden, sodass Landwirtschaftsbetriebe von Direktzahlungen ausgeschlossen würden, die Antibiotika in der Tierhaltung prophylaktisch einsetzen oder deren Produktionssystem einen regelmässigen Einsatz von Antibiotika nötig macht. Der Bund müsste den Vollzug der Vorschriften überwachen. Für die Umsetzung hätte die Politik acht Jahre Zeit.

DIE BEFÜRWORTER
Hinter der Initiative steht der Verein «Sauberes Wasser für alle». Zu den Unterstützerinnen und Unterstützern gehören verschiedene parteiunabhängige Wissenschaftlerinnen, Biobauern sowie Umwelt- und Naturorganisationen wie der Schweizerische Fischerei-Verband, Greenpeace oder Pro Natura.

Die Befürworter argumentieren, dass die seit über zwanzig Jahren geltenden Umweltziele der Landwirtschaft endlich erreicht werden sollten. Die Umlenkung der Subventionen wird es den Landwirtinnen laut Initianten ermöglichen, im Einklang mit den natürlichen Lebensgrundlagen wirtschaftlich erfolgreich zu produzieren. Zudem würde die Initiative die Auslandsabhängigkeit der Schweizer Lebensmittelproduktion wesentlich reduzieren.

SP, Grüne, Grünliberale und EVP befürworten die Initiative.

DIE GEGNER
Der Bundesrat und eine bürgerliche Mehrheit im Parlament lehnen die Trinkwasserinitiative ab. Stärkster Gegenspieler der Initianten ist der Schweizer Bauernverband (SBV). Zwar sei das Grundanliegen der Initianten berechtigt, halten die meisten Gegner fest. Die vorgesehene Verfassungsänderung gehe aber viel zu weit.

Wenn die Volksinitiative angenommen würde, gäbe es aus Sicht des Nein-Komitees künftig weniger einheimische Produktion, mehr Importe, höhere Lebensmittelpreise, mehr Food Waste sowie einen Verlust von Arbeitsplätzen und der Wertschöpfung.

Mit der eben von Parlament verabschiedeten Vorlage zur Reduktion des Pestizideinsatzes werde das Grundziel der Initianten erreicht, argumentieren die Gegner weiter. Vorgeschrieben wird neu etwa, dass die mit dem Einsatz von Pflanzenschutzmitteln verbundenen Risiken für Flüsse und Seen, naturnahe Lebensräume und als Trinkwasser genutztes Grundwasser bis 2027 um die Hälfte reduziert werden sollen.

Bundesrat und Parlament lehnen die Initiative ab. Auch SVP, FDP und die Mitte-Partei haben die Nein-Parole beschlossen.

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35 Responses

    1. Ernüchterter: du solltest nüchtern werden. Diabolisch (teuflisch) sind die Anschläge der Volks- und Staatsfeinde. 5 x NEIN wäre die richtige Antwort gewesen auf die nationale Vorlagen. Immerhin 3 x NEIN. Zeigt, dass die ländliche Bevölkerung – mindestens im Bereich Nahrungsmittelproduktion und Bevormundung – Unheil abgewandt hat.
      Dibabolisch heisst verwirrend, durcheinanderbringend. Ernüchterer: gehörst du zu denen in der Wahrheit (im Licht) oder doch eher zu den verwirrten Verwirrer?

      1. Furrer, du bist ja sonst so weitsichtich, aber hier hast du einen blinden Fleck. Alles was gegen die Natur ist, ist diabolisch und da belegt die Schweiz leider einen internationalen Spitzenplatz. In keinem anderen Land der Welt wird pro ha soviel gespritzt wie in der Schweiz. Da wo Geld ist, riecht es nach Schwefel. Du bist wohl vom gefallenen Lichtengel geblendet, dass du das nicht sehen willst. Aber irgendwann muss sich jeder verantworten für seine Taten – auch du. An ihren Früchten …..

    2. Und das schöne in der Schweiz ist, man lebt freiwillig hier, niemand muss da bleiben, es gibt soviel schöne Orte auf dieser Welt, die sicherlich auf Sie warten……

      1. Nun wird die Bauern-Lobby sicher noch arroganter und übermütiger. Das wird sich in spätestens 10 Jahren schonungslos rächen (das Pendel wird zurückschlagen).
        Ich werde dich Ädu dann an deine Sprüche erinnern. Suche dir doch bereits deinen neuen „schöne Orte auf dieser Welt“

      2. Du wirst es nicht glauben, aber ich lebe seit einigen Jahren glücklich mit 400ha im Ausland und ohne auf Direktzahlungen angewiesen zu sein und ich vermisse rein gar nichts.

        1. Mit 400 ha ausserhalb der Schweiz kannst du sicher gut mit wenig oder ohne PSM rentabel, ja gar rentabler wirtschaften als in der Schweiz. Zumal die übrigen Kosten und Auflagen viel niedriger sein dürften als in der Schweiz. Welches Recht hast du, die Schweizer Landwirte als Vergifter und die Schweiz als diabolisch zu bezeichnen?

          1. Wer die Wahrheit spricht hat jedes Recht. Zudem war ich 23 Jahre Landwirt in der Schweiz, ich weiss, von was ich spreche.

          2. Hast du auch das Recht dich anonym zu melden? Warum meldest du dich nicht mit dem richtigen Namen, da du ja die Wahrheit sprichst und nichts zu verbergen hast? Und was soll das Nachtreten auf die Schweiz?
            Und solche allgemeine Anklagen wie „alles, was gegen die Natur ist, ist diabolisch“, „Geld riecht nach Schwefel“ und „vom gefallenen Lichtengel geblendet“ sind doch sehr erklärungsbedürftig oder ansonsten völlig unklar. Du müsstest dich besser erklären.

          3. Wenn du, Ernüchteter, nämlich solche Anklagen machst, gleichst du „dem Verkläger der Brüder“, also genau dem, der eben Verwirrung stiftet.

  1. Bravo ich bin sehr zufrieden dass diese Initiativen Bachap gehen. Und hoffe das ich dieses Gesicht von der Frau Franziska Heeren nicht mehr sehe

    1. Du vergisst, dass knapp 40% der Bürger Produkte von solchen Bauern wollen, welche auf Pestizide verzichten. Du wirst in Zukunft deswegen dich anpassen müssen oder untergehen.

      1. Aber es kaufen ja nur 10 % diese Produkte. Die restlichen 30 dürfen gerne beweisen, dass sie Bioprodukte wollen. Wenn sie dann auch Bioprodukte kaufen passen wir Bauern uns gerne an.

        1. Genau, die Wahrheit zeigt sich auf dem Markt. Was der Kunde kauft, das will er auch und ist auch bereit, für den Mehrwert (pestizidfrei) einen Mehrpreis zu zahlen. Einfach nur abstimmen und anderen Leute den Ast absägen ist „unsolidarisch“. Die 40%, die JA gestimmt haben, sollen nun ALLE Lebensmittel pestizidfrei produziert kaufen.
          Warum werden die das nicht tun? Weil sie nicht bereit sind den Preis dafür zu zahlen (oder weil das (günstige) Angebot fehlt).
          Die predigen Wein und trinken Wasser!

          1. …auch weil die Produkte im Laden heute schon künstlich tief (bei konv. Produkten) und künstlich hoch (bei Bioprodukten) gehalten werden. Das geschieht heute schon wegen der sg. „freien Marktwirtschaft“, die mit Schutzzöllen und Steuern sehr stark gelenkt wird. Als Biobauer bekomme ich als Rohstoffproduzent niemals den Preisunterschied, der im Laden existiert. Stichwort Kostenwahrheit.

          2. Warum nicht? Ganz einfach, weil die Werbung nicht ehrlich ist und der Kunde hinters Licht geführt wird. Wenn der Kunde alles wüsste, wie es hergestellt ist….. aber das will er ja gar nicht, denn wenn sein Gewissen schläft, profitiert sein Portemonaie. Dein Gewissen schläft ja auch offensichtlich, hast es lieber bequem und sagst dir, dass das Gift ja nichts macht. Solange wir unser Essen vergiften, solange wird man auch uns Menschen spritzen (C19)

          3. Hansueli: Ob wir Pflanzen mit PSM behandeln oder solche Früchte essen wollen oder ob wir uns impfen lassen, ist unsere Entscheidung.
            Bei der Impfung bin ich völlig deiner Meinung. Bei den PSM muss man sehen, dass das alles so gewachsen ist und man muss den Marktteilnehmer die Verantwortung überlassen. Sowohl den Anbietern als auch den Kunden.
            Die Initiativen wollten via Politik Vorschriften machen und hätten das ganze gesellschaftliche Gefüge aus den Fugen gebracht.

  2. Bravo. Der Bauernstand hat es geschafft, das Image der Bauern als schamlose Parasiten an Natur Gesellschaft und Steuerzahler in einer breiten Bevölkerung zu festigen. Nach den Motto es ist ja alles gut, Probleme machen nur die grünen Städter, kanns jetzt mit Volldampf weiter gehen wie bisher.

    1. Ihre undifferenzierten und beleidigenden Äusserungen disqualifizieren sie gleich selber. Daran sieht man genau, dass sie sich NICHT mit den Argumenten der Gegnerschaft befasst haben. Auch das gehört zum Meinungsbildungs Prozess und zur Demokratie, ebenso wie das Akzeptieren eines Entscheides ohne gleich beleidigend zu werden.

      1. die Darstellung von Jobar kam hier in diesen Kommentarspalten mehrfach und in aller Deutlichkeit zum Ausdruck. Das hat mit den „Argumenten der Gegnerschaft“ keinen Zusammenhang. Und das erst noch anonym. „Bäuerin“, Sie „disqualifizieren“ einen Andersdenkenden, wenn er seine Meinung schreibt und verurteilen ihn zum Schluss Ihres Kommentares gleich selber. Und das erst noch anonym. Ist das Ihre Demokratie, Ihr Verständnis von Meinungsbildungsprozess?

    2. Jobar: 99% der chemischen Fremdstoffe kommen nicht von der Landwirtschaft. Warum kämpfst du nicht gegen die, die 99% der chemischen Fremdstoffe im Rhein (gemäss Messungen) verursachen?
      Ich sage es dir: weil du verblendet bist durch die ewige Panikmache und das Bashing gegen die Landwirtschaft. Armer Jobar!

  3. Gratulation für das gute Resultat. Bei dieser Abstimmung haben sich alle Bauern für das gleiche Eingesetzt. Hätten den BETROFFENEN Bergkantonen am 27. SEPT. 2020 genau gleich viele Bauern geholfen und die Stimmbürger/innen für ein JA zum Jagdgesetzt mobiliserit, wie es die Bergkantone bei dieser Abstimmung gemacht haben, könnten wir das Wahlresulat von heute auch so gelassen feiern. Leider haben ums die Nichtbetroffenen beim Jadggesetzt nicht mit aller letzter kraft unterstützt.

    1. Ja, leider. Nur, des war und ist ein Fehler, dass über ein regionales Problem (Wolf) national abgestimmt werden muss. Dadurch können die Volksspalter (Umweltverbände, Linke) ihre unsinnigen Vorhaben durch ihren Einfluss bei der städtischen Bevölkerung durchbringen.
      Denn die städtische Bevölkerung folgt dem Zeitgeist, der von den Neomarxisten bestimmt ist („lange Marsch“ der 68-er durch die Institutionen). Medien, Behörde, Schulen, … ticken mehrheitlich links-marxistisch!

      1. Über den Wolf hätten niemals andere Kantone und auch Städter abstimmen sollen, die gar nicht betroffen sind. Meine Meinung ist, dass man den Wolf illegal schiessen sollte und die Wolfskadaver dann vor die Geschäftsstelle von Pro Natura Basel ablegen sollte.
        Auch ich habe damals die Bauernseite unterstützt.

  4. Unglaublich, leider aber war diese Hetzerei!

    In einer Demokratie gibt es verschiedene Meinungen, das gehört dazu, warum nur diese unglaublichen Diffamierungen, einfach traurig diese Aussagen lesen zu müssen und das bei uns in der Schweiz!!!!!!!!!!!!!.

  5. Ihre undifferenzierten und beleidigenden Äusserungen disqualifizieren sie gleich selber. Daran sieht man genau, dass sie sich NICHT mit den Argumenten der Gegnerschaft befasst haben. Ernüchterer: gehörst du zu denen in der Wahrheit (im Licht) oder doch eher zu den verwirrten Verwirrer? Die 40%, die JA gestimmt haben, sollen nun ALLE Lebensmittel pestizidfrei produziert kaufen. Die predigen Wein und trinken Wasser!

  6. Also ich sehe hier keine Hetze. Sind eben nur unmissverständliche Aussagen. Leider werden diejenigen die das nicht vertragen immer mehr.

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