Samstag, 23. Januar 2021
20.11.2012 06:55
Alpwirtschaft

Alpkäse vom Urnerboden gibt es ab 2014

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Von: Alpkäse vom Urnerboden gibt es ab 2014Christof Hirtler

Noch nie wurde in der Schweiz eine neue Alpkäserei in dieser Dimension gebaut. Mit der Alpkäserei Urnerboden entsteht ein einmaliges Projekt. Es ist die Antwort auf den tiefen Milchpreis und immer höherere Fremdkosten.

Die Zahlen sind eindrücklich: Ab Juni 2014 wird auf dem Urnerboden die Milch von 1200 Kühen, 1 Million Kilogramm Milch zu 100 Tonnen Alpkäse verarbeitet. 6,5 Millionen Franken kostet der Neubau auf der grössten Kuhalp der Schweiz. «Mit der Alpkäserei Urnerboden wollen wir einen reifen Alpkäse produzieren, einen fairen Milchpreis anstreben und die Wertschöpfung in der Region behalten. Zudem schaffen wir wertvolle Vollzeit- und Teilzeitstellen», argumentiert Toni Gisler, Präsident der Alpsennengenossenschaft Urnerboden.

Tiefer Milchpreis

Auf dem Urnerboden produzieren heute mehrere der 52 Familienbetriebe Käse, den sie direkt ihren Kunden verkaufen. Über 600000 Liter Alpmilch werden seit 2008 an die Zentralschweizer Milchproduzenten ZMP geliefert. Die Talfahrt des Milchpreises und die steigenden Transportkosten bewegen die Älpler zur Selbsthilfe: Mit dem Bau einer grossen Alpkäserei wollen sie die Wertschöpfung verbessern.
Das ambitionierte Projekt weckt auch Kritik und Fragen zur Grösse, zur Rentabilität und zum Standort. Darum wird neben dem Urnerboden auch der Standort Schächental geprüft. In Unterschächen könnte Bergkäse produziert werden.

Schritt für Schritt

Sechs Jahre wird die Aufbauarbeit dauern. 2006 treffen sich die Älpler mit dem Urner Amt für Landwirtschaft. 2009 fällt der Standortentscheid zugunsten des Urnerbodens: trotz der kurzen Produktionszeit bringt der Alpkäse eine höhere Rentabilität als der Bergkäse. Die Alpgenossen bestimmen 2010 eine Arbeitsgruppe für die Finanzierung, die Projektierung und den Marktaufbau. Mit der Website, einem Flyer und Standaktionen wird für die Zeichnung von Namensaktien geworben. 2011 nimmt mit der Detailplanung die Käserei Gestalt an. Die Baupläne, Kostenberechnungen und das visuelle Erscheinungsbild sind die Voraussetzungen für weitere Verhandlungen mit Geldgeber und Grossverteiler. Die Arbeitsgruppe besucht vergleichbare Käsereien auf der Schwägalp und dem Pragelpass, um sich auszutauschen und zu lernen: Wie sind diese Käsereien eingerichtet? Wie sind die Arbeitsabläufe organisiert? Wie wird der Käse vermarktet?

Am 12. Mai 2011 genehmigt die Gemeindeversammlung Spiringen die Einzonung von 2234 m2 Land. Am 9. März 2012 wird die Alpkäserei Urnerboden AG gegründet. Das Detailprojekt liegt im Frühling 2012 vor. Am 26. Oktober 2012 stimmen die Älpler dem Bau der neuen Alpkäserei zu. Im Frühling 2013 erfolgt der Spatenstich. Ab Juni 2014 werden die ersten Alpkäse produziert.

Absatz sichern

Ein Teil des Urnerboden-Alpkäses soll zukünftig durch Grossverteiler und Käsehändler umgesetzt werden, Verhandlungen mit möglichen Partnern werden geführt. Ein weiterer Teil der Produkte wird direkt vermarktet oder im Laden der Alpkäserei verkauft. «Die Käserei steht am richtigen Ort», betont Toni Gisler. «Direkt an der Klausenstrasse, das ist attraktiv. Passanten können im Laden Urnerboden Alpkäse kaufen und ein Stück Alpkultur kennenlernen.»

Gesicherte Finanzierung

Dank der Beteiligung der Älpler, den Gönnerbeiträgen, dem Kauf von Namenaktien, dem Investitionskredit des Bundes, den Beiträgen der Korporation Uri, dem Kanton Uri, der Berghilfe und den Geldern von Sponsoren sind die notwendigen 6,5 Millionen Franken für den Bau und Betrieb der Alpkäserei Urnerboden gesichert. «Die Nachfrage nach Alpkäse ist steigend, der Urnerboden ist über die Schweiz hinaus bekannt. Der Urnerboden-Alpkäse wird ein hochwertiges Produkt. Wir sind zuversichtlich», sagt Toni Gisler.

Der Urnerboden

Der Urnerboden ist ein 8 Kilometer langes, von knapp 3000 Meter hohen Bergen eingekeiltes Hochtal östlich des Klausenpasses. Er gehört zum Kanton Uri, obwohl er geografisch jenseits der Wasserscheide auf der Glarner Seite liegt. Politisch ist er eine Exklave der Gemeinde Spiringen. Jeden zweiten Sommer lockt der «Urnerbodenschwinget» und jeden Herbst die «Verenenchilbi» zahlreiche Urner und Touristen auf den Urnerboden. Für Gleitschirmfans ist er ein ideales Fluggebiet.

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