Montag, 25. Oktober 2021
12.10.2021 10:40
Agrarpolitik

Bauernverbände: Bäuerinnen finanziell absichern

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Von: sda

Bäuerinnen sozial besser absichern – das ist das Ziel einer Kampagne des Schweizer Bauern- sowie des Schweizerischen Bäuerinnen- und Landfrauenverbandes. Es geht um Fragen wie: Was passiert bei einer Trennung, was, wenn jemand einen Unfall hat oder invalid wird?

Die Entschädigung für die Mitarbeit auf dem Hof und die soziale Absicherung auf zahlreichen Betrieben sei nicht geregelt, das zeigten Unterlagen des Bundesamtes für Landwirtschaft, heisst es in einer Mitteilung des Schweizer Bauernverbandes (SBV), des Schweizerischen Bäuerinnen- und Landfrauenverbandes (SBLV), von Prométerre und Agrisano. Am Dienstag traten sie vor die Medien.

Hofübernahme: 90 Prozent Männer

Nach wie vor sind es demnach in 90 Prozent der Fälle Männer, die einen elterlichen Hof übernehmen. Das gemeinsam erwirtschaftete Geld fliesse nach Abzug der laufenden Kosten oft wieder in den Betrieb. Wer keinen Lohn erhalte, habe oft einen ungenügenden Sozialversicherungsschutz. Und im Falle einer Scheidung drohten grosse finanzielle Einbussen, wenn die Existenz des Betriebes nicht gefährdet sein soll.

Die Möglichkeit, solche Schicksale zu vermeiden, besteht laut den Landwirtschaftsverbänden bereits. Die Bedingung dafür sei, dass sich das Paar mit diesen Fragen auseinandersetze und die verschiedenen Varianten bezogen auf ihre Situation prüfe. Hier setzt die am Dienstag gestartete Sensibilisierungskampagne der Landwirtschaftsverbände an.

Sensibilisierungskampagne mit Online-Check

Ziel sei es, dass möglichst viele Betriebe ihre Situation mithilfe eines einfachen Online-Checks auf www.meine-situation.ch überprüfen und so den Verbesserungsbedarf erkennen. Der Fokus liege dabei auf der Prüfung der Bereiche Taggeldversicherung, Risikovorsoge, Altersvorsorge und Einkommensteilung.

In der Schweizer Landwirtschaft arbeiten mehr als 54’000 Frauen, davon 12’000 Vollzeit, wie SBLV-Präsidentin Anne Challandes sagte. Mehr als 43’000 seien Familienangehörige des Landwirtes, die meisten von ihnen Ehefrauen. Es gebe mit 3’300 Frauen noch sehr wenige Leiterinnen von landwirtschaftlichen Betrieben.

Unbezahlte Arbeit – «nicht erwerbstätig»

Weniger als 7 Prozent der rund 50’000 Schweizer Bauernhöfe sind somit laut Challandes von Frauen geführt. Von den 43’000 Familienarbeitskräften sind 30 Prozent bei der AHV als Arbeitnehmerinnen oder Selbstständige gemeldet und beziehen ein Einkommen. Daraus lasse sich ableiten, dass die anderen 70 Prozent für ihre Tätigkeit auf dem Betrieb nicht direkt entschädigt sind. Ohne Einkommen gelte eine Person als nicht erwerbstätig.

«Verheiratete können dank der Beiträge des Ehemannes im Ruhestand oder bei Invalidität von einer Mindestrente profitieren, aber das Risiko von Lücken ist nicht ausgeschlossen», sagte Challandes weiter. Darüber hinaus hätten sie keinen Zugang zur 2. Säule oder zur Mutterschaftsversicherung und verfügten oft über keine Altersvorsorge. Im Falle einer Krankheit oder eines Unfalles stelle sich die Frage, wie ein Ersatz finanziert werden könne.

Ungeklärte Eigentums- und Finanzverhältnisse

«Scheidungen sind in der Landwirtschaft heute genauso häufig wie in der übrigen Bevölkerung», sagte Challandes weiter. Wenn die Eigentums- und Finanzverhältnisse zwischen den Ehegatten nicht vorher geklärt worden seien, sei es für die Bäuerin schwierig, ihre finanziellen und arbeitsbezogenen Beiträge nachzuweisen. Die Entschädigungen, wenn sie denn anerkannt werden, entsprächen oft nicht dem effektiven Wert.

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2 Responses

  1. Ich lebe in Trennung. Vorher habe ich 20 Jahre meinem Mann auf dem Hof geholfen. Drei Kinder bekommen. Wollte dort alt und grau werden. Doch es ging nicht mehr. Jetzt lebe ich mit den Kindern im Nachbardorf. Mein Mann zahlt nichts. Keine Alimente für die Kinder, keine Entschädigung für mich. NICHTS. Ist das gerecht? Habe meine Gesundheit ruiniert. Vor Gericht meinte er: „du hast eh nichts genützt….“. Ein endgültiges Urteil steht noch aus.

  2. Endlich!!! “ ich habe auch 20 Jahre auf dem Hof gearbeitet 3 Kinder und die Schwiegereltern. Mein Mann wollte einfach etwas anderes, ein andres Leben ohne Kinder mit einer neuen Frau. Ich habe keine Pensionskasse das Minimum einer AHV.. Mit 50 J auch keine Arbeit, während unser Gerichtsanörung wollte ich wenigstens eine Zahlung für eine Weiterbildung, da ich so lange Zeit von der Arbeitswelt fern war und auf dem Hof arbeitete. Der Richter fand das sei nicht nötig usw.

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