Sonntag, 17. Januar 2021
17.01.2017 14:43
Interview

«Betriebe müssen agil bleiben»

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Von: Daniel Salzmann

Nach sechs Jahren gibt Hansueli Rüegsegger das Präsidium der Junglandwirtekommission ab. Er betont, die Jungen seien unbefangener gegenüber Neuem. Es müsse weiter Vollerwerb-Landwirtschaftsbetriebe geben.

«Schweizer Bauer»: Sie kamen vor zehn Jahre in die Junglandwirtekommission (Jula). Wie kam es dazu?
Hansueli Rüegsegger: Der Berner Bauernverband (damals noch Lobag) fragte mich, ob ich Interesse hätte. Ich schnupperte und fand, das sei eine gute Sache, die Jula setze sich fürs Richtige ein. Die Jula war im Jahr 2006 gegründet worden, entsprechend mussten Abläufe und Ziele zuerst erarbeitet werden, ich stiess 2007 dazu und durfte 2011 das Präsidium übernehmen.

Wie hat sich die Jula entwickelt?

Seit dem 1. nationalen Jula-Kongress 2011 mit Hauptreferent Otto Ineichen selig nimmt man uns wahr. Wir haben heute eine klare Aufgabenteilung innerhalb der Kommission und eine klare Strategie. Die Jula ist national tätig. In den letzten vier Jahren haben wir die Entwicklung der regionalen Julas vorangetrieben. Inzwischen gibt es regionale Jula in den Kantonen Freiburg, Bern, Jura, St.Gallen und Thurgau sowie in den Regionen Nordwestschweiz und Zentralschweiz. Die Regionen sind sehr engagiert, und die Junglandwirte befassen sich heute mit der Agrarpolitik viel intensiver als vor zehn Jahren. Die Jungen sollen nicht die Faust im Sack machen und den Eindruck haben, die Agrarpolitik könne ohnehin nicht beeinflusst werden, denn dies ist ihre Zukunft. Junglandwirte sollen sich mit der Agrarpolitik auseinandersetzen, dies beginnt beim Zeitungslesen, um mindestens zu wissen, was abläuft, und kann sich mit Verbandsarbeit wie beispielsweise mit dem Engagement in der Jula weiterentwickeln.

2011 kam Olivier Kolly als Jula-Vertreter in den Vorstand des Schweizer Bauernverbands (SBV), heute ist die Jula dort durch Christian Galliker vertreten. War das ein weiterer Meilenstein?
Sicher. Seit 2011 sind wir im SBV-Vorstand stimmberechtigtes Mitglied. Vorher waren wir nur Beisitzer. Dadurch können wir unsere Ideen und Anliegen direkt einbringen und sind am Puls der agrarpolitischen Entscheide.

Wer wählt denn eigentlich die 13 Mitglieder der Jula?
Der SBV-Vorstand aufgrund von Nominationen aus den Regionen. Vorher waren wir in vier Regionen aufgeteilt. Als regionale Jula gegründet wurden, machten wir eine Statutenrevision. Nun haben diese jeweils einen festen Sitz. Die anderen Mitglieder sind nach wie vor Regionenvertreter. Ich würde es begrüssen, wenn in Zukunft die Wahlen der Kommissionsmitglieder durch Delegierte in den Regionen geschehen würde.

Wie hat sich der Status «Junglandwirt» verändert?
Vor zehn Jahren war der Begriff «Junglandwirt» inexistent, heute ist er sehr verbreitet. Viele Gremien haben in der Zwischenzeit gemerkt, dass man die Meinung der Jungen abholen und berücksichtigen sollte. In den allermeisten kantonalen Bauernverbänden wird die Entwicklung der regionalen Jula stark gefördert und unterstützt, da die kantonalen Bauernverbände sehen, dass es sinnvoll ist, in eine Junglandwirtekommission zu investieren. Einerseits ist es bei gewissen Themen sehr sinnvoll, wenn man die Jungen «stossen» kann, und andererseits kann man die Jungen auch gewinnen für spätere Verbandsarbeit.

Welche Unterschiede zwischen den Junglandwirten und der älteren Generation sehen Sie?
Wir haben teils andere Ansichten und setzen andere Schwerpunkte. Uns ist zum Beispiel die Bildung sehr wichtig. Wir haben sicher weniger Erfahrungen, was jedoch nicht immer nachteilig ist. Dadurch sind wir unbefangener gegenüber Neuem. Wir gehen Themen offen und mit viel Elan an, stellen auch kritische Fragen und sehen allgemein das Glas eher halb voll als halb leer.

Aber es gibt doch den Schweizer Bauernverband. Braucht es da die Jula überhaupt?
Ja, unbedingt. Der SBV als Dachorganisation versucht die Meinung von sämtlichen Landwirtschaftsbetrieben zu vertreten, was nicht immer einfach ist und auch hinderlich sein kann. Die Jula vertritt die Meinung der Jungen. Dadurch können wir freier auftreten und auch mal eine etwas unkonventionelle Meinung kundtun. So fordern wir z.B. für den Landwirt/in EFZ eine vierjährige Lehre, weil die Ansprüche an den Beruf immer grösser werden. Eine dreijährige Lehre berechtigt heute zum Führen eines Betriebes. Wir fragen uns, ob das als Rüstzeug genügt. In einem zusätzlichen Jahr könnte man betriebswirtschaftlich mehr Wissen erlangen und sich spezialisieren (z.B. auf Bio oder auf Herdenmanagement).

Wie sieht die Jula die Schweizer Landwirtschaft in 20 bis 30 Jahren?
Gute Frage. Die Jula ist überzeugt, dass die Landwirtschaft auch in 30 Jahren eine wichtige Stellung einnimmt. Das unternehmerische Denken wird sicher noch wichtiger als heute. Dazu gehört z.B., dass mindestens bei der Betriebsübergabe die Betriebsstrategie überprüft und geschaut wird, wie die Wertschöpfung optimiert werden kann. Wir hoffen, dass Familienbetriebe (auch) in Zukunft vom landwirtschaftlichen Einkommen leben können. Das heisst, wir hoffen, dass Vollerwerbsbetriebe auch in Zukunft prägend sind und wir uns nicht zu einer Nebenerwerbslandwirtschaft entwickeln. Was nicht bedeutet, dass Nebenerwerbsbetriebe keine Berechtigung haben. Jedoch müssen die Betriebe agil bleiben und sich weiterentwickeln, denn das Tempo des Strukturwandels wird wohl kaum zurückgehen.

Wie kann sich die Schweizer Landwirtschaft in Zukunft vom Ausland abheben?
Ich bin überzeugt, dass für die Schweiz die Qualitätsstrategie die richtige ist. Wir haben qualitativ hochstehende Produkte, dürfen uns jedoch nicht auf den Lorbeeren ausruhen, denn das Ausland schläft nicht und entwickelt sich auch weiter bei der Qualität der Produkte, z.B. bei den Tierschutzvorschriften. Wollen wir diesen Vorsprung wahren, müssen wir auch gewillt sein, höhere Auflagen zu erfüllen (z. B. bei neuen Tierschutzvorschriften, die es zu erfüllen gilt) und nicht dagegen anzukämpfen. 

Jula-Kongress
Am Samstag, 21. Januar, findet am Inforama Rütti in Zollikofen BE der 4. Schweizer Junglandwirte-Kongress statt. Das Thema lautet Betriebsstrategien – Wege zum Erfolg. Als Referenten treten u.a. Fenaco-Chef Martin Keller und Frischkäse-Unternehmer Christoph Züger auf. Es hat noch einige freie Plätze. Anmelden kann man sich unter www.junglandwirte.ch. sal

 

 

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