Dienstag, 15. Juni 2021
05.05.2021 17:45
Umfrage

Braucht es einen Beitrag für die Nutzungsdauer?

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Von: blu/rup

Der Bundesrat will nach Anzahl Abkalbungen die Nutzungsdauer von Kühen abgelten und damit die Stickstoffverluste senken. Was halten Sie von diesem geplanten Produktionssystembeitrag? Ist dieser notwendig? Oder ist er überflüssig? Abstimmen und mitdiskutieren

Weisen die Kühe eines Betriebs eine hohe Nutzungsdauer auf, soll das belohnt werden. Mit diesem Anreiz, die Kühe länger zu halten, will der Bundesrat die Stickstoffverluste jährlich um 1,3% reduzieren. Das sind umgerechnet 1270 Tonnen.

Zudem bezifferte der Bundesrat bereits in der Botschaft zur AP22+ den Effekt von zwei zusätzlichen Laktationen pro Milchkuh auf eine Reduktion des Methanausstosses um 20%.

Bis 200 Fr./GVE

Der Beitragsansatz wird aufgrund der durchschnittlichen Anzahl Abkalbungen der dem Betrieb angerechneten geschlachteten Kühe berechnet. Der Beitrag wird für den auf dem Betrieb gehaltenen massgebenden Bestand ausbezahlt. Er wird für die Milchkühe und die anderen Kühe getrennt ausgerichtet.

Der in die Vernehmlassung geschickte Verordnungsentwurf sieht pro Grossvieheinheit (GVE) bei Milchkühen zwischen 10 Franken (bei durchschnittlich 3 Abkalbungen) und 200 Franken (bei durchschnittlich 7 Abkalbungen) vor. Bei Betrieben mit durchschnittlich mehr als 7 Abkalbungen in der Kategorie Milchkühe werden auch 200 Fr./GVE ausbezahlt.

Berechnet anhand der Schlachtungen

Für andere Kühe gilt der gleiche Zahlungsrahmen, allerdings ist der Beitrag hier zwischen 4 und 8 Abkalbungen abgestuft. Bei Betrieben mit durchschnittlich mehr als 8 Abkalbungen in der Kategorie andere Kühe werden auch 200 Fr./GVE ausbezahlt

Der Bundesrat begründet den unterschiedlichen Ansatz mit der höheren Nutzungsdauer bei anderen Kühen, worunter etwa Mutterkühe fallen. Berechnet werden soll die Nutzungsdauer anhand der Schlachtungen der Kühe in den vorangegangenen drei Kalenderjahren. Heute liegt die durchschnittliche Nutzungsdauer bei Milchkühen bei 3,9 Laktationen pro Kuh.

Alter bei Schlachtung

2020 lag der Medianwert bei den geschlachteten Kühen mit Nutzungsart Milchkuh bei 5,9 Jahren. Die Hälfte aller geschlachteten Milchkühe war dabei zwischen 54 und 92 Monate alt (die Streuung von 50 Prozent aller Stichproben – Interquartilbereich). Bei den im Jahr 2020 geschlachteten Kühen wies das oberste Quartil – 25 Prozent aller Milchkühe – bei der Schlachtung ein Alter von mindestens 92 Monaten auf – ein Viertel der Kühe waren also mindestens 7,6 Jahre alt – das unterste Quartil zeigte einen Maximalwert von 54 Monaten oder 4,5 Jahren. Minimum und Maximum lagen im Jahr 2020 bei 20 respektive 149 Monaten. lid

Ab 2024 geplant

Damit bevorzugt der Bundesrat die Anzahl Abkalbungen der Kühe im Vergleich zum Alter der Kühe. Es gehe um nachhaltige Nutzung der Kühe, so der Bundesrat. Das zeige sich primär mit der Zahl der Abkalbungen. Für die Bewirtschafter soll das Programm keinen Zusatzaufwand bedeuten.

Der Bund muss aber vor der Einführung erst eine neue Applikation erstellen, um die TVD-Daten auszuwerten. Das dauert. Deshalb ist die Einführung des Beitrags für die längere Nutzungsdauer von Kühen erst für den 1.Januar 2024 geplant. Das Geld für den neuen Produktionssystembeitrag wird den Versorgungssicherheits- und Ressourceneffizienzbeiträgen entnommen. 2025 rechnet der Bund mit Beiträgen in der Höhe von 40 Millionen Franken.

Lebtagleistung oder Laktationen

Bereits im Dezember 2019 brachte Adrian Aebi, Vize-Direktor beim Bundesamt für Landwirtschaft BLW, Beiträge für langlebige Kühe ins Spiel, um die Treibhausgase pro Kilo Milch zu reduzieren. Mit mehr Milch pro Kuh könnten die Aufzuchtjahre kompensiert werden, sagte Aebi damals

Bei der Nutzungsdauer sprach er bei der Abgeltung von zwei Möglichkeiten. Einerseits könne die Lebtagleistung berücksichtigt werden und andererseits könnte die Anzahl Laktationen gezählt werden. Die Lebtagleistung, von der auch leistungsstarke Kühe profitieren dürften, setzte sich beim neuen Beitragssystem nun nicht durch.

Bei einer Milchkuh beginnt die Nutzungsdauer nach dem ersten Abkalben und dauert bis sie schliesslich aus dem Produktionsprozess ausscheidet.
Daniel Salzmann

Abhängig von Rasse

Bei einer Milchkuh beginnt die Nutzungsdauer nach dem ersten Abkalben und dauert bis sie schliesslich aus dem Produktionsprozess ausscheidet und in der Regel beim Metzger landet. Sie fällt je nach Rasse unterschiedlich aus. Bei den Holstein-Kühen beträgt die Nutzungsdauer gemäss Holstein Switzerland durchschnittlich gut 3,5 Jahre.

Beim Verband Braunvieh Schweiz liegen aktuell bereinigte Daten zur Nutzungsdauer bis 2018 vor: Dabei wurden Abgänge aus dem Herdebuch ohne Schlachtung herauskorrigiert. «Die Braunvieh-Kühe hatten 2018 eine durchschnittliche Nutzungsdauer von gut 4 Jahren», sagte Martin Rust, Verbandsvizedirektor und Fachbereichsleiter Zucht, zum Landwirtschaftlichen Informationsdienst (LID). Die durchschnittliche Nutzungsdauer sei in den letzten Jahren leicht gestiegen.

Ältere Kühe wirtschaftlicher

Gemäss LID erreichen Milchkühe in der dritten bis fünften Laktationsperiode ihr Leistungsoptimum wird aber erst. Mit zunehmendem Alter wird eine Kuh wirtschaftlicher und gewinnbringender. «Allerdings wird eine Milchkuh mit zunehmender Leistungssteigerung auch anspruchsvoller in der Haltung, anfälliger für Krankheiten und der Betreuungsaufwand wird höher», heisst es im Artikel weiter.

Die durchschnittlichen Aufzuchtkosten belaufen sich gemäss Christophe Notz vom FibL etwa auf 3‘500 Franken. Diese Kosten müssen von der Milchkuh während ihrer Produktionsdauer amortisiert werden. Bei einer Nutzungsdauer von 3.5 Laktationen betragen diese Amortisierungskosten acht Rappen pro Kilogramm Milch.

Zwei Drittel der Abgänge unfreiwillig

«Wenn die Kuh nur zwei Laktationen länger Milch geben kann, sind es noch fünf Rappen», schreibt er in seinem Beitrag. Die Nutzungsdauer nur auf dem züchterischen Weg anzugehen, erachtet er als schwierig. «Vielmehr müssen Aufzucht-, Haltungs-, Tiergesundheits-, Fütterungs- und Managementbedingungen auf den Betrieben nachhaltig verbessert werden», hält er fest.

Gemäss LID sind über zwei Drittel unfreiwillige und krankheitsbedingte Abgänge – die häufigsten Abgangsursachen bei Milchkühen sind Fruchtbarkeitsstörungen und Euterkrankheiten.

Was halten Sie vom neuen Produktionssystembeitrag? Geht dieser in die richtige Richtung? Oder ist dieser unnötig? Abstimmen und mitdiskutieren

Braucht es einen Beitrag für die Nutzungsdauer?
Ja, finde ich gut
28%
148
Nein, ist überflüssig
61%
321
Bin noch unschlüssig
11%
57

Direktzahlungsverordnung

Beitrag für die längere Nutzungsdauer von Kühen

Art. 77 Beitrag für die längere Nutzungsdauer von Kühen
1 Der Beitrag für die längere Nutzungsdauer von Kühen wird pro GVE ausgerichtet für die auf dem Betrieb gehaltenen Kühe und abgestuft nach der durchschnittlichen Anzahl Abkalbungen der geschlachteten Kühe des Betriebes.
2 Der Beitrag wird ausgerichtet ab durchschnittlich:
a. drei Abkalbungen pro Milchkuh der geschlachteten Milchkühe in den vorangehenden drei Kalenderjahren;
b. vier Abkalbungen pro andere Kuh der geschlachteten anderen Kühe in den vorangehenden drei Kalenderjahren





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9 Responses

  1. Diese neue Beitragskategorie ist in meinen Augen völlig überflüssig. Eine höhere Nutzungsdauer und somit auch eine höhere Lebenstagesleistung sollte ohnehin im Interesse eines jeden wirtschaftlich arbeitenden Betriebsleiters sein. Leider ist eine hohe Nutzungsdauer von vielen Faktoren abhängig. Einer davon ist eine ausgewogene Fütterung. Bei diesem Punkt frage ich mich, bei all den Einschränkungen, welche in der Milchviehfütterung angedacht sind, ob in Zukunft Luft und Liebe reichen sollen?

  2. Wie sieht das bei Betrieben aus, welche viel Aufzucht betreiben und oft junge Kühe verkaufen? Oder kauft in Zukunft der schlaue nur noch ältere Kühe und melkt diese?

  3. Warum erhöt mann denn nicht bei allen Tierkategorien die schlachtgewichte 30 % das wäre viel wirkungsvoller!! Bsp. Muni MT schlachtgewicht Schweiz 300kg Deutschland 400kg!!! Verarbeiter hört auf zu lügen das wird vom Konsumenten gekauft mit der richtigen begründung!! Und sonst kaufts der Konsument über den Einkaufsturismus!

  4. Langlebigkeit und Effizienz fördern ja, aber nicht mit dem Parameter der Anzahl Abkalbungen. Effiziente und somit nachhaltige Milchkühe kalben nicht alle 12 Monate . Wennschon fördern, dann auf Grund der Lebenstageleistung. Dies ist der einzige Aussagekräftige Parameter.

    1. Da stimme ich Dir vollkommen zu. Nur haben noch lange nicht alle diese Zahlen zur Verfügung, nicht jeder will sich vom Zuchtverband gängeln lassen. Aber grundsätzlich wieder eine Massnahme welche geeignet ist, die DZ ins Lächerliche zu ziehen

    2. Bin ganz klar auch dieser Meinung. Langlebigkeit ist betriebswirtschaftlich ein wichtiger Faktor und scheinbar auch umwelttechnisch. Doch rein das Alter sagt nichts über die Rentabilität und den Klimaschutz aus. Denn jede Kuh braucht für ihren Eigenbedarf Futter und „belastet“ das Klima. Grundsätzlich kann man sagen: je mehr die Kuh produziert desto geringer ist im Verhältnis ihr Eigenverbrauch.

    3. Stimmt grundsätzlich, aber ist für nicht-Herdebuchbetriebe nicht machbar.
      Interessant wäre auch zu wissen, welchen Teil der Direktzahlungen dieses System ersetzen soll.

  5. 1. Macht die Grenzen zu.
    2. Dann braucht es keine Direktzahlungen mehr.
    3.Alle Vorschriften aufheben.
    Alle Probleme gelösst!

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