Donnerstag, 8. Dezember 2022
27.09.2022 15:40
Pflanzenschutzmittel

Chlorothalonil: Bund soll Sanierungsplan vorlegen

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Von: blu

Der Bundesrat muss einen Bericht vorlegen, der aufzeigt, wie die Sanierung von Verunreinigungen des Trinkwassers mit Chlorothalonil finanziert werden kann. Der Nationalrat hat ein Postulat von Christophe Clivaz (Grüne/VS) mit 95 zu 94 Stimmen angenommen.

«Um die Gesundheit der Bevölkerung zu schützen, müssen die Gemeinden die Konzentration der Abbauprodukte reduzieren, was dazu führt, dass sie gewisse Trinkwasserfassungen vom Netz nehmen, sich anderen Netzen anschliessen oder Wasser aus verschiedenen Quellen mischen müssen», schreibt Clivaz in seinem Vorstoss.

Kostenschätzungen für die Sanierungsarbeiten

Das Fassen von unbelastetem Wasser sei nicht überall möglich. In diesen Fällen müsse das belastete Wasser in einem komplexen Verfahren gefiltert und gereinigt werden. Das verursache hohe Kosten. Clivaz bezieht sich auf eine Studie von Avenir Suisse. Die Denkfabrik schätzt die Kosten, die durch den Einsatz von Pestiziden entstehen, auf 100 Millionen Franken pro Jahr, insbesondere wegen der Kosten für die Sanierung von Trinkwasserfassungen.

Der Bericht soll deshalb Kostenschätzungen für die Sanierungsarbeiten der Gemeinden enthalten und evaluieren, wie hoch das Risiko ist, dass ein Teil der Bevölkerung bis zum Abschluss der Sanierung kontaminiertem Trinkwasser ausgesetzt bleibt. Weiter sollen Lösungen für die Finanzierung vorgeschlagen werden, mit denen die Gemeinden in ihren Aufgaben unterstützt werden, unter Berücksichtigung des Verursacherprinzips.

Bundesrat: Aussagen nicht möglich

Der Bund habe in dieser Situation eine Verantwortung, denn er habe Chlorothalonil zugelassen und dessen Einsatz während mehrerer Jahrzehnte bewilligt, begründete Clivaz seinen Vorstoss.

Der Bundesrat argumentierte vergeblich, eine generelle Aussage zur Zeitdauer und zu den Kosten der notwendigen Sanierungsarbeiten sei nicht möglich. «Im Sinne des vorsorglichen Gesundheitsschutzes ist es wichtig, dass die geltenden Höchstwerte für Chlorothalonil-Metaboliten im Trinkwasser sobald als möglich eingehalten werden», so der Bundesrat. Diese Höchstwerte seien sehr streng und enthielten grosse Sicherheitsmargen. «Es besteht daher nach aktuellem Wissensstand kein Gesundheitsrisiko für die Bevölkerung», so die Landesregierung.

Einsatz seit Anfang 2020 verboten

Das Bundesamt für Landwirtschaft bewilligte den Einsatz von Chlorothalonil in den 1970er-Jahren. Der Wirkstoff wurde im Getreide-, Gemüse-, Wein- und Zierpflanzenbau gegen Pilzbefall eingesetzt.  2019 geriet das Fungizid international in den Fokus. Aufgrund neuer Forschungsergebnisse hat der Bund Chlorothalonil als «wahrscheinlich krebserregend» bezeichnet und die Anwendung per Anfang 2020 verboten. Dies deshalb, weil auch im Grund- und Trinkwasser möglicherweise gesundheitsgefährdende Rückstände nachweisbar sind.

Im Dezember 2019 hatte das Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV) alle Abbauprodukte (Metaboliten) von Chlorothalonil als Trinkwasser-relevant eingestuft. Für diese Stoffe gilt somit ein Höchstwert von 0,1 Mikrogramm pro Liter für Trinkwasser, der in diesem Fall auch für das Grundwasser als Grenzwert gültig ist.

Sehr tiefer Grenzwert

Der neue Grenzwert von 0,1 Mikrogramm pro Liter sei extrem tief, erklärte der Berner Kantonschemiker Otmar Deflorin im Januar 2020 gegenüber der Zeitung «Der Bund». «Bis vor kurzem liessen sich tiefere Werte gar nicht messen.» Zudem brauche es in der Regel eine gewisse Menge, bis eine Substanz toxisch, also giftig sei.

Er machte ein Beispiel: «Alkohol ist ein Zellgift, das nachweislich Leberkrebs verursacht. Wenn Sie ein Glas Whisky mit 40 Prozent Alkohol trinken, nehmen Sie eine ungleich grössere Menge an toxischen Substanzen ein, als wenn Sie einen Liter Wasser trinken.» Für Chlorothalonil gilt eine lebenslängliche Tagesdosis von 15 Mikrogramm pro Kilo Körpergewicht als unbedenklich. Um diese Dosis zu erreichen, müsste man also 150 Liter Wasser pro Kilo Körpergewicht trinken, sofern der Grenzwert eingehalten wird.

Auch unbelastetes Wasser kann gefährlich sein: Trinkt man innert kurzer Zeit sieben oder mehr Liter Wasser, so kann dies lebensbedrohlich werden. Trotzdem sei er «dezidiert» der Meinung, dass die Chlorothalonil-Abbauprodukte nicht ins Wasser gehörten, sagte Deflorin. «Dass Chlorothalonil nun verboten ist, ist eine grosse Errungenschaft der Behörden.»

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11 Responses

  1. Einmal mehr, Chlorothalonil wurde fast 50 Jahre in der Landwirtschaft verwendet mit schädlichen Folgen. Das Problem wird untersucht, Massnahmen werden folgen und wer darf bezahlen? Die Verursacher möglicher Schäden, die Landwirte? Wohl kaum. die Allgemeinheit wird zur Kasse gebeten. Wie sagt der SBV Ritter immer so schön: „Mir tüend alles….“, recht hat er!

    1. Chlorothalonil wurde bei jedem Keller an der Aussenwand angestrichen, gegen den Pilz. Man weiss, dass dieses Mittel über Jahrzenten seine giftigen Substanzen ins Grundwasser ab gibt. Aber es ist immer die Landwirtschaft Schuld und die Allgemeinheit nicht.

    2. Welche schädlichen Folgen? Das Vorhandensein ist an sich kein Schaden. Rein technisch gesehen ist es nicht möglich, durch trinken von Wasser mit diesen tiefen Gehalten, eine beeinträchtigende Menge aufzunehmen.

    3. und wenn es so wäre ? und die Beweise stand hielten ? wer müsste wohl bezahlen ? wer wären der Verursacher?
      Viktor irrt; es wären die Chemie-Multis

  2. Sehr geehrter Herr Brunnee
    Es mag sein das sie einen Abgöttischen Hass
    auf die Landwirtschaft und deren Verbände
    haben. Beim Chlorotalonil ist es wohl so das
    viele Player es angewendet haben,nur zugelassen
    haben es Gremien,die alle viel länger zur Schule gegangen sind,als die Anwender.
    Kritik finde ich Grundsätzlich nicht schlecht,aber bitte das Visier ganz öffnen.

  3. Bis kurz vor 2020 war es gar nicht möglich so tiefe Mengen von Chlorothalonil im Trinkwasser festzustellen. Man konnte davon ausgehen, dass im Trinkwasser keine gesundheitsgefährdenden Mengen vorhanden sind, zumal erst eine tägliche Dosis von 15 Mikrogramm pro kg Körpergewicht gesundheitlich relevant ist. Der neue Grenzwert ist nicht faktenbasiert, sondern eine willkürliche Grenze.

  4. Wie bei Radioaktivität wird auch bei Chlorothalonil ein völlig unrealistischer Grenzwert angelegt und dadurch Panik und Kosten extrem gesteigert!
    Dass das von linker Seite kommt (Clivaz, Victor Brunner) ist nicht verwunderlich.

  5. Parlament ist in einer Aktivitätsfalle und entscheidet – wegen der Komplexität der Themen – praktisch immer falsch!
    Die Parlamentarier entscheiden so, wie das ihnen von den Medien her als opportun erscheint! D.h. die Medien (bzw. die Geldgeber im Hintergrund) üben eine unheimliche Macht über unser Land aus!
    Parlamentarier und Wähler sollten da endlich aufwachen.

    1. Chlorothalonil ist ein Musterbeispiel für linke Politik. Linkes BAFU setzt Grenzwert 100 mal strenger als EU. Dadurch erscheinen die Landwirte als Wasserverschmutzer. Grüne machen aufgrund dieser Panik einen Vorstoß, der viel kostet und wenig nützt. Scheinbürgerliche wagen nicht dagegen zu stimmen!

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