Sonntag, 18. April 2021
24.02.2021 17:40
Umfrage

Corona: Wie beurteilen Sie die Lockerungen?

Share on print
Share on email
Share on facebook
Share on twitter
Von: sda/blu

Der Bundesrat hat am Mittwoch erste Lockerungen der geltenden Massnahmen zur Eindämmung des Coronavirus ab dem 1. März beschlossen. Die Reaktionen fallen nicht überraschen sehr unterschiedlich aus. Was halten Sie von den Lockerungen? Gehen diese zu wenig weit? Sind sie genau richtig? Oder sollte man nicht öffnen? Abstimmen und mitdiskutieren

In den allermeisten Punkten bestätigte der Bundesrat seinen vergangene Woche vorgeschlagenen Lockerungsplan. Der erste Öffnungsschritt ab dem 1. März beinhaltet im Wesentlichen Aktivitäten, bei welchen Maske und Abstand gewährleistet werden können, nur wenige Menschen zusammenkommen und die Kontakte im Freien erfolgen.

«Wir wollen alle so schnell wie möglich zurück zur Normalität, müssen aber weiterhin flexibel bleiben im Umgang mit dem Virus», sagte Bundesrat Alain Berset am Mittwoch vor den Bundeshausmedien.

Berset: Müssen vorsichtig bleiben

Die vergangenen Tage hätten die fragile Situation unterstrichen: «Die Zahlen gehen nicht mehr runter.» Zudem nähmen wie prognostiziert die mutierten Viren überhand. «Wir sind auf der Talsohle angelangt.» Alle müssten deshalb vorsichtig bleiben.

Glücklich zeigte sich Berset darüber, dass die Zahl der Hospitalisationen und Todesfälle seit Wochen stetig zuürckgeht. «Die Perspektive ist gut.» Man befinde sich nun aber in der Periode, die schon seit Monaten als «schwierigste Situation der Pandemie» vorhergesehen worden sei.

«Wir wollen alle so schnell wie möglich zurück zur Normalität, müssen aber weiterhin flexibel bleiben im Umgang mit dem Virus», sagte Bundesrat Alain Berset.
Bund

Parmelin: Nur geeintes Land meistert Krise

Der Bundesrat sei sich bewusst, dass viele Leute nicht glücklich seien mit den getroffenen Entscheiden, sagte Bundespräsident Guy Parmelin. Es habe viele Stimmen gegeben, die eine schnellere Öffnung verlangten, vor allem der Restaurants. Angesicht der epidemiologischen Lage mit der Ausbreitung der mutierten Varianten habe der Bundesrat aber beschlossen, auf seiner Linie zu bleiben.

Es sei die Rolle des Bundesrates, Entscheide zu treffen, auch wenn diese nicht allen Freude bereiteten, sagte Parmelin. «Regieren bedeutet, politische Entscheidungen zu treffen, die nach bestem Wissen und Gewissen dem Gemeinwohl dienen». Nicht ein geteiltes Land, sondern ein geeintes Land werde diese Epidemie überwinden. Der Bundesrat erwarte, dass die Massnahmen weiter von allen eingehalten und umgesetzt würden. 

«Nur gemeinsam besiegen wir dieses Virus», sagte Bundespräsident Guy Parmelin.
Bund

Am 12. März will der Bundesrat skizzieren, ob und wie Restaurants – nicht nur Terrassen – wieder geöffnet werden könnten. Eine Woche später will er unter Berücksichtigung der dann geltenden Lage definitiv entscheiden. Auch über Lockerungen für Kultur- und Sportveranstaltungen mit Publikum, Sport in Innenräumen sowie Präsenzunterricht an Hochschulen soll gesprochen werden – und nicht zuletzt auch über die Aufhebung der Homeoffice-Pflicht.

SVP und FDP unzufrieden

Dass der Bundesrat nicht schneller öffne, sei ein Affront, befand die SVP. Die Mehrheit der Kantone sowie die nationalrätliche Gesundheits- und Wirtschaftskommission hätten ganz klar weitergehende und schnellere Öffnungen als der Bundesrat gewollt. Das sei eine reine Machtdemonstration und Schikane des Bundesrats. Für diese Entscheidung fehle jede Datenbasis.

Die FDP findet es unverständlich, dass der Bundesrat die Öffnung von Restaurants und anderen Betrieben nicht auf den 1. März zulässt. Das widerspreche einer Forderung der Mehrheit der Kantone und der Branche. Für weitere Öffnungen ab dem 22. März sehen die Freisinnigen keine Anzeichen.

Mitte und SP hinter Regierung

Die Mitte stellte sich hinter die Regierung. Das Tempo der Lockerung liege unter Berücksichtigung der epidemiologischen Lage klar in der Kompetenz des Bundesrats. Bedauerlich sei aus Familiensicht die beibehaltene Fünf-Personen-Regel in Innenräumen.

Die SP bescheinigte dem Bundesrat, dass er am «vernünftigen Kurs festhält» und «wissenschaftlich abgestützte Öffnungsschritte plant». Zusammen mit der Impfkampagne gebe diese Lockerungsstrategie der Bevölkerung eine Perspektive für Frühling und Sommer.

Grüne und GLP: Vorsichtig bleiben

Auch die Grünen und die Grünliberalen stellten sich hinter die Lockerungen der Landesregierung. Es sei wichtig, dass der Bundesrat vorsichtig und in einzelnen Schritten öffne. Sonst drohe ein Jojo-Effekt, teilten die Grünen mit.

Die Grünliberale Partei (GLP) hielt fest, der Bundesrat lasse sich vom Lärm derer, die nicht mehr wüssten, ob sie Regierungs- oder Fundamentaloppositionspartei seien, nicht beirren.

Wirtschaft unzufrieden

Gastrosuisse, der Verband für Hotellerie und Restauration, hält den Bundesratsentscheid für «nicht nachvollziehbar». Auch vom Wirtschaftsdachverband Economiesuisse und vom Gewerbeverband gibt es die Note «Ungenügend». Letzterer unterstrich seine Forderung nach einem sofortigen Ende des Shutdown.

Was halten Sie von den Lockerungen?
Sind genau richtig
15%
22
Gehen zu wenig weit
74%
109
Zu früh für Öffnungen
11%
16

Die Restaurant müssen weiterhin geschlossen bleiben.
Reto Blunier

Die Lockerungsmassnahmen im Überblick

Als Erstes werden Aktivitäten mit geringem Übertragungsrisiko ermöglicht. Viele Massnahmen bleiben weitere drei Wochen in Kraft. Eine Übersicht:

LÄDEN UND MÄRKTE: Einkaufsläden und Märkte für Güter des nicht täglichen Bedarfs, Museen und Lesesäle von Bibliotheken sollen wieder öffnen können. Die Anzahl der Kundinnen und Kunden muss beschränkt werden. An all diesen Orten gelten Maskenpflicht, Abstandhalten und Kapazitätsbegrenzungen, auch für Einkaufszentren als Ganzes. Lebensmittelläden, Kioske, Bäckereien, Tankstellenshops, Apotheken, Optiker, Hörgeräteläden, Telekomanbieter, Reparatur- und Unterhaltsgeschäfte, Wäschereien, Coiffeursalons, Bau- und Gartengeschäfte, Blumenläden durften auch während des Shutdown offenbleiben.

KULTUR-, FREIZEIT- UND SPORTBETRIEBE: Aussenbereiche von Zoos, botanischen Gärten sowie Sport- und Freizeitanlagen wie Kunsteisbahnen, Tennis- und Fussballplätze oder Leichtathletikstadien dürfen wieder öffnen. Hier gelten neben Kapazitätsbeschränkungen Maskentragpflicht oder Abstandhalten, erlaubt sind jeweils nur Gruppen von maximal 15 Personen; Wettkämpfe und Veranstaltungen sind im Erwachsenen-Breitensport nicht erlaubt. Das Mannschaftstraining in Sportvereinen ist nicht erlaubt beziehungsweise nur in Gruppen bis 15 Personen und ohne Körperkontakt. Profispiele ohne Zuschauer sind weiterhin erlaubt. Kinos, Casinos, Bars, Discos und Tanzlokale bleiben geschlossen. Anlässe mit Publikum sind weiterhin verboten.

VERANSTALTUNGEN UND MENSCHENANSAMMLUNGEN: Im Freien sollen private Veranstaltungen mit bis zu 15 Personen im Familien- und Freundeskreis wieder erlaubt sein. Vereins- oder Gemeindeanlässe sind keine spontanen Treffen, sie gelten vielmehr als Veranstaltungen und sind somit verboten. Dies gilt ebenso für andere Freizeitorganisationen wie Anlässe in Pfarrgemeinden, Quartiervereinen und anderen Vereinsaktivitäten. An privaten Veranstaltungen im Innern dürfen weiterhin maximal fünf Personen teilnehmen. Kinder werden mitgezählt.

JUGENDLICHE: Jugendliche unter 20 Jahren sollen den meisten sportlichen und kulturellen Aktivitäten wieder nachgehen können. Zudem sollen Angebote der offenen Kinder- und Jugendarbeit wieder zugänglich sein.

RESTAURANTS: Gastronomiebetriebe müssen weiterhin geschlossen bleiben. Öffnen dürfen nur Take-aways, Schul- und Betriebskantinen sowie Hotelrestaurants für Hotelgäste. Auch Lieferdienste bleiben erlaubt.

SKIGEBIETE: Über Skigebiete und Hotels entscheiden weiterhin die Kantone. Sie dürfen die Öffnung nur erlauben, wenn es die epidemiologische Lage zulässt und bei genügend Kapazitäten von Tests, Contact Tracing und Spitälern. Es müssen strenge Schutzkonzepte eingehalten werden. Après-Ski-Aktivitäten sind nicht erlaubt.

HOMEOFFICE-PFLICHT: Die Verpflichtung, möglichst zu Hause zu arbeiten, gilt weiterhin. Die Arbeitgeber sind verpflichtet, Homeoffice überall dort anzuordnen, wo dies aufgrund der Art der Aktivität möglich und mit verhältnismässigem Aufwand umsetzbar ist. Der Arbeitgeber schuldet den Arbeitnehmenden keine Auslagenentschädigung etwa für Strom- oder Mietkosten.

MASKENPFLICHT AM ARBEITSPLATZ: Wo Homeoffice nicht oder nur zum Teil möglich ist, gilt in Innenräumen überall dort eine Maskenpflicht, wo sich mehr als eine Person in einem Raum aufhält. Wer sich von der Maskentragpflicht dispensieren will, braucht ein Attest einer Ärztin, eines Arztes, einer Psychotherapeutin oder eines Psychotherapeuten.

SCHUTZ GEFÄHRDETER PERSONEN: Besonders gefährdete Personen haben das Recht auf Homeoffice oder auf einen gleichwertigen Schutz am Arbeitsplatz. Ist das nicht möglich, muss der Arbeitgeber die betroffenen Arbeitnehmenden unter voller Lohnzahlung von der Arbeitspflicht befreien. In diesen Fällen besteht ein Anspruch auf Corona-Erwerbsersatz.

ÖFFENTLICHE EINRICHTUNGEN: Spitäler, Kliniken und Arztpraxen, soziale Einrichtungen (Anlaufstellen), Dienststellen der öffentlichen Verwaltung und der Polizei, Schalter von Betrieben des öffentlichen Verkehrs und die Autovermietung dürfen weiterhin öffnen.

Mehr zum Thema
Politik & Wirtschaft

Nach einer engagierten Diskussion beschloss die Delegiertenversammlung des Bio-Dachverbands die Nein-Parole. - Bio Suisse Bio Suisse lehnt die Trinkwasser-Initiative ab. Die Nein-Empfehlung für die Abstimmung am 13. Juni wurde an…

Politik & Wirtschaft

Hochwasser, Überschwemmung, trübes Wasser - Hans Braxmeier Der Bundesrat will den Hochwasserschutz effizienter machen. Er hat dazu am Mittwoch eine Teilrevision des Wasserbaugesetzes in die Vernehmlassung geschickt. Mit der Modernisierung…

Politik & Wirtschaft

In abgedeckten Frühkartoffeln muss der Fungizidschutz aufrechterhalten werden - Grangeneuve Am 13. Juni kommen die Trinkwasser- und Pestizid-Initiative zu Abstimmung. Die Vereinigung Schweizerischer Kartoffelproduzenten (VSKP) warnt vor einer Annahme. Die…

Politik & Wirtschaft

Der «Club» ist eine Diskussionssendung auf SRF 1 am Dienstagabend. - SRF Die Sendung «Club» auf SRF 1 widmet sich am Dienstagabend der Landwirtschaft. Unter anderem diskutieren Bauernverbandspräsident und Nationalrat…

4 Responses

  1. Da keine Übersterblichkeit vorliegt ( siehe K-tipp Nr 1 2021 ) sind alle Masnahmen aufzuheben.
    Maske tragen freiwillig!
    Aufhören mit dem Geldvernichtungsprogramm!
    Geld das von uns Bürger bezahlt werden muss!

    ..

    1. Als Kleinbauer musst du ja keine Maske tragen. Oder ziehst du deinen Tieren auch eine Maske an? Man kann ja nie wissen. Die Dänen haben ja alle Zuchtnerze ausgerottet, vergraben, wieder ausgegraben und verbrannt. Gefährlicher als das schlimmste Gift. Wohin die Heidenangst die Menschen führt.
      Die Schweizer sollten wieder aufwachen und für die Freiheit einstehen. Wer Maske tragen will, kann das tun. Wer nicht, lässt es sein: Verhältnismässigkeit, Subsidiarität, Eigeninitiative genügen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

SCHWEIZER BAUER

DER SCHWEIZER BAUER AUF YOUTUBE