Sonntag, 29. Januar 2023
25.11.2022 16:22
Forschung

Direktzahlungen stärken familiäre Beschäftigung

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Von: mgt

Die Beschäftigung im Agrarsektor ist in vielen europäischen Ländern, besonders in der Nutztierhaltung, rückläufig. Direktzahlungen können diesem Trend entgegenwirken und zu mehr – vor allem weiblichen – Familienarbeitskräften auf dem Betrieb führen. Dies geht aus einer Studie der Forschungsanstalt Agroscope hervor.

«Direktzahlungen gelten als mögliche Massnahme zur Stärkung des ländlichen Raums, da sie das Einkommen bäuerlicher Familien stützen», schreibt Agroscope. Im Rahmen des Strukturwandels, der auch durch einen Rückgang der Erwerbstätigen im Landwirtschaftsbereich gekennzeichnet ist, gewinne diese These an Bedeutung.

Fokus auf Milchviehbetriebe

Wie wirken sich Direktzahlungen auf die familiäre Beschäftigung bei Milchviehbetrieben aus? In einer empirischen Studie wurde von Agroscope untersucht, ob und wie sich Direktzahlungen auf die betriebliche Beschäftigung auswirken. Dabei lag der Fokus auf spezialisierten und kombinierten Milchviehbetrieben, da diese als besonders arbeitsintensiv und vom Strukturwandel betroffen gelten. Die Analyse wurde für die Jahre 2014 bis 2016 durchgeführt. Um geschlechterspezifische Erwerbsmuster darstellen zu können, wurde zwischen männlichen und weiblichen Familienarbeitskräften unterschieden. Die Betriebsleiterin oder der Betriebsleiter zählen zu den Familienarbeitskräften.

Um den Effekt der Direktzahlungen identifizieren zu können, wurden Betriebe mit Sitz in der Hügelzone mit Betrieben in der Talzone, verglichen. Dabei liegt die Annahme zugrunde, dass sich Betriebe an einer landwirtschaftlichen Zonengrenze sehr ähnlich sind, aber im Bezug von Direktzahlungen – insbesondere der Kulturlandschaftsbeiträge – unterscheiden. Tatsächlich erhält ein durchschnittlicher Betrieb der Hügelzone direkt an der Zonengrenze insgesamt 3’000 Franken mehr an Direktzahlungen als ein entsprechender Talbetrieb.

Mehr weibliche Familienarbeitskräfte

Die Ergebnisse zeigen, dass Direktzahlungen zwar keinen Effekt auf die Anzahl der männlichen Familienarbeitskräfte haben, es aber auf Betrieben der Hügelzone leicht mehr weibliche Beschäftigte gibt: Steigen die Direktzahlungen um 50’000 Franken, führt dies zu einer zusätzlichen weiblichen Familienarbeitskraft. «Dieser Betrag entspricht dem Zehnfachen der Kulturlandschaftsbeiträge in der Hügelzone respektive etwa 80 Prozent des durchschnittlichen Arbeitsverdienstes einer Familienarbeitskraft», schreibt Agroscope.

Obwohl die Ergebnisse auf Hügelbetriebe nahe der Zonengrenze zutreffen, kann es ähnliche oder grössere Effekte für Gebiete, in denen sonstige Beschäftigungsmöglichkeiten rar sind, geben. Da die deutliche Mehrheit der Betriebe von einem Mann geleitet wird, betrifft das zusätzliche Beschäftigungspotential in der Regel die Partnerin.

Sozialpolitisch sei das ein zwiespältiges Ergebnis, denn Familienarbeitskräfte würden häufig keinen Lohn erhalten und seien nicht ausreichend sozial abgesichert. «Auf der anderen Seite kann es auch fraglich sein, ob im ländlichen Raum ausserhalb des Betriebs eine adäquate Anstellung zu finden ist», heisst es weiter. Die Studie zeige, dass Direktzahlungen zu den Zielen der Agrarpolitik beitragen können, indem sie die Beschäftigung im ländlichen Raum stärken.

Fazit

  • Direktzahlungen haben das Potential, die traditionelle Familienlandwirtschaft zu stärken.
  • Das zusätzliche Beschäftigungspotential betrifft dabei vor allem die Partnerin des –meist männlichen – Betriebsleiters.
  • Um negative Nebeneffekte zu vermeiden, sollte das Thema der sozialen Absicherung der Bäuerin an Bedeutung gewinnen.

-> Den wissenschaftlichen Artikel (englisch) gibt es hier zum Nachlesen

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One Response

  1. Direktzahlungen werden auch als Druckmittel eingesetzt um die Landwirte mit neuen Vorschriften zu erpressen. Es schafft auch viele Arbeitsplätze auf Büros um das ganze System zu kontrollieren.

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