Donnerstag, 26. November 2020
27.03.2015 14:17
Agrarwirtschaft

OECD empfiehlt Fitness durch Rosskur

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Von: Samuel Krähenbühl

Die OECD betont, dass die Schweizer Agrar- und Lebensmittelwirtschaft seit 1990 konkurrenzfähiger geworden ist. Trotzdem fordern die Experten gleichzeitig Zollsenkungen und Abbau der Direktzahlungen.

Der Schweizer Agrarsektor sollte noch weiter liberalisiert werden. Gleichzeitig sollten die Direktzahlungen abgebaut werden. Diese Empfehlungen geben Experten der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) zuhanden der Schweizer Agrarpolitik ab (siehe Kasten). «Die Reformen seit 1990 haben positive Auswirkungen gezeigt, aber es sind noch mehr Anstrengungen nötig.

Das ist die Kernaussage der Studie», sagte OECD-Experte Frank van Tongeren gestern in Bern vor den Medien. Er und sein Kollege Vaclav Vojtech betonten, dass das Stützungsniveau in der Schweiz im internationalen Vergleich noch immer sehr hoch sei. Nur gerade Norwegen und Japan würden ihre Landwirtschaft stärker stützen.

Poulet viermal teurer

Zwar hätten sich die Preise für Schweizer Lebensmittel stark ans Weltmarktniveau angenähert. Allerdings gebe es grosse Unterschiede. Bei der Industriemilch etwa liege der Preis noch 20% über dem Weltmarkt. Geflügel hingegen sei viermal teurer als im Ausland. «Im Durchschnitt liegen die Schweizer Preise 40% über den Weltmarktpreisen», sagt van Tongeren. Die Politik beeinträchtige die Wettbewerbsfähigkeit der Nahrungsmittelindustrie und auch die der Landwirte, so seine Folgerung.

Denn nur der Teil der Nahrungsmittelindustrie, welcher seine Rohstoffe im Ausland beziehe, sei international konkurrenzfähig. Verarbeiter hingegen, welche ihre Rohstoffe auf dem Binnenmarkt bezögen, hätten deutlich höhere Produktionskosten als in der EU.

Fitter durch Freihandel

Die Berechnungen zeigten, dass Freihandel Landwirtschaft und Industrie fitter machen und damit gesamtwirtschaftlich Vorteile bringen würde. «Natürlich würde es bedeuten, dass die Produzenten Verluste erleiden würden. Aber gleichzeitig würden die Konsumenten von tieferen Preisen profitieren», so van Tongerens Fazit.

Die OECD-Experten empfehlen deshalb, gleichzeitig den Grenzschutz und die Direktzahlungen abzubauen. Auf die Frage, ob es denn tatsächlich möglich ist, gleichzeitig Direktzahlungen und den Grenzschutz zu senken, antwortete van Tongeren wie folgt: «Wenn man die Betriebe näher an den Markt führen will, muss man die Direktzahlungen senken.» Wenn man aber den Markt an die EU annähern wolle, dann müsse man den politischen Realitäten ins Auge schauen. «Ein Weg wäre, dies mit höheren Direktzahlungen zu machen, welche man aber mit der Zeit wieder abbauen müsste», argumentierte er.

In zwei Zweige aufsplitten

Die Direktzahlungen ihrerseits sollten in zwei Zweige aufgesplittet werden. Zum einen sollten für öffentliche Güter und Dienstleistungen wie Biodiversität oder Landschaftspflege vor allem im Berggebiet Beiträge geleistet werden. Auf der anderen Seite soll mit einem zweiten Zweig «potenziell wettbewerbsfähigen Erzeugern in der Talregion mehr Freiheit, ihre Produktion zu optimieren und auf Marktsignale zu reagieren», gegeben werden.

Dazu sollen wettbewerbsfähige Betriebe Stützungen für Investitionen erhalten. Weniger effiziente hingegen sollen mit «Ausstiegsstrategien»,  sprich mit Sterbeprämien, zum Ausstieg bewegt werden.

Schweiz ist Vorreiterin

Bernard Lehmann, Direktor des Bundesamts für Landwirtschaft, erwiderte, dass man diese rein ökonomischen Anregungen im positiven Sinne aufnehmen wolle, betonte aber auch, dass auch andere Faktoren — etwa soziale — in die Betrachtung einbezogen werden müssten. Weiter zeige die Studie, dass die Schweiz international zu den Vorreitern bei der Verknüpfung von Direktzahlungen an Umweltauflagen zähle.

Erstmals seit 1990

In der aktuellen Studie analysiert und evaluiert die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) die Reformschritte in der Agrarpolitik der Schweiz seit Mitte der 1990er-Jahre. Ziel der Evaluation ist eine Analyse der Reformauswirkungen auf die ökonomische und ökologische Leistung der Schweizer Landwirtschaft sowie auf die Wettbewerbsfähigkeit der Land- und Ernährungswirtschaft. Letztmals analysierte die OECD die Agrarpolitik der Schweiz im Jahr 1990. sam

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