Freitag, 7. Oktober 2022
21.09.2022 16:40
Landtechnik

RTK-Korrektursignal wird nicht kostenlos

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Von: blu

Der Ständerat will Landwirtinnen und Landwirten Positionierungssignale für Traktoren und Mähdrescher nicht kostenlos zur Verfügung stellen. Er hat eine Motion aus dem Nationalrat abgelehnt, mit 23 zu 20 Stimmen. Der Vorstoss ist damit vom Tisch.

Die Mehrheit war der Ansicht, dass die Landwirtschaft gegenüber anderen Branchen nicht bevorzugt werden solle. Zudem seien die Lizenzen für die Benutzung der Signale relativ kostengünstig – vor allem im Vergleich zu den Beschaffungspreisen der landwirtschaftlichen Maschinen, die solche Signale empfangen können.

Markt verfälscht

«Dieses Positionierungssignal kostet in der ganzen Schweiz für alle, die es verwenden, 2,3 Millionen Franken. Es ist nicht kommerziell, das heisst je mehr Menschen es benutzen, desto billiger wird es. Das ist das Konzept, mit diesen 2,3 Millionen Franken Gebühren werden die Kosten gedeckt», sagte Ruedi Noser (FDP/ZH). Auf die Landwirtschaft entfallen 100 000 Franken davon. Der Rest werde durch Geometer, Bauunternehmer und den Wintersport bezahlt. «Einfach von allen, die dieses System auch noch nutzen», fuhr er fort.

Mit Blick auf die Investitionen der Bauern gebe es keinen Notstand. «Ein Bauer muss im Minimalfall 2000 Franken investieren, im Maximalfall etwa 20 000 Franken, je nachdem, eine wie luxuriöse Lösung er wünscht. Das sind die Investitionskosten dahinter», so Noser weiter.

Wenn man die Motion annehme, werde Swisstopo die Rechnung von 100’000 Franken dem Bundesamt für Landwirtschaft stellen, dann wird der Kredit für die Bauern um 100 000 Franken gekürzt. «Es wirkt sich dann einfach auf das Landwirtschaftsbudget aus. Das machen wir, wenn wir zustimmen – eigentlich darf man dem gar nicht zustimmen», hielt Noser fest.

Gegen die Vorlage war auch Daniel Fässler (Mitte/AI). «Bei aller Sympathie, die ich als Vertreter eines landwirtschaftlich geprägten Kantons, aber auch persönlich für die Landwirtschaft habe: Wir tun gut daran, die Kommissionsmehrheit zu unterstützen und die Motion abzulehnen», sagte er. Neben Swisstopo gebe es auch diverse private Anbieter solcher Dienste. «Würden wir die Motion gutheissen und den staatlichen Anbieter im Bereich der Landwirtschaft subventionieren, würden wir die Wettbewerbsneutralität verletzen und den Markt verfälschen», sagte Fässler.

Investition in den Absenkpfad

Anderer Meinung war Peter Hegglin (Mitte/ZG).  Technologie bringe einen sehr grossen Schritt hin zur Digitalisierung der Landwirtschaft. «Dieser Schritt kann sehr viele Vorteile bringen, so die Reduktion des Dünger- und Pestizideinsatzes, aber auch des Verbrauchs von Treibstoffen», sagte er. «Ich meine, die Übermittlung dieser Daten soll eben kostenfrei werden, und nicht die Investition in Gerätschaft und Maschinen. Es geht nur um die Übermittlung dieser ganz genauen Satellitendaten. Das würde dem Bund pro Jahr 100 000 Franken weniger Einnahmen bringen», so Hegglin. In Ländern wie Österreich werde die Technologie gratis zur Verfügung gestellt.

Auch Werner Salzmann (SVP/BE) setzte sich für die Motion von Nationalrätin Meret Schneider (Grüne/ZH) ein. «Mit der Freigabe dieser RTK-Signale würden wir den Landwirten etwas für die Investition in die Hand geben. Die Lizenzen für den Unterhalt werden weiterhin bezahlt», sagte er. Es handle sich also um eine Investition. «Das würde einen Anreiz für diese Landwirte geben, rasch in solche digitalen Projekte zu investieren, um auch die Ziele der Absenkpfade zu erreichen», so Salzmann weiter.

Auch Bundesrätin Viola Amherd appellierte an die Ständeräte, die Motion anzunehmen. Für viele Landwirte seien die Positionierungsdienste in der Schweiz offenbar zu teuer. «Eben deshalb wird mit der Motion beantragt, den Positionierungsdienst Swipos des Bundesamtes für Landestopografie für Landwirte gratis zur Verfügung zu stellen. Wenn die Motion abgelehnt wird, besteht die Gefahr, dass diese moderne Technologie nicht eingesetzt wird und damit die Vorteile, beispielsweise der haushälterische Einsatz von Pflanzenschutzmitteln, nicht erzielt werden», warnte sie. Ihr Appell nützte nichts. Der Ständerat lehnte den Vorstoss ab. Der Nationalrat hatte die Motion stillschweigend angenommen.

So wurde abgestimmt

Für Motion (20)
Elisabeth Baume-Schneider (SP/JU), Marina Carobbio Guscetti (SP/TI), Marco Chiesa (SVP/TI), Hannes Germann (SVP/SH), Maya Graf (Grüne/BL), Brigitte Häberli-Koller (Mitte/TG), Peter Hegglin (Mitte/ZG), Eva Herzog (SP/BS), Daniel Jositsch (SP/ZH), Charles Juillard (Mitte/JU), Marianne Maret (Mitte/VS), Lisa Mazzone (Grüne/GE), Paul Rechsteiner (SP/SG), Werner Salzmann (SVP/BE), Carlo Sommaruga (SP/GE), Hans Stöckli (SP/BE), Adèle Thorens Goumaz (Grüne/VD), Céline Vara (Grüne/NE), Roberto Zanetti (SP/SO), Mathias Zopfi (Grüne/GL)

Gegen Motion (23)
Philippe Bauer (FDP/NE), Andrea Caroni (FDP/AR), Isabelle Chassot (Mitte/FR), Josef Dittli (FDP/UR), Stefan Engler (Mitte/GR), Erich Ettlin (Mitte/OW), Daniel Fässler (Mitte/AI), Olivier Français (FDP/VD), Johanna Gapany (FDP/FR), Andrea Gmür-Schönenberger (CVP/LU), Hansjörg Knecht (SVP/AG), Alex Kuprecht (SVP/SZ), Matthias Michel (FDP/ZG), Thomas Minder (parteilos/SH), Damian Müller (FDP/LU), Ruedi Noser (FDP/ZH), Othmar Reichmuth (Mitte/SZ), Beat Rieder (Mitte/VS), Martin Schmid (FDP/VS), Jakob Stark (SVP/TG), Hans Wicki (FDP/NW), Benedikt Würth (Mitte/SG), Heidi Z’graggen (Mitte/UR)

Gehört heute zum Standard

Die Positionsbestimmung und Navigation von Flugzeugen, Schiffen und landgebundenen Fahrzeugen mittels Global Navigation Satellite Systemen (GNSS) gehört heute zum Standard. Mähdrescher und Traktoren im Ackerbau werden mit auf GNSS basierender Lenk- und Führungstechnologie eingesetzt. 

Die RTK-Vermessung (Real Time Kinematic) ist ein Verfahren zum Aufmessen oder Abstecken von Punkten mit Hilfe satellitengestützter Navigationssysteme wie GPS, GLONASS, Beidou oder Galileo. Dabei werden Genauigkeiten von 1 bis 2 cm erreicht. Die Koordinaten der Punkte können nach der Initialisierung in Echtzeit berechnet werden. Voraussetzung ist ein ungestörter Empfang der Signale von mindestens fünf GPS-Satelliten (empfohlen werden mindestens sechs).

Meret Schneider listet in ihrer Motion die Gründe für ein kostenloses Signal auf:

  • Der Traktor muss am Feldrand nicht in einem zeitraubenden Manöver gewendet werden, um die unmittelbar nächste Bahn zu bearbeiten. Das ist bodenschonender als das übliche Vor- und Zurückfahren wenn man die unmittelbar nächste Bahn nehmen muss. 
  • Volle Konzentration für die Maschine hinter dem Traktor und damit bessere Arbeitsqualität.
  • Gerade Bahnen beim Säen erleichtern das anschliessende Hacken im Bioanbau.
  • Besonders am Hang und bei engreihigen Kulturen gestaltet sich das Hacken ohne Lenksystem schwierig.
  • Bei «unsichtbaren» Arbeiten wie Zetten, Vorauflaufapplikation von Pflanzenschutzmitteln, Düngerstreuen werden dank Aufzeichnung der bereits bearbeiteten Fläche Überlappungen und Lücken vermieden. Dadurch werden Ressourcen gespart und es wird vermieden, dass lokal zu viel Dünger ausgebracht wird.
  • GNSS sind Voraussetzung für Teilbreitenschaltung. Das bedeutet, dass die Arbeitsbreite eines Anbaugeräts in Sektoren unterteilt wird, die dann einzeln ein/ausgeschaltet werden können. Das ist besonders beim chemischen Pflanzenschutz sinnvoll. Wegen der grossen Arbeitsbreite der Spritzen gibt es z.B bei einem dreieckigen Feld grosse Überlappungen, wo ohne Teilbreitenschaltung doppelt gespritzt wird.
  • GNSS sind Voraussetzung für Ertragskartierung und teilflächenspezifische Düngung (mehr oder weniger Dünger ausbringen, je nachdem, wieviel Ertrag man lokal hatte oder wie viele Nährstoffe dort noch vorhanden sind).
  • GNSS-Lenksysteme ermöglichen bodenschonende Verfahren wie Strip Till (nur Streifen pflügen statt das ganze Feld; Gülle dort, wo sie gebraucht wird) und Controlled Traffic Farming (immer in den gleichen Spuren fahren).
  • Abgesehen von Traktor-Lenksystemen werden GNSS mit RTK-Genauigkeit auch für autonome Feld-Roboter gebraucht. Viele Innovationen im Ackerbau/Gemüsebau, welche jetzt in der Pipeline sind oder später kommen, werden GNSS in irgendeiner Form brauchen.
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2 Responses

  1. Meret Schneider wollte mit der Motion eine Leistung kostenlos zur Verfügung stellen , wie sie viele Landwirte in Europa bekommen . Entäuscht bin ich von den SVP Vertretern im Ständerat , welche dagegen gestimmt haben. Angesicht anderer kostentreibender Auflagen, die auf uns zukommen wäre diese Mindereinnahmen für den Bund der Allgemeinheit gegenüber vertretbar gewesen. Ps. wir produzieren Nahrungsmittel…..

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