Dienstag, 15. Juni 2021
10.05.2021 14:15
Wirtschaft

So schwer tun sich Firmen mit den Agrarinitiativen

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Von: sal

Für Millionen von Franken kaufen Firmen mit Pestiziden hergestellte Produkte, aber verteidigen tun sie die Pestizide nicht.

Am vorletzten Wochenende traten Tochterfirmen der Coop, der Migros, der Fenaco und weitere Lebensmittelverarbeiter in einem Zeitungsinserat an die Öffentlichkeit und sprachen sich gegen die zwei Agrarinitiativen aus.

Nestlé Schweiz, die viele Tausend Tonnen ungerösteten Kaffee einführt, der nicht biozertifiziert, also höchstwahrscheinlich mit synthetischen Pflanzenschutzmitteln hergestellt ist, war nicht darauf. Obwohl Nestlé bei einem Ja zur Pestizidinitiative kein Kilogramm mehr von solchen Kaffeebohnen einführen dürfte (Einkaufstouristen aber dürften das weiterhin).

Heikel für Firmen

Nestlé ist aber nicht die einzige Firma, die abseits steht. Auch die grosse Molkerei Hochdorf fehlt auf dem Inserat, anders als Emmi, Cremo und Züger Frischkäse AG. Die Firma Hochdorf erklärt auf Anfrage, sie halte sich mit politischen Äusserungen zurück. Ein Blick ins soziale Netzwerk Facebook zeigt, wie heikel es für Firmen sein kann, sich politisch zu äussern. Die 2×-Nein-Kampagne hat nämlich ausgedeutscht, wer hinter der IG Bio steht, die für 2× Nein einsteht.

Genannt wurden Markennamen, darunter auch Bimbosan, eine Marke einer Tochterfirma der Firma Hochdorf, die wiederum Mitglied der IG Bio ist. Eine Facebook-Nutzerin machte einen Lügenvorwurf und postete ein Mail einer Bimbosan-Mitarbeiterin, die sagte, Bimbosan habe keine Position gefasst, man mache keine Politik. Ihr Mutterkonzern ist aber tatsächlich Mitglied der IG Bio, die sich politisch geäussert hat.

Hug sagt 2× Nein

Der «Schweizer Bauer» hat weitere Firmen angefragt, warum sie nicht auf dem Inserat waren. Auch für Guetzliherstellerin Hug hätte es weniger Schweizer Mehl und Zucker zu kaufen, und die Firma könnte nur noch Erdnüsse, Mandeln etc. einführen, die ohne synthetische Pflanzenschutzmittel hergestellt worden sind.

Hug-Co-Geschäftsleiter Andreas Hug schreibt: «Die Hug AG ist entschieden gegen die Pestizidinitiative, welche ein zu extremer Schritt wäre. Die Hug AG ist auch gegen die Trinkwasser-Initiative, wenn auch weniger entschieden als bei der Pestizidinitiative. Darum engagieren wir uns nicht öffentlich in dieser Angelegenheit.»

Bloch und Kambly stumm

Auch Firma Camille Bloch wäre vom Importverbot betroffen: Haselnüsse, Kakaomasse, Kakaobutter und Sojamehl, die für die Herstellung des berühmten Ragusa nötig sind, könnten nur noch aus pestizidfreier Herstellung stammend eingeführt werden. Bei der Firma heisst es aber, es sei nicht Teil der Firmenkultur, sich zu politischen Vorlagen zu äussern.

Dasselbe teilt Guetzlihersteller Kambly aus Trubschachen BE mit. Als dort noch Oscar A. Kambly am Ruder war, hat sich der Patron aber x-fach öffentlich zur Swissness-Vorlage geäussert. Kambly stellt zwar auch Knospe-Guetzli her, verfolgt aber keine Biostrategie und bezieht aus dem Ausland auch Haselnüsse etc., die mit Pestiziden hergestellt worden sind, die jedenfalls heute nicht biozertifiziert sind. Viele Kambly-Produkte gehen in den Export, wo eine Biostrategie noch schwieriger umzusetzen wäre.

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11 Responses

  1. “ Nestlé … kein Kilogramm mehr von solchen Kaffeebohnen einführen dürfte (Einkaufstouristen aber dürften das weiterhin)“ Also: die Initiativen bringen uns vom Regen in die Traufe. Entweder leiden wir Hunger oder gewaltigen Produkte-Mangel (wenn die Initiativen denn so umgesetzt werden, wie das die Initianten schreiben), oder wir importieren die fehlenden Produkte – viel teurer, möglicherweise mit gefälschten Pestizid-frei-Zertifikaten – auf jeden Fall: Arbeitsbeschaffung für Behörde.

    1. Genau hier liegt der Unterschied zwischen den beiden Initiativen:
      Die Pestizidinitiative schaukelt vor, dass der Bio-Import seriös kontrolliert werden könne. Aus eigener Erfahrung aus Südamerika weiss ich, dass Zertifikate billig gekauft werden können. Bio-inspecta und Coop/HALBA wissen das, verschliessen aber absichtlich die Augen. Diese Mafia-Zertifikate verteuern nur den Import von konv. Ware.
      Die TWI ist realistisch und nicht so blauäugig!!
      Deshalb NEIN zur Pest.Init – JA zur TWI

      1. Guten Abend.
        Verstehe ich das richtig? Sie wollen die Inländische Produktion zurückfahren und den Landwirten die möglichkeit nehem ihre Kulturen zu schützen, den Import von konventionellen Lebensmittelnaber weiter zulassen?

  2. Ein grosser Konzern namens Fenaco schweigt sich auch aus der Verantwortung,oder warum sieht man keine Fenaco (und Tochtergesellschaften) Lastwagen mit einem KLAREN NEIN Aufschriften? UFA Beratungsdienstautos, und Landiparkplätze sehen auch noch so leer aus…..komisch komisch für das sie doch sooo sehr für uns Bauern sind…..
    Soviel zum Thema nur das beste für die Bauern..

      1. Womit wir dann bei der Verbotskultur wären. Wer ist schon wieder dafür bekannt? Richtig, die Grünen. Die wollen uns alles verbieten. Jetzt sogar noch das atmen (Masken). Und weil Verbote und Gesetze durchgesetzt werden müssen, (und die Übertretungen der Gesetze vermehren), deshalb braucht es viel Geld, um all die Überwacher und Polizisten und Richter, … zu bezahlen. Schöne neue Welt.
        Daher: 5 x NEIN am 13. Juni als Sofortmassnahme gegen die Anmassung von Behörde, Medien und Politik!

  3. Hinter dem breien Rücken der Bauern liess sich schon immer gut und unbemerkt Geld verdienen… Und das gilt beileibe nicht nur für die Fenaco!

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