Dienstag, 15. Juni 2021
07.05.2021 10:00
Abstimmung

SRG-Umfrage: Leichte Mehrheit für Agrarinitiativen

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Von: sda/blu

Gut sechs Wochen vor den Eidgenössischen Abstimmungen vom 13. Juni sind die Chancen für die beiden Agrarinitiativen intakt. Wäre der Entscheid Ende April gefallen, hätten 54 Prozent der Trinkwasser- und 55 Prozent der Pestizid-Initiative zugestimmt.

Für die drei Referendums-Vorlagen zeichnet sich ebenfalls ein Ja ab. Das ergab die erste Welle der SRG-SSR-Trendbefragung, die am Freitag veröffentlicht wurde. Bereits in einer Tamedia-Umfrage waren die beiden Agrarinitiativen und die drei Gesetztesvorlagen auf Zustimmung gestossen.

Trinkwasser: Rentner, Linke und GLP dafür

Den 54 Prozent der Zustimmenden zur Trinkwasserinitiative standen in der SRG-Erhebung 40 Prozent Ablehnende gegenüber. 6 Prozent waren noch unentschieden. Die Meinungsbildung ist auf mittlerem Stand.

In der frühen Ausgangslage zeichnet sich eine deutliche Zustimmung im linken Lager ab. In der Mitte ist die GLP-Anhängerschaft zu 73 Prozent für ein Ja. Die Anhänger der Mitte als Partei wollen ein Nein einlegen. Auch FDP- (54 %) und SVP-Anhänger (62 %) sind mehrheitlich gegen das Volksbegehren.

Am stärksten dafür sind Rentnerinnen und Rentner. Hauptargument ist, dass nicht mehr Milliarden für eine Landwirtschaft fliessen sollen, welche die Umwelt gefährdet. Gemäss GFS steht der Mittelstand der Vorlage eher kritisch gegenüber. Dafür befürworten Akademikerinnen und Akademiker die Vorlage.

Stadt-Land-Graben

Wie üblich sind Städterinnen und Städter für Umweltanliegen offener. Der Stadt-Land-Graben ist bei der Trinkwasserinitiative allerdings grösser als jener zwischen den Geschlechtern: In den Städten wollen 65 Prozent Ja stimmen, auf dem Land 41. Zwischen Frauen und Männer beträgt das Verhältnis 57 zu 52 Prozent.

Auffallend hoch ist die Zustimmung im Tessin, 70 Prozent wollen ein Ja in die Urne legen. In der Romandie (56 Prozent) und in der Deutschschweiz (53 Prozent) fällt das Ja deutlich tiefer aus. Lukas Golder von GFS geht trotz der Mehrheit davon aus, dass es die Trinkwasser-Initiative schwer haben wird. Zwar sei die Mehrheit für eine ökologischere Landwirtschaft. «In der Regel verlieren Initiativen im Verlauf des Abstimmungskampfes an Zustimmung. Das Ständemehr zu erreichen, dürfte aufgrund der Ablehnung in ländlichen Gebieten schwierig werden», sagt Golder zu SRF.

Pestizid-Initiative: Höchste Zustimmung bei Rentnern

Der Initiative «für eine Schweiz ohne synthetische Pestizide» wollten in der Umfrage 55 Prozent zustimmen, 42 Prozent waren dagegen und 3 Prozent unentschlossen. Das Konfliktmuster ist ähnlich wie bei der Trinkwasserinitiative.

Wichtiges Argument ist neben der Gesundheitsgefahr, dass künstliche Pestizide nicht vereinbar sind mit einer nachhaltigen Landwirtschaft. Bei der Gegnerschaft schwingt die Befürchtung höherer Lebensmittelpreise obenaus.

Bei der Umfrage von SRG liegt im Gegensatz zu jener von Tamedia die Pestizidinitiative leicht vorne. «Dieser minimale Vorsprung ist auf Personen zurückzuführen, die für die Initiative Pestizidverbot stimmen und bei der Trinkwasser-Initiative im Moment noch unentschieden sind», erklärt Lukas Golder vom Forschungsinstitut gfs.bern, gegenüber SRF.

Wie bei der Trinkwasserinitiative nimmt die Zustimmung mit steigendem Alter zu. So sind nur 48 Prozent der 18- bis 39-jährigen Befragten derzeit dafür, während Personen im mittleren Alter die Vorlage mehrheitlich annehmen wollen (54 Prozent). Deutlich höher ist der Ja-Stimmenanteil (62%) bei den Rentnerinnen und Rentnern.

Zwei Volksinitiativen

Die Pestizid-Initiative fordert ein Verbot synthetischer Pflanzenschutzmittel in der landwirtschaftlichen Produktion, in der Verarbeitung landwirtschaftlicher Erzeugnisse und in der Boden- und Landschaftspflege. Verboten werden soll auch der Import von Lebensmitteln, die mit synthetischen Pflanzenschutzmittel hergestellt wurden oder die solche enthalten.

Die Trinkwasser-Initiative verlangt, dass nur noch Bauern Direktzahlungen erhalten, die auf Pflanzenschutzmittel, vorbeugend oder systematisch verabreichte Antibiotika und zugekauftes Futter verzichten. Auch die landwirtschaftliche Forschung, Beratung und Ausbildung soll nur unter diesen Bedingungen Geld vom Bund erhalten.

Mehrheit für Covid- und CO2-Gesetz

Beim mit dem Referendum bekämpften Covid-19-Gesetz erbrachte die erste SRG-Umfrage eine klare Ja-Mehrheit von 67 Prozent. 27 Prozent stellten sich dagegen und 6 Prozent waren unentschieden. Die Absichten sind parteipolitisch und vom Regierungsvertrauen geprägt. Ablehnung findet sich bei SVP-Affinen und Regierungskritischen. Auch wenn alle Altersgruppen für die Vorlage sind, steigt die Zustimmung mit dem Alter.

Das CO2-Gesetz wollten 60 Prozent der Befragten annehmen. 35 Prozent äusserten sich dagegen und 5 Prozent waren unentschieden. Das Konfliktmuster verläuft entlang der Parteilinien. Am stärksten gegen die Vorlage sprachen sich SVP-Anhängerinnen und Anhänger aus. Hinzu kamen Regierungskritische.

Generell steht das Parteivolk hinter den gefassten Parolen, bei der FDP allerdings denkbar knapp. Das Argument, die Vorlage belaste den Mittelstand, verfängt sogar beim politischen Gegner. So stimmten ihm 42 Prozent der befragten SP-Wählerinnen und Wähler zu. Bei den Grünen waren es 27 Prozent. Richtig verfing das aber nur im bürgerlichen Umfeld.

Konflikt beim Anti-Terror-Gesetz

Das Gesetz über polizeiliche Massnahmen gegen den Terrorismus (Anti-Terror-Gesetz) hätten zum Umfragezeitpunkt 67 Prozent angenommen. Am grössten war der Anteil mit je 82 Prozent bei der Mitte-Partei und bei der FDP. Auch Regierungskritischere stimmten der Vorlage mehrheitlich zu.

Im Nein-Lager brach ein Elite-Basis-Konflikt auf: So wollen bei den Grünen 52 und bei der SP 55 Prozent der Anhängerschaft entgegen der Parole ihrer Parteien dem Gesetz zustimmen. Richtig tief ist der Graben bei der GLP: Dort widersetzen sich 70 Prozent der Nein-Parole. Damit ist die Bereitschaft der Bevölkerung intakt, der Regierung bei «Law and Order»-Themen zu folgen.

In der ersten Welle der SRG-SSR-Trendumfrage für die Abstimmung vom 13. Juni befragte das Forschungsinstitut gfs.bern zwischen dem 19. April und dem 2. Mai 22’732 Stimmberechtigte. Der statistische Fehlerbereich beträgt plus/minus 2,8 Prozentpunkte.

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29 Responses

  1. Könnte es sein, dass der SBV in den vergangenen Jahren und Jahrzehnten den Bogen mit all seinen Manövern doch überspannt hat.

    Oder: der Krug geht zum Brunnen bis er bricht……

    1. Hanspeter, es ist noch nicht der 13. Juni.
      Und ein Blick über den Tellerrand zeigt, dass nicht der SBV oder die sog. „Agrarlobby“ die Hauptschuld trägt, dass so massiv auf die Bauern geschossen wird, sondern die linken „Umweltorganisationen“ (unterstützt von der Chemiebranche) und die linke Politik und gleichgeschalteten linken Medien, die nicht nur bezüglich Waldsterben in den 80-er Jahren, sondern bezüglich Covid-, CO2-Gesetz die Schweizer im Dauerbeschuss manipulieren.
      5 x NEIN am 13. Juni.

      1. Herr Furrer, warum werden eigentlich so viele Ihrer Einträge hier durch den Moderator gelöscht? Haben Sie eine Erklärung dafür?

        1. Was Furrer hier schreibt ist meist beste Propaganda für beide Initiativen.
          Der Schweizer Bauer löscht Furrer zum Schutze der ehrlichen und hart arbeitenden
          Bauern.

        2. Die Antwort dazu habe ich schon anderswo gegeben. Vielleicht findest du auch durch Nachdenken die Antwort, oder dann eben durch Suche in alten Kommentaren.

          1. hansmax: frage doch die Redaktion des SB. Oder denke nach. Warum so denkfaul?
            Oder forsche nach in den andern Kommentaren, warum so forschungsfaul?
            Wenn ich gewisse Dinge tiefer beschreibe (Hintergründe), dann löscht der SB diese Kommentar oft, weil sie dann – gemäss SB – vom Thema abschweifen und die Diskussion in eine nicht gewünschte Richtung lenken. Das ist meine Vermutung.
            hansmax, du aber willst mir mit deiner Frage sicher etwas unterstellen und mich herausfordern, nicht wahr?

          2. Der Grund für Ihren Ausschluss dürfte ein anderer sein: Sie verbreiten hier Hass und Hetze gegen Andersdenkende (sog. Linke, Grüne, Kommunisten, Christen). Denke Sie darüber nach!

          3. Hansmax, werde konkret. Hass und Hetze ist für euch jede Wahrheit, die euch Linken nicht passt. Denke darüber nach.

          4. hansmax: du wendest genau die Taktik der Linken an: üble Verdächtigungen. Genug oft angesprochen wird das dann geglaubt. Beweise fehlen immer bei euch Linken. Ihr wollt eure eigene Wahrheit (Narrativ = Märchen) und eure eigene Gerechtigkeit aufrichten. Eine solche Haltung wird uns den Untergang bringen.

      2. Jedenfalls wurde noch keiner meiner eigenen Beiträge gelöscht. Muss also an Ihnen liegen, dass Ihre Beiträge gelöscht werden: Intoleranz, Hass, Hetze.

        1. Die Linken sind total intolerant. Und du gehörst dazu. Du kannst ja konkret zu meinen Beiträgen schreiben und dich auch mit deinem wirklichen Namen melden. Hansmax, deine Masche, Anklagen, Beschuldigungen, Intoleranz, Totschlagargument (Leugner), zeichnen Leute wie dich aus. Komm ans Licht! 5 x NEIN am 13. Juni!

  2. Haben all diese Rentner Und sonst so Spezialisten auch mal überlegt was so an Pestiziden Antibiotika usw. von Haushalten in den Städten direkt ins Abwasser und so direkt in die Gewässer gelangt ??? überlegt mal !!!

    1. Ich denke nicht nur an die nächste, sondern auch an die jetzige Generation. Wenn wir nicht in Abhängigkeiten, wirtschaftliche Armut und Unfreiheit kommen wollen, müssen wir dringend 5 x NEIN stimmen.

      1. Beat Furrer, wenn die Trinkwasser- und Pestizidinitiative trotzdem angenommen werden, dann hoffe ich, dass sie dann wirklich so radikal umgesetzt werden, wird wie du das immer prophezeist, so wirklich total gegen die Chemiebauern. dann wünsche ich dir, dass die Räte jeglichen Spielraum zum Negativen ausnützen! Als erfahrener Biobauer würde mich das dann nicht berühren. Eigentlich solltest du dafür sein, denn dass 8 Jahre Umstellzeit in der Verfassung stehen ist doch eher ein Luxusangebot!

        1. Christian, wenn du etwas mehr informiert wärest, dann wüsstest du, dass es hier nicht um Umwelt und Trinkwasser geht, sondern um die Machtergreifung der Linken, um eine Ökodiktatur. Willst du das?

          1. Machtergreifung: wie kann man so verblendet sein. Der Begriff ist eine Unterstellung und zudem historisch belastet.

            Es geht um eine Frage, die direktdemokratsich an der Urnen beantwortet wird. Nicht mehr und nicht weniger.

  3. Medien, Behörden, Schulen sind schon längst links unterwandert und verhindern jede faire Diskussion. Lies dazu die Bücher von Epoch Times: „Wie der Teufel die Welt beherrscht“.

    1. Stimmen denn die Behörden Medien udn Schulen an der Urne ab? Glauben Sie nicht an die Urteilsfähigkeit und Mündigkeit des Stimmbürgers? Ich jedenfalls schon.

      Sie lesen jene Bücher die Ihre vorgefasste Meinung bestätigen. Ich mache es anders und informiere mich breit.

  4. ja Beat Furrer, wenn du so gut informiert wärst, wärst du nicht so von deiner Meinung überzeugt! Dann hättest du vielleicht auch schon herausgefunden, dass dein Links/ Rechts Schema gar nicht existiert. Exremisten gibt es Links und Rechts, und die unterscheiden sich kaum voneinender!! den meisten Stimmbürger geht es aber um die Sache, Menschen die selber entscheiden können und auch wollen! wartens wir ab!

    1. Christian, nein es ist umgekehrt. Wenn du informiert wärst, dann wüsstest du, dass das links-rechts-Schema eben immer noch gilt. Die einen wollen mehr Staat (das Paradies auf Erden), das sind die Linken. Die anderen wollen Selbstverantwortung und Freiheit, das sind die Rechten. Die einen wollen Gott auf Erden ersetzen (die Linken), die anderen wissen, dass Gott im Himmel ist, und die Erde den Menschen vorübergehend zur Verwaltung übergeben (Psalm 115,16).

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