Sonntag, 22. Mai 2022
27.01.2022 16:30
Prävention

«Staat soll Konsum von Zucker nicht regulieren»

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Von: sda

Der Staat soll Genussmittel wie Zucker, Tabak und Alkohol unter dem Deckmantel der Gesundheitsprävention nicht zu sehr einschränken und deren Konsum regulieren. Dagegen soll die Privatwirtschaft stärker in die Pflicht genommen werden, heisst es in einer Studie von Avenir Suisse.

Was auf den Tisch komme, sei zunehmend politisch, schrieb Avenir Suisse am Donnerstag zu den Resultaten der Studie «Privat vor Staat – auch in der Gesundheitsprävention».

Aktivere Rolle übernehmen

Doch die Lebensmittelindustrie könne in Fragen der öffentlichen Gesundheit auf Präferenzen von Konsumenten effizient eingehen. So sei der Privatsektor vielmehr Teil der Lösung als Ursache des Problems zur Vermeidung nicht übertragbarer Krankheiten wie Diabetes, Bluthochdruck oder erhöhte Cholesterinwerte.

Avenir Suisse fordert als Fazit der Studie eine aktivere Rolle der Lebensmittelindustrie, zum Beispiel mit öffentlichen Selbstverpflichtungen, Branchenvereinbarungen und Labels. Der Privatsektor könne und solle eine Schlüsselrolle einnehmen, sagte Direktor Peter Grünenfelder an der virtuellen Medienkonferenz. Er verfüge über umfassende Marktkenntnisse und könne schnell und flexibel reagieren.

Zudem soll auf Lebensmittelsteuern, zum Beispiel auf Süssgetränke, verzichtet werden, denn diese seien ineffizient und mit viel Bürokratie verbunden. Sie beträfen alle Menschen, auch diejenigen, die Genussmittel bereits einschränken würden.

Bund handelt widersprüchlich

Zusätzlich solle «die Inkohärenz der staatlichen Wirtschafts- und Gesundheitspolitik beseitigt» werden. Denn einerseits finanziere der Bund Präventionskampagnen, gleichzeitig subventioniere er «die Produktion und den Vertrieb von ungesunden Produkten wie Zucker, Salz, Öl, Käse, Alkohol oder Tabak mit Hunderten von Millionen Franken.»

Auch die Finanzierung der AHV hänge vom Konsum «sündhafter» Produkte ab, «leisten doch Tabak- und Spirituosensteuer sowie Spielbankenabgaben einen Beitrag von rund 3 Milliarden Franken jährlich». Statt die Handlungsfelder des Staates bei der Bekämpfung von nicht übertragbarer Krankheiten auszuweiten, würde ein Abbau dieser Widersprüchlichkeiten der Glaubwürdigkeit der Politik guttun, schrieb Avenir Suisse weiter.

Nicht zuletzt blenden laut Avenir Suisse die Gesundheitsbehörden in Bund und Kantonen aus, dass der Konsum von Lebensmitteln, die das Risiko dieser Krankheiten erhöhen, hierzulande beinahe konstant oder zum Teil sogar rückläufig sind. Deshalb setze Avenir Suisse bei Lebens- und Genussmitteln auf Eigenverantwortung statt auf Eingriffe des Staates in die Privatsphäre.

Mittelweg finden

Eine eigentliche «Epidemie des Konsums schlechter Produkte» sei nicht auszumachen, sagte Studienautor Jéròme Cosandey. Letztlich gelte es bezüglich Lösungen im Umgang mit Zucker, Fett, Salz und Co. einen Mittelweg zu finden zwischen Panikern und Skeptikern. Dass man in diesem Bereich etwas unternehme, sei aber wichtig.

Dass die Menschen heute so alt würden, sie letztlich eine Konsequenz des guten Gesundheitssystems in der Schweiz. Das bedeute halt aber auch – ohne zynisch oder herzlos sein zu wollen – «dass wir heute viel überleben und am Schluss oft an nicht übertragbaren Krankheiten sterben».

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6 Responses

    1. Ines, die hohen KK-Prämien haben wir, weil jeder immer gleich wegen jedem Wehwechen alle möglichen Untersuchungen haben will mit teuren Geräten und alle möglichen Präventiv-Untersuchungen gemacht werden. Dabei werden häufig Fehlprognosen gestellt, welche die Kosten noch höher treiben. Ich würde die KK abschaffen, dann hat jeder mehr Eigenverantwortung zu tragen und auf sich selbst zu schauen. Wer wieviel Zucker konsumieren soll, hängt auch von seiner Verbrennung ab, wir sind nicht alle gleich.

  1. Ok, das heisst, wer wegen Diabestes oder Uerbergewicht oder Alkohol krank wird, muss seine Gesundheitskosten selber tragen.

    Das ist Eigenverantwortung.

    1. Krankenkasse freiwillig?
      Motorrad- und Autounfall wird nicht bezahll, hätten daheim bleiben können.
      Ines, richtig dumm deine Meinung!

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