Dienstag, 27. Juli 2021
19.05.2021 17:45
Umfrage

Umfrage: Wie wird Pestizid-Initiative abschneiden?

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Von: blu

Am 13. Juni wird über die beiden Agrarinitiativen abgestimmt. In unserer Umfrage wollen wir von Euch wissen, wie die Pestizid-Initiative abschneiden wird. Wird das Stimmvolk das Begehren versenken? Oder gibt es ein Ja? Abstimmen und mitdiskutieren

Der Abstimmungskampf ist im vollen Gange. Täglich wenden sich Befürworter und Gegner der Pestizid-Initiative an die Abstimmenden. Klar ist: Bei einem Ja müssten sich Bauern, aber auch Verarbeiter und Händler auf grosse Veränderungen gefasst machen.

Initianten argumentieren mit Gesundheit

Die Initiative «für eine Schweiz ohne synthetische Pestizide» will diese Substanzen verbieten, und zwar nicht nur in der Landwirtschaft, sondern auch in Gärten und öffentlichen Anlagen. Und Lebensmittel, die synthetische Pestizide enthalten oder mit ihnen produziert worden sind, sollen nicht mehr importiert werden dürfen.

Die Initianten argumentieren mit der Gesundheit: Synthetische Pestizide befänden sich im Essen, im Wasser und würden über die Luft transportiert. Besonders Kinder und Ungeborene seien gefährdet; bei Erwachsenen könnten diese Pestizide Krebs auslösen.

«Stärkt Landwirtschaft»

Synthetische Pestizide zerstörten die Lebensgrundlage und Gesundheit der Jungen und der kommenden Generationen, sagte Komiteemitglied Dominik Waser an der Medienkonferenz von Ende März. «Es ist jetzt an der Zeit, grundlegende Dinge für die Zukunft zu ändern. Wir Jungen wollen eine Zukunft, die gesundes Essen und Gesundheit für die kommendem Generationen garantiert», hielt der 23-jährige Gärtner und Bio-Bauer in Ausbildung.

Gemäss den Initianten stärkt die Initiative die Biodiversität. Umwelt, Tiere und Pflanzen würden unter der Verwendung von synthetischen Pflanzenschutzmitteln leiden. Mit dem Volksbegehren werde auch die Landwirtschaft gestärkt, weil das Importverbot die Schweizer Bauernbetriebe schütze. Es gehe darum, für alle gleich lange Spiesse zu schaffen.

Bio Suisse und Kleinbauern dafür

Die neuen Verfassungsbestimmungen müssten nach einem Ja innerhalb von zehn Jahren umgesetzt werden. Hinter dem Begehren stehen Winzer, Ärztinnen und Wissenschaftler. Unterstützt wird die Initiative auch von den Grünen, der SP und die EVP. Die Grünliberalen haben Stimmfreigabe beschlossen.

Unterstützt wird die Pestizidinitiative auch von den Verbänden Bio Suisse, Kleinbauern-Vereinigung und Demeter Schweiz. Die Initiative biete eine einmalige Chance, die Schweizer Landwirtschaft zu transformieren, um in Zukunft die Umweltziele zu erreichen und so allen Menschen Zugang zu nachhaltigen und gesunden Lebensmitteln zu garantieren, halten die drei Verbände fest.

Auch Umweltverbände, darunter Pro Natura, Greenpeace, WWF Schweiz, Bird Life Schweiz und der Fischerei-Verband, unterstützen beide Begehren.

Zustimmung schwindet

Gemäss der jüngsten Umfrage von 20 Minuten/Tamedia sinkt die Zustimmung für die Pestizidinitiative. In der zweiten Umfragewelle ist das bisherige knappe Ja in ein Nein gekippt. Nur noch 49 Prozent haben mit einem Ja oder eher Ja geantwortet. 49 Prozent sagt Nein oder eher Nein. Bei der ersten Umfrage von Ende April lag der Ja-Anteil noch bei 53 Prozent. 43 Prozent wollten ein Nein einlegen.

Es gibt der Pestizidinitative einen Graben zwischen Stadt und Land und zwischen bürgerlichen und links-grünen Wählerinnen und Wählern. Auffallend ist, dass vor allem die Jungen die Initiative ablehnen. Für den Politologen Fabio Wasserfallen ist das bemerkenswert, dass die jungen Stimmberechtigten ihrem Image als die umweltbewusste Generation überhaupt nicht nachleben. 

«Eine Landwirtschaft ohne Pestizide Illusion»

Klar gegen die Initiative spricht der Bundesrat aus. «Ich verstehe, dass sich die Menschen Sorgen um die Umwelt machen», sagte Bundespräsident Guy Parmelin am 23. März vor den Medien in Bern. «Aber die Initiativen schiessen über das Ziel hinaus.» Ganz ohne Pflanzenschutzmittel gehe es in der Landwirtschaft nicht, sagte der Agrarminister. «Eine Landwirtschaft ohne Pestizide ist eine Illusion», sagte er weiter.

Ein Verbot von synthetischen Pflanzenschutzmitteln habe zur Folge, dass in der Schweiz weniger Lebensmittel produziert würden, warnte Parmelin. Die Selbstversorgungsrad würde sinken und die Abhängigkeit vom Ausland steigen. Weil nur noch Lebensmittel eingeführt werden dürften, die ohne synthetische Pestizide produziert wurden, würde sich Lage noch verschärfen. Das Importverbot, das die Pestizidinitiative beinhalte, widerspreche auch internationalen Verträgen – insbesondere mit der EU, fuhr er fort.

Ritter: Produktion verteuert

Kritik kommt auch vom Schweizer Bauernverband (SBV). Zwar sei Initiative konsequenter formuliert, sagte SBV-Präsident Markus Ritter. Allerdings wären solche Importauflagen nicht WTO-konform. Es sei deshalb zu befürchten, dass die Initiative nur im Inland umgesetzt und damit zu einem grossen Wettbewerbsnachteil für die Schweizer Bauern führen werde.

Gemäss Ritter würde eine konsequente Umsetzung die landwirtschaftliche Produktion massiv verteuern. Ohne Pflanzenschutzmittel werde mehr Handarbeit benötigt. Auch rückläufige Erträge aufgrund fehlender Pflanzenschutzmittel würden die Nahrungsmittelkosten nach oben treiben und höhere Importe notwendig machen, warnt Ritter.

Produktion sinkt

Eine vom Bauernverband in Auftrag gegebene Studie kommt zum Ergebnis, dass mit einem Verzicht auf den Einsatz von Pestiziden die Erträge in der Landwirtschaft um 20 bis 40 Prozent schrumpfen würden. Schliesslich würde auch die Exportwirtschaft unter dem Verbot leiden, sagen die Gegner der Initiative. Da Pestizide auch zur Einhaltung der Hygienemassnahmen verwendet werden, würde sich die Produktion verteuern.

Die Nein-Parole beschlossen haben die SVP, die FDP und Die Mitte. Der Schweizer Bauernverband (SBV) und zahlreiche weitere landwirtschaftliche Verbände und Lebensmittelproduzenten lehnen die Initiative ebenfalls ab.

Wie wird die Pestizid-Initiative abschneiden?
Gibt ein knappes Ja (50,01 bis 52,9%)
14%
156
Gibt ein deutliches Ja (mehr als 53%)
8%
87
Gibt ein knappes Nein (50,01 bis 52,9%)
41%
446
Gibt ein deutliches Nein (mehr als 53%)
33%
360
Weiss nicht
3%
37

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