Mittwoch, 17. August 2022
02.12.2021 07:02
Tiergesundheit

Unklarheiten: Wald Schweiz gegen Tierseuchen-Revision

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Von: lid/blu

Die in Revision gegebene Tierseuchenverordnung hat wegen der Bekämpfung der Afrikanischen Schweinepest (ASP) grossen Einfluss auf die Wälder. Wald Schweiz kritisiert, dass die Interessen der Waldeigentümer nicht berücksichtigt seien und lehnt die Revision ab.

Um bei einem ASP-Ausbruch in der Schweiz die Seuche bekämpfen zu können, sind drastische Massnahmen vorgesehen, schreibt Wald Schweiz. So könnte in einer ersten Etappe während maximal 30 Tagen für ein Gebiet mit einem Radius von 10 bis 15 km ein Jagdverbot gelten und die Pflicht, Waldwege nicht zu verlassen, eingeführt werden.

Wälder gesperrt

In einer zweiten Etappe würde für ein Gebiet mit einem Radius von 3 km ein vollständiges Waldzugangsverbot verfügt, in einem weiteren Radius von 7 km würde der Waldzugang auf unerlässliche Forstarbeiten beschränkt. Dies gälte für 12 bis 24 Monate.

350 km2 würde während bis zu zwei Jahren für Forstarbeiten und für Waldbesucher gesperrt, warnt Wald Schweiz. Der Verband macht dazu einen Vergleich: Die meisten Forstbetriebe in der Schweiz bewirtschaften den Wald von mehreren Waldeigentümern, diese Reviere haben meist eine Fläche zwischen 5 und 15 km2.

Eingriff in das Eigentum

«Die Sperrung eines Waldgebietes von 350 bis 700 km2 wäre ein schwerwiegender Eingriff in das Eigentum und die wirtschaftliche Freiheit der Waldeigentümer und Forstbetriebe», lautet die Kritik. Potenziell würden damit Forstreviere ganz oder weitgehend während 12 bis 24 Monaten komplett für die Bewirtschaftung gesperrt.

Die hätte laut dem Verband der Waldeigentümer gravierende finanzielle, ökologische und berufliche Nachteile. Die Arbeitsgrundlage des Forstpersonals entfalle. Forstbetriebe seien meist öffentlich-rechtliche Körperschaften. Solche hätten grundsätzlich keinen Anspruch auf Kurzarbeit. «Für solche Fälle müssen zwingend praxistaugliche Lösungen zur Verfügung stehen, und zwar bevor aufgrund der Afrikanischen Schweinepest eine erste Waldsperrung angeordnet werden muss», verlangt Ständerat Daniel Fässler (Mitte/AI), Präsident von WaldSchweiz. Auch für Private, die nicht mehr ihren eigenen Wald betreten dürften, um Holz für den Eigenbedarf zu ernten, oder für privatrechtlich organisierte Unternehmen müsse eine Lösung gefunden werden.

Kompensationslösungen finden

Wald Schweiz weist zudem auf das Waldgesetz hin, nachdem die Schutz-, Nutz- und Wohlfahrtsfunktion des Schweizer Waldes nachhaltig sichergestellt sein muss. Bevor es zum ersten ASP-Ausbruch komme, müsse mit den Waldbesitzern ein Dialog geführt werden, ob eine Gefährdung dieser Funktionen vertretbar ist.

«Für alle Fälle, in denen Waldeigentümern, Forstbetrieben und Forstpersonal aufgrund von
Waldsperrungen Schaden droht, müssen klare und praxistaugliche Kompensationslösungen
gefunden werden», fordert Fässler. Zudem müssten die Eigentümer bei der Errichtung von Sperrgebieten aktiv miteinbezogen werden. Weiter müsse Klarheit darüber bestehen, ob die Schutz-, Nutz- und Wohlfahrtsfunktionen des Waldes wirklich eingeschränkt werden sollen oder ob es nicht pragmatischere Lösungen gebe.

WaldSchweiz ist der Verband der Schweizer Waldeigentümer. Er vertritt die Interessen der rund
250’000 privaten und öffentlichen Waldeigentümer.

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