Montag, 6. Dezember 2021
15.11.2021 16:02
Corona

«Viele sind zu passiv zum Impfen»

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Von: jul

Am Freitag erhielt Markus Ritter hohen Besuch. Für einmal aber nicht aus politischen oder bäuerlichen Gremien. Vielmehr aus der Schweizer Musikszene. Rapper Stress, Baschi, Kunz, Stefanie Heinzmann und Danitsa fanden (mit Müh und Not) ihren Weg nach Altstätten SG ins Stöckli der Familie Ritter, um im Rahmen der nationalen Impfwoche  zu diskutieren.

 Im Stöckli des Bauernverbandspräsidents und Mitte-Nationalrats Markus Ritter und seiner Frau Heidi in Altstätten SG war angerichtet: Der Tisch beugte sich förmlich unter Gipfeli, Sandwiches, Früchte, Schoggi, Kuchen und Getränken.

Schuhe ausziehen

Alles war bereit für den hohen Besuch. Gespannt wartete Ritter mit anderen bäuerlichen Vertretern aus Ostschweizer Landwirtschaftsverbänden auf die Grössen der Schweizer Musikszene. Stress, Kunz, Baschi, Stefanie Heinzmann und Danitsa liessen sich Zeit. Nach einigen Schwierigkeiten fanden sie schliesslich ihren Weg durch den Nebel zum Stöckli.

Zunächst wirkte die Vertreter dieser beiden Welten etwas unbeholfen, als sie aufeinandertrafen. In Socken standen sie auf dem Holzboden (bei Ritters zieht man die Schuhe aus) und trauten sich nicht recht ans Buffet.

Musiker Baschi und Rapper Stress in ungewohntem Umfeld: Im Stöckli von Markus und Heidi Ritter.
jul

«Das Virus ist weiter weg als in der Stadt»

Der Gastgeber lancierte dann aber die Diskussion. Als Botschafter der vom Bundesamt für Gesundheit organisierten nationalen Impfwoche sprach Ritter mit seinen Gästen, die im Rahmen eben dieser Woche durch die Schweiz Touren und unter anderem Konzerte geben, über die Situation in der Landwirtschaft. Er freue sich über den Besuch und über das Signal, das damit an Bäuerinnen und Bauern gesandt werde.

Stefanie Heinzmann wollte danach wissen, wie die Bäuerinnen und Bauern die Coronazeit bis jetzt erlebt haben. «Das Virus war auf den Höfen viel weiter weg als in der Stadt», auf dem Land sei das Leben weitgehend normal weitergegangen, so Ritter. Auch er habe es erst dann richtig wahrgenommen, wenn er in den Zug musste und sich in Bern aufhielt. Auch wirtschaftliche Einbussen hätten die wenigsten gehabt, wie Stefan Freund, Vizepräsident vom Bauernverband Appenzell Ausserrhoden, sagte. «Im Gegenteil: die Hofläden hätten viel mehr Kundschaft als vor der Pandemie.»

Musikerin Stefanie Heinzmann (zweite von rechts) wollte wissen, wie es den Bauern während der Pandemie geht. 
jul

Betriebsleiterischer Entscheid

Das mache es doch schwierig, die Leute zur Impfung zu bewegen, sagte Heinzmann darauf. Welches denn die Argumente seien. Jürg Fatzer, Geschäftsführer des Verbands Thurgauer Landwirtschaft und der Thurgauer Milchproduzenten antwortete, dass die Impfung als Teil des Betriebsmanagements angesehen werden sollte.

«Wenn der Betriebsleiter erkrankt und ausfällt, kann er nicht den Stall abschliessen und sagen, ich komme in vier Wochen wieder», er müsse einen Ersatz organisieren, damit der Betrieb weiterlaufe. Das sei nicht einfach. Peter Nüesch, Präsident des St. Galler Bauernverbands sagte, dass man Bauern auch mit Argumenten aus der Tierhaltung überzeugen könnte. «Im Stall ist es für die meisten selbstverständlich, die Tiere vorbeugend gegen Viren zu impfen. Sie wissen, dass es sehr problematisch wird, wenn ein Tier erkrankt», sagte er.

«Wie ein Hausarzt»

Baschi fragte danach, ob sich nicht auch unter den Bauern die Impfwilligen bereits entschieden hätten und sich die anderen auch durch eine solche Aktion und durch die Stellungnahme des Bauernpräsidenten nicht mehr umstimmen liessen. «Ich glaube, dass das zielgruppenspezifische Vorgehen gewinnbringend ist», sagte Ritter.

Und sein persönliches Engagement. «Mich haben etwa sechs Bauern angerufen, die fragten: ‹Was meinsch, sölli die Impfig jetzt no mache?› Ich habe wie ein Hausarzt erklärt, dass es sinnvoll sei und meine Meinung dazu gesagt», so Ritter. Ausserdem liessen sich die Bäuerinnen und Bauern jetzt abholen, weil sie keine Ausreden mehr hätten. Sie sind nicht mehr auf der Alp, die Erntearbeiten etc. sind erledigt.

Und jetzt, wo der Winter komme und wieder vermehrt Viehschauen, Vereinstreffen etc. stattfänden, merkten sie, dass es praktisch sein könnte, sich impfen zu lassen, ergänzte Nüesch.

Bei den Bäuerinnen komme auch der Aspekt des Nebenerwerbs dazu, sagte Ursi Stäuble-Zimmermann, Vizepräsidentin des Bündner Bäuerinnen- und Landfrauenverbands. «Viel Bäuerinnen sind im Winter auf ihre Arbeit in der Tourismusbranche angewesen. Und es ist viel unkomplizierter, der nachzugehen, wenn man geimpft ist.»

Musiker Baschi und Ursi Stäuble-Zimmermann, Vizepräsidentin Bündner Bäuerinnen- und Landfrauenverband.
jul

«Das isch nüt»

Ob Ritter denn keine negativen Reaktionen von Bauern bekommen habe, wurde weiter gefragt. Er habe sich auf solche gefasst gemacht, sagte er. «Es kamen acht negative Reaktionen.» «Das isch nüt», sagte Stress. Dem stimmte Ritter zu: «Wir haben eine starke Gegenbewegung, aber die ist klein. Viele sind einfach passiv, aber die kann man abholen und das ist die Aufgabe von uns allen», so der Bauernpräsident.

Bundesrätin Karin Keller Sutter empfing die Prominenten aus der Musikszene und Markus Ritter im Impfzentrum Altstätten SG.
jul

Danach löste er die Runde auf. Sie mussten weiter zum Rathaus Altstätten, wo Bundesrätin Karin Keller-Sutter wartete, um den Promis und den Medienvertretern das örtliche Impfzentrum zu zeigen. Auf den Weg nach draussen, nahmen sich einige noch ein Sandwich oder ein Gipfeli vom reichgedeckten Tisch.

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28 Responses

  1. Die, die sich nicht impfen lassen, haben sich AKTIV informiert, dass das Risiko – Nutzen – Verhältnis völlig unausgewogen ist.
    Niemand als wir selber trägt die Last, wenn wir Schäden aus der Impfung davon tragen. BAG, Medien Politiker und Influencer wie Ritter und die Musiker sind entweder naiv, uninformiert, unverantwortlich und oder geschmiert, dass sie den Leuten eine unnütze, gefährliche Impfung andrehen.

  2. Beat: du hast dich AKTIV auf Verschwörungstheoretikerseiten informiert und bist in die Irre geleitet worden. Vor irgendwelchen Impfschäden (in 1, 2 oder mehr Jahren – was eine absolut blödsinnige Voraussage ist) in die Hosen machen aber die Wahrscheinlichkeit negieren, dass Corona schwerwiegender sein könnte als die Impfung. Informier dich mal wirklich, welche Wahrscheinlichkeiten (Impfschäden oder Coronaschäden) höher sind. Aber so wie ich das sehe, bist du in Statistik absolut inkompetent.

  3. Beat hat recht.
    Jonas darf schon bald das 3. Mal impfen.
    Die 4. 5. 6. 7. Impfungen werden folgen….

  4. „Im Stall sei für die meisten selbstverständlich, die Tiere vorbeugend gegen Viren zu impfen“ sagt Peter Nüesch, Präsident des St. Galler Bauernverbands. Diese Aussage erschreckt mich! Ist das Realität? Ist die Generation von Herr Nüesch mit ihrer Produktionsweise wirklich am Puls der Zeit?

    An Herrn Ritter: Wie lässt sich Ihre (un-)menschliche Impfprävention (aktuell: Gentherapie) mit biologischer Betriebsweise vereinbaren?

  5. «Viele sind zu passiv zum Impfen»
    Was für eine Frechheit. Wenn ich nicht mit dem Strom schwimme bin ich passiv? Nein es ist genau das Gegenteil. Die Ausgrenzung gegenüber den gesunden, ungeimpften ist Bodenlos.Wann wacht die Schweiz eigentlich auf? Nein zum Covidgesetz. Freiheit macht gesund und nicht die zunehmende Diktatur!

  6. Auch traurig und bedenklich dass sich Markus Ritter für diese Kampagne einspannen lies. Mit dem Wissen eines so versierten Biobauern.

  7. Es ist wie Nüesch sagt, im Stall und auf dem Feld spritzen und impfen die Bauern alles, und wollen immer die Neusten Impfstoffe und Spritzmittel! Die Landwirte wissen dass Schutzimpfungen wirken und sehr erfolgreich sind, aber selber impfen wollen sie nicht. Aus Angst vor dem Picks, aus Egoismus und Dummheit. Alle verlangen Solidarität mit den Bauern ,aber selber solidarisch sein mit der übrigen Wirtschaft- Tourismus- sicher nicht. Wer nicht impft ist egoistisch .

  8. Ist es nicht schlimm, dass die Solidarität erzwungen werden muss, und es den nicht geimpften völlig egal ist, dass durch ihr verhalten Menschen gegebenenfalls nicht ausreichend versorgt werden können, da die Notfallstationen mit ungeimpften völlig überlaufen. Die Inzidenz von geimpften und ungeimpften spricht da eine klare Sprache.

  9. Des weiteren hoffe ich mal, dass die Impfverweigerer hier im Forum zumindest alles mindestens Biobauern sind, so dass dann von ihnen sicher keine Gefahr zumindest für die Umwelt ausgeht. Sei das jetzt Tiere impfen oder chemische PSM. Oder wird das dann nicht mehr so eng gesehen?

  10. Ihr lieben kritischen Bauern: informiert euch mal bei euren Berufskollegen oder ihren Familien, über ihre Erfahrungen mit dem Corona-Virus und einem allfälligen Spitalaufenthalt auf der IPS. Es gibt eine grosse Anzahl, einige können euch nicht mehr antworten.

  11. Herr Bieri, bitte informieren sie sich bei einer Fachperson (Arzt) über die momentane Impfung. Ihre Vorstellung von Gentherapie bei der Coronaimpfung ist absolut falsch. Ihr Wissen sollte dringendst aktualisiert werden. Versuchen sie es mal mit ein paar Semestern Medizinstudium.

  12. zu Kommentar von Herr Furrer. Die Impfung ist sicher nicht gefährlicher als andere und von Gesundheitsfachleuten in aller Welt geprüft worden. Wieso die Chance nicht nützen, wenn wir den Stoff schon haben? – Wenn auch keine vollständige Garantie gegen einen Ausbruch der Krankheit, es wird sicher bei Impfung die Situation nicht verschlimmern, sondern eher verbessern. Hansruedi Hirschi, Wynigen

  13. Traurig und bedenklich finde ich, dass euch impfskeptischen Bauern wohl nicht bewusst ist, welchen Imageschaden ihr mit eurer Haltung und Nähe zu Verschwöhrungstheorien anrichtet. Gerade in Bezug zu den anstehenden kritischen Initiativen gegen die Landwirtschaft ist solches Verhalten nicht förderlich für die Anliegen von uns Bauern, es kann sich sogar verheerend auswirken

  14. Ich, 34.j damals sportlicher Jungbauer, bin vor über einem Jahr an Corona erkrankt. War 12 Tage an der Beatmung und brauchte fast fünf Wochen bis ich nur wieder ums Haus laufen konnte. Noch heute ist meine körperliche Leistungsfähigkeit sehr schlecht.
    Leider gabs damals den Piks damals noch nicht.
    Leute! bei Corona handelt es sich um eine Lungenkrankheit. Und die Lunge ist halt mal relativ wichtig. Seit nicht dumm lasst euch impfen.

  15. In Österreich wird teilweise schon über die Triage in Spitälern diskutiert, und in Bayern herrscht Katastrophenalarm wegen den massiv steigenden Zahlen. Bei uns wird es in näherer Zukunft auch 3G geben, Geimpft, Genesen oder Gestorben. Das erstere kann ich aktiv Handhaben und mich und andere schützen, bei den letzteren spiel ich Russisch Roulette.

  16. An alle Impfgegner.
    Es ist nicht die Frage ob ihr mit dem Virus angesteckt weder, sondern wann.
    Möglicherweise habt ihr dann eine leichte Grippe oder ihr landet auf der Intensivstation. Das weiss niemand wie schwer es ihn trifft.
    Bitte füllt schön eine Patientenverfügung aus, damit ihr nicht für die überfüllten Intensivstationen verantwortlich seid.

  17. Noldi, jeder hat sich schon angesteckt mit Covid-19. D.h. jeder hat Antikörper. Nur zeigen die sich nicht im Blut, weil eben keine Krankheitsgefahr besteht. Die Antikörper werden erst dann ins Blut ausgeschüttet, wenn wirklich ein Virus da ist.
    Praktisch alle haben Covid-19 bereits überstanden. Aber die neue Gefahr ist die Impfung: die verursacht eine Verschlechterung des Immunsystems, unerwünschte Nebenwirkungen und bei einer nächsten Grippewelle Krankheit.

  18. Und deswegen schnellen die Fallzahlen in die Höhe, weil jeder schon Corona überstanden hat?? Wäre vielleicht gut, wenn man den Text nochmals gut durchliest und auf seine Logik überprüft, bevor man ihn sendet.

  19. Ueli, die Fallzahlen bedeuten gar nichts. Warum wurde die Zahl der Intensivbetten um 40% reduziert, wenn wir doch eine „Pandemie“ haben? Es gibt jeden Herbst / Winter eine Grippewelle. Die Covid-Massnahmen verschlimmern die Welle nur noch. Denn Masken, Impfungen, Angst, Quarantäne, Druck verschlechtern das Immunsystem immens.

  20. Noch ein Erfahrungsbericht: Meine Tochter arbeitet auf einer Intensivstation. Gestern waren 3 Personen, die als „ungeimpft“ auf dem Patientenzettel deklariert wurden, auf der Intesivstation.
    1. Ist das ein Andrang? Wenn 3 Personen auf der Intensivstation einer mittelgrossen Stadt liegen (übrigens: es gibt pro 10’000 Einwohner EIN Intensivstationsplatz!)
    2. Was heisst „ungeimpft“? Darunter fallen auch Leute bis 14 Tage nach Erhalt der 2. Impfung!
    D.h. „ungeimpft“ kann auch „geimpft“ bedeuten.

  21. Man kann sich ja auch alles schönschreiben, damit es in den eigenen Kram passt. Die Wirklichkeit sieht leider anders aus. Du sagst es ja selber, ungeimpft auf der Intensivstation. Suche den Fehler.

  22. Richtig, Ueli, man kann alles schönschreiben.
    1. Wir wissen nicht, ob die als „ungeimpft“ deklarierten geimpft sind oder nicht. Die meisten Nebenwirkungen, die die Leute auf die Intensivstation bringen können finden in den ersten Tagen nach der Impfung statt. Also sicher innerhalb der 14 Tage nach der 2. Impfung.
    2. Balz Bruder, Chefredaktor der Solothurner Zeitung, 53-jährig, der immer FÜR die Covid-Massnahmen geschrieben hat, ist diesen Sommer plötzlich und unerwartet gestorben. Woran?

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