Donnerstag, 30. Juni 2022
17.06.2022 12:30
Agrarpolitik

«Vorbildliche Betriebe werden bestraft»

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Von: blu

Der Bundesrat hat im April diverse Änderungen in der Direktzahlungsverordnung beschlossen. An den zusätzlich geforderten 3,5% Biodiversitätsförderflächen (BFF) stört sich der Zürcher Bauernverband (ZBV). In einem offenen Brief an Agrarminister Guy Parmelin äussert der ZBV seine Kritik. Der Verband fordert Anpassungen.

Das Verordnungspaket, dass die Ausscheidung von Biodiversitätsförderfläche (BFF) auf Ackerflächen vorsieht, entstand aufgrund der parlamentarischen Initiative 19.475, die von der Kommission für Wirtschaft und Abgaben des Ständerates eingereicht worden war. In der Folge verabschiedete das Parlament im März 2021 das Bundesgesetz über die Verminderung der Risiken durch den Einsatz von Pestiziden.

SBV: 10’000 ha bestes Land aus Produktion

Der Biodiversität wird mehr Gewicht beigemessen. Sofern ein Betrieb mehr als 3 ha offene Ackerfläche in der Tal- und Hügelzone nutzt, müssen mindestens 3.5% der Ackerfläche als Biodiversitätsförderflächen bewirtschaftet werden. Diese Bestimmung tritt 2024 in Kraft. Das ist ein Jahr später als in der Vernehmlassung vorgeschlagen, begründet wird es mit dem Krieg in der Ukraine. 

Gar nicht einverstanden mit den Plänen des Bundesrats zu den BFF-Flächen auf Ackerland ist der Schweizer Bauernverband (SBV). «Es ist unverständlich, dass über die zwingende Ausscheidung von 3.5% Biodiversitätsförderfläche (BFF) auf dem Ackerland rund 10’000 ha bestes Ackerland aus der Lebensmittelproduktion genommen werden obwohl bereits 19% der landwirtschaftlichen Nutzfläche als BFF bewirtschaftet werden», sagte der SBV Anfang Mai.

ZBV: Leistungen anrechnen

Die reiche Schweiz könne sich auf den internationalen Märkten bedienen. «Doch auch unser Land sollte seine Verantwortung im internationalen Ernährungssystem wahrnehmen», so der Verband weiter. Dazu gehöre eine angemessene inländische Lebensmittelproduktion.

Auch der Zürcher Bauernverband (ZBV) ist mit dem Beschluss des Bundesrats nicht einverstanden. In einem offenen Brief tut er seine Kritik kund. Bestraft würden jene Bauern, die bereits freiwillige Massnahmen ergriffen hätten. Der ZBV fordert den Bundesrat auf, dass sämtliche Leistungen zugunsten der Biodiversität angerechnet werden.

Offener Brief

«Im Artikel 14a DZV werden neu 3,5% Biodiversitätsförderflächen (BFF) auf Ackerflächen gefordert. Im Zusammenhang mit der aktuellen globalen Ernährungssituation ist es schwer nachvollziehbar, dass unsere besten Produktionsflächen reduziert werden sollen, auch wenn diese Änderung wegen des Krieges in der Ukraine erst 2024 in Kraft tritt. Damit werden künftig rund 14‘000 ha bestes Ackerland teilweise oder ganz der  Produktion entzogen – diese Fläche entspricht in etwa 100‘000 Tonnen Brotgetreide. Dies entspricht dem Pro-Kopf-Konsum von 1.05 Mio. Einwohnern. Die durch die Weitsaat entstehende Ertragsreduktion ist in den vorherigen Zahlen berücksichtigt.

Aus ökologischer Sicht birgt dieser Artikel zudem die grosse Gefahr, dass bestehende BFF kurzfristig zerstört werden. Warum: Verschiedene Landwirtschaftsbetriebe haben in der Vergangenheit auf freiwilliger Basis auf ihren Ackerflächen zusätzliche BFF angelegt. Diese Flächen sind per 2023 nicht mehr als Ackerflächen ausgeschieden und fallen für die Berechnung der geforderten 3,5% BFF weg. Vorbildliche Betriebe, die freiwillig ökologische Massnahmen umgesetzt haben, werden nun mit einer weiteren Reduktion der produktiven Fläche bestraft.

Um dies zu verhindern, kommen die Betriebe in Versuchung die bestehenden BFF dieses Jahr umzupflügen, damit sie 2023 auf der ursprünglichen Flächenbasis die 3,5% BFF neu berechnen können. Damit würden wertvolle, etablierte Lebensräume sinnlos zerstört. Das kann nicht der Zweck dieses Artikels sein! Wir stören uns daran, dass so ein weiteres Mal die Freiwilligkeit bestraft wird. Es braucht dringend einen Dogmenwechsel, damit das freiwillige Engagement nicht bestraft, sondern belohnt wird. Nur so erscheint uns eine vertrauensvolle und konstruktive Zusammenarbeit möglich.

Wir fordern deshalb, dass bei der Berechnung der 3,5% BFF auf der Ackerfläche sämtliche Leistungen zu Gunsten der Biodiversität auf den Fruchtfolgeflächen (FFF) der Betriebe angerechnet werden. Damit werden alle heute bestehenden ökologischen Elemente bei der künftigen Berechnung berücksichtigt und laufen nicht Gefahr zerstört zu werden.»

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6 Responses

  1. Die reiche schweiz kann es sich Leisten haben nicht alle solche Löhne wie die Bundesangestellten Da wird Butter 1000 Tonnen alle 2-3 Monate Importiert plus 60000 Tonnen Getreide wir können es uns Ja Leisten hoffentlich fällt Ihr nicht mal so richtig auf die Schnauze !!

  2. Es wäre besser angebracht die unnötigen zubetonierten und asphaltierten Flächen aufzubechen und dort Biodiversität aufzubauen. Es gibt viele Möglichkeiten dies umzusetzen, grosse Vorplätze bei öffentlichen Gebäuden und Anlagen. Das Regenwasser könnte auch etwas versickern.

    1. Das ist eine gute Idee!
      Vor allem ist diese Fläche schon seit längerem unproduktiv und Biodiversität ist eine Analogie zu laisser faire oder „Unproduktivität“ oder Unkrautschleudern!

  3. Es wäre auch höchste Zeit jagd auf alle Rasenroboter zu machen und auf diesen Flächen Biodiversität zu verordnen. Diese unnötige Sterilität um sehr viele Liegenschaften sollte sofort beendet werden.

  4. Es stellt sich die Frage, was man heute unter einem vorbildlichen Betrieb versteht.
    Ist es der Betrieb, auf dem der Betriebsleiter, im Vollerwerb, mit Herzblut, landwirtschaftliche Erzeugnisse produziert
    — oder ist es der Betrieb, der durch einen Bundesangestellten , im Nebenerwerb, mit 50% Biodiversitätsfläche, angeblich biologisch geführt wird. Das Schnittgut, wird einmal im Jahr, durch den Lohnunternehmer abgeführt.
    Totale Verunkrautung. Wo ist da die Kontrollorganisation

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