Sonntag, 18. April 2021
31.03.2021 11:10
Bund

Wolf: Weniger Risse für Abschuss

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Von: blu

Im September 2020 wurde die Jagdgesetzrevision vom Stimmvolk abgelehnt. Nun hat der Bund die Revision der Jagdverordnung eröffnet. Künftig soll es möglich sein, bei Konflikten mit Nutztieren rascher Wolfsbestände eingreifen zu können. Die Anzahl gerissener Nutztiere wird gesenkt.

In den vergangenen Wochen und Monaten kam es immer wieder zu Konflikten zwischen Nutztierhaltern und Wölfen, vor allem in den Kantonen Graubünden und Bern. Die Zahl der Wölfe und der Rudel in der Schweiz steigt kontinuierlich an. Ende Februar 2021 lebten nach Angaben des Bundes rund 110 Wölfe in der Schweiz, und es gab 11 Rudel.

Der Bundesrat hat am 31. März 2021 die Vernehmlassung zur Revision der Jagdverordnung eröffnet. Mit der revidierten Verordnung erfüllt er zwei Motionen des Parlaments. Diese verlangten, dass nach der Ablehnung der Jagdgesetzrevision durch die Stimmbevölkerung im September 2020 die Verordnung im Rahmen des geltenden Gesetzes anzupassen ist.

Der Bundesrat will mit der Revision ermöglichen, dass Kantone künftig bei Wolfsrudeln und Einzelwölfen rascher eingreifen kann. Mit der Verordnungsanpassung soll auch der Herdenschutz gestärkt werden. «So soll das Nebeneinander von Menschen, Wölfen und Nutztieren möglich bleiben», schreibt der Bundesrat.

Rudel: Künftig sollen 10 Risse ausreichen

Der Eingriff bei Wolfsrudeln soll erleichtert werden. Heute wird erst reguliert, wenn 15 Nutztiere gerissen worden sind. Neu sollen 10 gerissene Schafe oder Ziegen genügen. Risse dürfen wie bisher nur angerechnet werden, wenn die Bauern die zumutbaren Herdenschutzmassnahmen ergriffen haben (Umzäunung der Herden oder Schutzhunde). Bei grossen Nutztieren wie Rindern, Pferden, Lamas und Alpakas wird die Schadenschwelle nun präzisiert: neu sollen drei Risse ausreichen, damit in ein Rudel eingegriffen werden kann. 

Es ist auch eine Verschärfung vorgesehen. Bisher galt, dass auch Wölfe älter als 1 Jahr geschossen werden konnten, wobei die Elterntiere jedoch zu schonen waren. Um zu verhindern, dass die das Rudel führenden und die Jungtiere mit Nahrung versorgenden Elterntiere geschossen werden, wird der Elterntierschutz neu strenger geregelt. Künftig ist der Abschuss von Wölfen, die älter als 1 Jahr sind, nicht mehr zulässig, heisst es im Bericht zur Revision. «Da es im Rudelverband vor allem die Elterntiere sind, die das Rudel mit Futter versorgen, kann mit dieser Regelung im Sinne des Tierschutzes verhindert werden, dass abhängige Jungtiere verwaisen», heisst es weiter.

Ende Februar 2021 lebten nach Angaben des Bundes rund 110 Wölfe in der Schweiz, und es gab 11 Rudel.
Marcel Langthim

Einzelwölfe: 10, 15 oder 25 Risse

Auch beim Abschuss von Einzelwölfen, die Schaden anrichten, wird die Schwelle um einen Drittel von bisher 15 auf 10 gerissene Schafe und Ziegen gesenkt, wenn zuvor Herdenschutzmassnahmen ergriffen worden sind. Bei Rindern, Pferden, Lamas und Alpakas sind neu ebenfalls nur drei Risse nötig, damit ein Kanton den Abschuss verfügen kann.

Für Gebiete, wo Wölfe bislang keine Schäden an Nutztierbeständen angerichtet haben, liegt die Schadenschwelle neu bei 15 Nutztieren (bisher 25) in einem Monat oder 25 Nutztieren in vier Monaten (bisher 35). Dabei können auch solche Nutztierrisse angerechnet werden, die nicht durch zumutbare Herdenschutzmassnahmen geschützt waren. «Allerdings gilt im Falle einer langsam sich aufbauenden Schadensituation, dass der Kanton die Tierhalter im Sinne einer Sofortmassnahme über die zumutbaren Schutzmassnahmen informiert und bei Bedarf auch individuell beraten haben muss», heisst es im Bericht. ist die Machbarkeit gegeben, muss der Kanton das Ergreifen von entsprechenden Sofortmassnahmen (z.B. elektrische Verstärken von Metallgitterzäunen) voraussetzen, damit allfällige Schäden angerechnet werden können.

Naturschützer wollen Vorschlag prüfen
Die Umweltorganisationen Pro Natura, Bird Life Schweiz, Gruppe Wolf Schweiz und WWF Schweiz teilten in einer ersten Stellungnahme mit, man werde die Vorschläge des Bundesrats genau prüfen. Das entscheidende Standbein beim Umgang mit dem Wolf sei der Herdenschutz. Diesem Umstand müsse die Revision Rechnung tragen.

Enttäuscht sei man, dass der Bundesrat darauf verzichtete, gleichzeitig mit der Jagdverordnung auch das Jagd- und Schutzgesetz (JSG) zu revidieren. Mit einer solchen Revision hätte der Schutz von bedrohten Tierarten und Wildtieren verbessert werden können, heisst es weiter in der Mitteilung.

Herdenschutz

Schliesslich wird mit der Verordnungsanpassung der Herdenschutz gestärkt. Der Schutz der Herden bleibt wie bisher Sache der Bäuerinnen und Bauern. Die Palette der vom Bund unterstützten Massnahmen wird aber erweitert, die Entschädigung für spezifische Massnahmen der Kantone erhöht. Neu wird die Höhe der Kostenbeteiligung des Bundes bei Massnahmen generell mit einem Beitragssatz von maximal 80% festgelegt. Darunter fallen die Zucht, Ausbildung, Haltung und Einsatz von Herdenschutzhunden, die elektrische Verstärkung von Weidezäunen zum Schutz vor Grossraubtieren sowie  Elektrozäune zum Schutz von Bienenstöcken vor Bären.

Der Bund kann sich zu 50 Prozent an den Kosten folgender Tätigkeiten der Kantone beteiligen: regionale Schaf- und Ziegenalpplanung als Grundlage des Herdenschutzes, Planung zur Entflechtung der Wanderwege vom Einsatzgebiet von offiziellen Herdenschutzhunden und Planung der Verhütung von Konflikten mit Bären.

Die Vernehmlassung für die Änderungen in der Jagdverordnung dauert bis am 5. Mai 2021. Sie soll am 15. Juli 2021 in Kraft treten. Die angepasste Verordnung wahrt das Resultat der Volksabstimmung über das revidierte Jagdgesetz. «Sie sieht keine präventive Regulierung von Wölfen vor. Die Kompetenzen für Eingriffe in Rudel bleiben beim Bund», schreibt der Bundesrat. 

Motionen verlangten Revision der Jagdverordnung

Die wachsende Verbreitung des Wolfs kann zu Konflikten zwischen Grossraubtieren und der Nutztierhaltung führen, insbesondere im Berggebiet. Im März 2021 überwies das Parlament zwei gleichlautende Motionen, welche von den Umweltkommissionen des Nationalrats und des Ständerats (UREK-NR 20.4340, UREK-SR 21.3002) ohne Gegenstimme eingereicht worden waren. Die Motionen beauftragten den Bundesrat, im Rahmen des bestehenden Gesetzes die Jagdverordnung anzupassen, um ein Nebeneinander zwischen Menschen, Grossraubtieren und Nutztieren zu ermöglichen.


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5 Responses

  1. Es gibt eine viel einfacher Methode, damit der Wolf weniger Schafe reisst: Die Schafhaltung nicht mehr subventionieren!
    Wetten dass so beinahe keine Schafe mehr unbeaufsichtigt im Alpenraum mehr herumwandern!

  2. In ein zwei Jahren werden die Wölfe in den Städten auch heimisch werden wie die Füchse, nur die Wölfe werden sich mit Mäusen nicht satt werden wie die Füchse. Und wie ist es wenn es dunkel ist, wer getraut sich noch nach draussen mit einem guten Gefühl (zum nach denken wie es uns geht)

  3. Die Schafe sind ein wichtiges Element in unserer Kulturlandschaft. Darum muss man die bestehenden Kulturen schützen. Jetzt geht es darum, dem Wolf einen Platz zu geben und zwar so, dass es für alle einhergeht.
    PS: An manchen Orten in diesem Land ist es auch ohne Wolf gefählich, wenn man nachts alleine auf der Strasse ist. Und bei uns ist es doch noch relativ sicher.

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