Samstag, 27. Februar 2021
13.01.2015 10:50
Junglandwirte

«Auch kleine Betriebe können wirtschaftlich sein»

Share on print
Share on email
Share on facebook
Share on twitter
Von: Alexandra Schröder

Peter Steiner ist Jungbauer aus dem Thurgau, bewirtschaftet einen Milchviehbetrieb und ist Mitglied der Junglandwirte-Kommission. Er empfiehlt allen Landwirten, mit Weiterbildungen am Ball zu bleiben.

«Schweizer Bauer»: Sind Sie mit Ihrer Berufswahl zufrieden?
Peter Steiner: Ich bin sehr zufrieden mit meiner Tätigkeit auf dem Betrieb und im Büro. Als gelernter Landwirt hat man viele Möglichkeiten. Wie ich arbeiten einige nach der Lehre auch in anderen Bereichen als der Landwirtschaft. Ich finde es wichtig, dass man auch nach der Lehre, bevor man einen eigenen Betrieb übernimmt, in verschiedenen Betrieben Erfahrungen sammelt. Davon kann man dann zu Hause profitieren.

Wieso haben Sie den Beruf Landwirt gewählt?
Ich wollte etwas mit den Händen machen. Da meine drei Schwestern keine landwirtschaftliche Ausbildung machen wollten, war es klar, dass ich den Betrieb weiterführen werde.

Sind Sie mit dem Lehrgang zufrieden?
Ich war im ersten Jahrgang, der auf dem Arenenberg das neue lineare Modell geniessen durfte. Das Prinzip dieses Modells ist, wie bei jeder anderen Lehre, dass man einmal die Woche in die Berufsschule geht und im Winter noch einige Blockkurse besucht. Das hat mir sehr gefallen. Vor allem, weil man so eine gute Abwechslung von Schule und Arbeit hat, was von mir aus besser ist als beim progressiven Modell. Dort geht man im dritten Lehrjahr viel häufiger in die Schule.

Haben Sie während der Lehre alles mitbekommen, was Sie als Landwirt brauchen?
Die Lehre war ein guter Grundstein. Nach dieser Ausbildung habe ich dann die Handelsschule und im Anschluss die landwirtschaftliche Meisterprüfung absolviert. Das war für mich die Gelegenheit, die Betriebszweige, die mich interessieren und die ich für meinen Beruf brauche, schulisch zu vertiefen. Ich finde, dass Weiterbildungen etwas sehr Wichtiges sind! Ich würde jedem empfehlen, sich als Landwirt weiterzubilden, Kurse zu machen und Tagungen zu besuchen.

Sie haben vor zwei Jahren den Betrieb von Ihren Eltern übernommen. Wie sieht Ihr Betrieb in Zukunft aus?
Als 1950 mein Grossvater den Betrieb gekauft hat, umfasste er 6 Hektaren. Seither ist er kontinuierlich gewachsen. Er wird sicher auch in Zukunft wachsen. Momentan bin ich zufrieden mit dem Betrieb, und ich habe keine Änderungen geplant. Mit den Angestellten, meinen Eltern, habe ich auch die Möglichkeit, in die Ferien zu gehen und bin flexibler.

Immer mehr Kulturland geht verloren. Was sagen Sie dazu?
Ich finde es beängstigend, wie viel überbaut wird. Vor allem um die Städte herum werden die schönsten Flächen verbaut. Da sind gerade die Gemeinden gefragt, dass sie massvoll einzonen. Um das Problem zu lösen, soll man vor allem mehrgeschossig bauen.

Bei den Direktzahlungen wird der Schwerpunkt auf die Ökologie gesetzt. Wie sehen Sie diese Entwicklung?
Ich finde es schade, dass man dort, wo man bestes Ackerbauland hat, die Ökowiesen und Buntbrachen fördert, statt Nahrungsmittel zu produzieren. Das ist nicht nachhaltig, da bei uns das Klima ideal ist und man etwas daraus machen soll. Wenn man nicht hier produziert, müssen die Nahrungsmittel an einem anderen Ort produziert werden, und dort interessiert die Ökologie niemanden mehr. Ich denke, ÖLN ist hier in der Schweiz richtig. Auch die 7 Prozent Ökoausgleich haben ihren Platz auf dem Betrieb, das reicht aber auch, denn im Tal soll man produzieren!

Es gibt immer weniger, dafür immer grössere Betriebe. Ist diese Entwicklung gut?
Als Betriebsleiter soll man nicht das Gefühl haben, Wachsen sei das wichtigste. Grosse Betriebe sind nicht immer effizienter. Grössere Betriebe haben meist auch überproportional höhere Strukturkosten, und damit ist viel vom Mehrertrag auch wieder weg. Man soll sich gut überlegen, was man braucht und womit man zufrieden ist. Auch kleine Betriebe können wirtschaftlich sein.

Betriebsspiegel

Peter Steiner bewirtschaftet in Hosenruck TG 20 ha Land, wovon das meiste Grünland ist. Auch etwas Mais und Gerste werden angebaut. Den Betrieb hat Steiner im Jahr 2013 von seinen Eltern übernommen. Zurzeit sind noch seine Eltern auf dem Betrieb angestellt, denn Steiner arbeitet 70 Prozent in einem Treuhandbüro. Der Hauptbetriebszweig ist die Milchviehwirtschaft mit 27 Milchkühen und Aufzucht. Die Milch wird zu Appenzeller verkäst. Zum Betrieb gehören auch über 200 Hochstamm-Obstbäume für die Mostherstellung und Bienen. Der grösste Teil des Strombedarfs wird mittels Solarzellen auf dem Scheunendach selber abgedeckt. asc

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

SCHWEIZER BAUER

DER SCHWEIZER BAUER AUF YOUTUBE