Samstag, 16. Januar 2021
25.07.2014 08:43
Milchfreihandel

Die Widersprüche des Grünlandbeitrags

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Von: Daniel Salzmann

Effizient und gross sollen die Milchbetriebe sein, sagt der Bund. Den EU-Milchfreihandel will der Bundesrat allerdings so abfedern, dass gerade die Betriebe am meisten verlieren, die heute mit tiefen Kosten produzieren.

«Verbesserung der langfristigen Wettbewerbsfähigkeit.» Dies bezeichnet der Bundesrat in der Botschaft zur AP 14–17 wiederholt als Ziel seiner Agrarpolitik. Der gleiche Bundesrat verabschiedete im Mai einen Bericht zu einer sektoriellen Marktöffnung mit der EU für alle Milchprodukte. Darin bewerten der Bundesrat beziehungsweise die Beamten im Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) und im Bundesamt für Landwirtschaft (BLW) diesen Schritt als positiv. Als Kompensation bevorzugen sie einen zusätzlichen Grünlandbeitrag Milch von 800 Fr./ha Grünland.

Weg von EU-Kosten

Therese Haller von der Hochschule für Agrar-, Forst- und Lebensmittelwissenschaften (Hafl) stellt dazu hingegen fest: «Wenn man die Produktionskosten in Richtung EU senken möchte, ist die Kompensation über den Grünlandbeitrag sicher der falsche Weg.»

Laut einer Hafl-Studie hätte der Ausstieg der produktivsten Betriebe zur Folge, dass sich die durchschnittlichen Kosten in der Schweizer Milchproduktion vom europäischen Kostenniveau entfernen würden, statt sich diesem anzunähern. In Auftrag gegeben haben die Studie die Schweizer Milchproduzenten (SMP). Diese legen Wert darauf, dass die Studie unabhängig und wissenschaftlich sei.  

Gut für Bergzone IV

Die Hafl präsentierte am Freitag vergangener Woche ein Beispiel eines Biobetriebes in der Bergzone IV mit 250 Tonnen Milch pro Jahr, ca. 4’500 Kilogramm pro Kuh und Jahr und ungefähr 3’300 Kilogramm pro Hektare Hauptfutterfläche. Bei einem zusätzlichen Grünlandbeitrag in der Höhe von 800 Fr./ha  würde das landwirtschaftliche Einkommen des Betriebes in Zukunft 20% höher liegen. sal

Effiziente verlieren

Die Hafl argumentiert in zwei Schritten. Erstens würden bei allen Szenarien des Bundesrates zur Kompensation jene Produzenten die höchsten Einkommensverluste erleiden, die auf die Milchproduktion spezialisiert sind und grosse Mengen produzieren. Es seien dies Betriebe, die bisherige Liberalisierungsschritte zu nutzen gewusst hätten, die ihre Produktion optimiert und ihre Kosten gesenkt hätten.

Deren Betriebsleiter hätten hohe Ansprüche an die Rentabilität des Betriebszweigs, und es sei zu erwarten, dass sie sich im Fall starker Preissenkungen ökonomisch verhalten würden. Zweitens wäre als Kompensation laut der Hafl eine Zahlung von 9 Rp./kg (Szenario 1) zwar nicht ausreichend, aber effizienter als ein zusätzlicher Grünlandbeitrag (Szenario 2). Denn in Szenario 1 könnten die Milchproduzenten proportional zu den Einkommensausfällen profitieren, und auch die Verarbeitung, insbesondere die gewerblichen Käsereien, hätte etwas davon. 

Ein Grünlandbeitrag von 800 Fr./ha hätte hingegen eine Einkommensumverteilung weg von den Betrieben mit hohen hin zu denjenigen mit tieferen Flächenproduktivitäten. «Verhalten sich die Betriebsleiter ökonomisch, so hat dies eine Verlagerung der Produktion auf Betriebe mit kleineren Milchmengen pro Hektar Grünland und in weniger produktive Regionen zur Folge», so die Hafl.

Wäre dann Sozialpolitik

Die höheren Bergzonen würden von Begleitmassnahmen gemäss Szenario 2 stark profitieren (siehe Kasten), selbst bei abgestuften Beiträgen fürs Berggebiet, schreiben die Hafl-Autoren. Im Berggebiet würden die landwirtschaftlichen Einkommen im Schnitt steigen, in der Tal- und Hügelzone abnehmen.

«Aus sozialpolitischer Sicht könnte eine solche Umverteilung sinnvoll sein, aus agrarpolitischer Sicht wäre sie nicht sinnvoll», so die Hafl. Denn Betriebe im Berggebiet hingen schon heute stark von Direktzahlungen ab. Diese aber könnten jährlich gekürzt werden, sodass eine Investition in den Betriebszweig Milch laut der Hafl mit allzu grossen Risiken verbunden wäre.

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