Mittwoch, 29. Juni 2022
10.05.2022 18:30
Ernährung

«Ernährungssicherheit mit mehr Umweltschutz»

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Von: blu

Der Krieg in der Ukraine bringt das globale Ernährungssystem durcheinander. Der Syngenta-Chef hat angesichts einer drohenden Nahrungskrise eine Abkehr vom Biolandbau gefordert. Für Bio Suisse hingegen ist klar: Versorgungssicherheit und Nachhaltigkeit gibt es nur gemeinsam.

Das Interview von Erik Fyrwald in der «NZZ am Sonntag» schlug hohe Wellen. Die Erträge im Biolandbau könnten je nach Produkt um bis zu 50 Prozent tiefer ausfallen, sagte der 62-jährige US-Manager des Basler Konzers. «Die indirekte Folge ist, dass Menschen in Afrika hungern, weil wir immer mehr Bioprodukte essen», führte er weiter aus.

«Bio schadet Klima»

Der Biolandbau fördere den Landverbrauch, weil er grössere Flächen benötige, sagte Fyrwald weiter. Bio schade auch dem Klima, weil die Äcker in der Regel gepflügt würden, was den CO2-Ausstoss erhöhe. Und in der Biolandwirtschaft würden auch Pestizide im grossen Stil eingesetzt. «Sie sind allerdings weniger effizient. Im Bioweinbau wird gegen Pilzbefall Kupfer eingesetzt, ein Schwermetall», so der Syngenta-Chef.

Die Leute sollen nach Ansicht von Fyrwald biologisch produzierte Produkte kaufen dürfen, wenn sie dies wollten, aber die Regierungen sollten darauf pochen, dass die Ertragsverluste nicht derart gross sind. Die EU-Landwirtschaftspolitik strebt demnach einen Bioanteil von 25 Prozent an. In der Schweiz beträgt der Marktanteil 11 Prozent. Das Ziel gelte es aber kritisch zu überprüfen, machte der Manager deutlich. «Menschen in Afrika wird Nahrung weggenommen, weil wir Bioprodukte wollen und unsere Regierungen die Biolandwirtschaft unterstützen», kritisiert der in Basel lebende Fyrwald.

«Biolandbau häufig profitabler»

Bio Suisse zeigte sich über die Äusserungen des Syngenta-Chefs wenig erfreut. «Derzeit werden genügend Lebensmittel für die ganze Weltbevölkerung produziert», schreibt die Organisation am Dienstag in einer Mitteilung. Um die Probleme zu lösen, brauche es kluge Lösungen. «Der Biolandbau ist eine davon», schreibt Bio Suisse. Internationale Forschungsprojekte zeigten, dass der Biolandbau in ärmeren Gebieten oft mindestens ebenso hohe Hektar-Erträge liefere wie der konventionelle. Er sei häufig sogar profitabler.

Bio Suisse ortet die Probleme bei der Ernährungssicherheit bei der fehlenden Kaufkraft, bei der Lebensmittelverschwendung, bei der Herstellung von Agrotreibstoffen auf Nahrungsmitteln und der Fütterung von Mais, Getreide oder Soja an Nutztiere. «Keine Produktion auf Kosten von Mensch, Tier und Umwelt», fordert deshalb Bio Suisse. Versorgungssicherheit und Nachhaltigkeit gebe es nur gemeinsam. Bio Suisse listet Punkte auf, wie die Ernährungssicherheit gesteigert werden kann:

  • Mehr Ernährungssicherheit und Resilienz dank nachhaltigen Systemen. Der Biolandbau arbeitet mit der Natur, schont die Ressourcen und ist enkeltauglich. 
  • Leistung ist messbar. Bio leistet einen wesentlichen Beitrag für Ernährungssicherheit, Gesundheit von Menschen, Tier und Böden, Wasserqualität, Biodiversität und Klimaschutz. 
  • Konsumenten mitnehmen. Entscheidend für den ökologischen Fussabdruck ist der Konsum tierischer Produkte und der Food Waste. Die Lösung heisst Ressourceneffizienz: Reduktion der Verschwendung (Stop Food Waste), mehr Pflanzenproduktion für den Menschen (Feed no Food), weniger, dafür nachhaltig produzierte tierische Produkte und deren vollständige Verwertung (From Nose to Tail).
  • Grenzüberschreitender nachhaltiger Handel. Ernährungssicherheit gibt es nur mit verlässlichen, nachhaltigen Handelsbeziehungen. Dies zeigt sich überdeutlich im Ukraine-Konflikt. Daran ist zu arbeiten.
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3 Responses

  1. Guter Journalismus zeichnet sich auch aus, solche Aussagen nicht zu veröffentlichen. Die Zeitungen sind leider auch auf die Einnahmen von den Inseraten abhängig.

    1. Du meinst man müsste solche Aussagen zensurieren und das wäre dann guter Journalismus?
      Sowas wäre absolut nicht ausgewogen. Das ist, wie wenn z. B. keine Bilder von den Wolfsrissen in der Tagespresse gezeigt werden. Guter Journalismus ist objektiv, und nicht auf deine subjektive Meinung zugeschnitten.

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