Sonntag, 18. April 2021
28.03.2021 17:13
Abstimmung 

«Fieser Kuhhandel des Grossbauernverbands»

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Von: sal

Biobauer und Nationalrat Kilian Baumann stellte an der Delegiertenversammlung der Grünen Partei die 3x-Ja-Kampagne für die Abstimmung vom 13. Juni vor: Ja zum CO2-Gesetz, Ja zur Pestizidinitiative, Ja zur Trinkwasser-Initiative. Dass die AP 22+ sistiert worden sei, gehe auf einen «fiesen Kuhhandel zwischen Economiesuisse und dem Grossbauernverband» zurück, so Baumann.

An der virtuell durchgeführten Delegiertenversammlung der Grünen stellte Kilian Baumann die 3x-Ja-Kampagne der Grünen vor und äusserte sich zu den zwei Agrarinitiativen. Die Ja-Parolen zu den Agrar-Initiativen hatte die Partei schon im vergangenen Oktober gefasst.  «Das sind drei Abstimmungen zu absoluten Kernthemen unserer Partei. Es versteht sich von selbst, dass wir einen sehr engagierten, sichtbaren Abstimmungskampf in der ganzen Schweiz führen müssen und auch werden. Die Klima- und die Biodiversitätskrise sind die grössten Herausforderungen unserer Zeit, es braucht ein generelles Ja für Klima, Umwelt und Biodiversität», so Baumann.

Schweizer Bauernverband als «Grossbauernverband» bezeichnet

Dann kam er gleich auf das Reformpaket AP 22+ zu sprechen. Baumann sagte: «Wie ihr wisst, ist die Agrarreform vom Parlament sistiert worden mit einem fiesen Kuhhandel zwischen Economiesuisse und dem Grossbauernverband wurde die Reform im Parlament auf Eis gelegt. Die als informeller Gegenvorschlag präsentierte parlamentarische Initiative ist viel zu zahnlos, um die anstehenden Probleme zu lösen, und wurde verwässert.»

Mit dem Grossbauernverband meint Baumann den Schweizer Bauernverband. Er selbst ist Vorstandsmitglied und designierter Präsident der Kleinbauern-Vereinigung, der bereits sein Vater Ruedi Baumann vorgestanden hat. Baumann sagte, nun seien die Initiativen umso wichtiger, damit das Parlament sich agrarpolitisch die Arbeit wieder aufnehmen könne.

«Trinkwasserverschmutzung in einigen Regionen ist extrem»

Baumann nahm die Bezeichnung «extrem» für die Initiativen, welche die Allianz rund um den Schweizer Bauernverband für die zwei Vorhaben brauchen. «Die Initiativen sind nicht extrem, wie das von den Gegnern behauptet wird, sondern dringend nötig. Extrem sind höchstens die Trinkwasserverschmutzung in einigen Regionen im Mittelland und die massiv gestiegenen Futtermittelimporte aus Südamerika», so der Biobauer aus Suberg, der seine Rinder ausschliesslich mit betriebseigenem Raufutter füttert, wie er auf seiner Website schreibt.

«Agrochemiekonzerne finanzieren Fake-News-Kampagne»

Baumann appellierte an die Delegierten der Grünen Partei: «Lasst euch nicht von der Angstmacher- und Fakenews-Kampagne der Initiativgegner einschüchtern. Finanziert durch die Agrochemiekonzerne, werden jetzt im ganzen Land Plakate aufgehängt und sehr viel Werbung gegen die Initiativen publiziert, auch in den Sozialen Medien und so weiter. Wir halten dagegen.» Dazu ist zu sagen, dass die Allianz rund um den Schweizer Bauernverband – nachdem der «Schweizer Bauer» die Diskussino darüber öffentlich gemacht hatte – schon vor einiger Zeit beschloss, kein Geld der Herstellerfirmen der chemisch-synthetischen Pflanzenschutzmittel anzunehmen für ihre Kampagne. Deshalb machen die Firmen Bayer und Syngenta eine eigene Kampagne unter dem Label «Swiss Food».

«Auch Agroscope will pestizidfreie Landwirtschaft»  

Auch die Wissenschaft ist laut Baumann bereit, den Weg einer pestizidfreien Landwirtschaft einzuschlagen. «So hat sich auch die landwirtschaftliche Forschungsstelle des Bundes das Ziel einer pestizidfreien Landwirtschaft gesetzt. Gemeinsam mit 20 landwirtschaftlichen Forschungsstellen in Europa hat Agroscope ein Memorandum unterzeichnet, das Ziel ist eine europäische Landwirtschaft ohne synthetische Pestizide. Und genau dieses Ziel möchten auch die Initiativen erreichen, mit einer Übergangsfrist von acht bis zehn Jahren», führte Baumann aus. Möglicherweise würde es auch länger gehen mit dem parlamentarischen Prozess, aber das Ziel wäre klar, so Baumann. «Wichtig ist auch, die beiden Initiativen nicht gegeneinander auszuspielen. Beide Initiativen sind nötig und ergänzen sich und würden die nötigen Reformen auslösen.»

«Versorgung mit sauberem Trinkwasser gefährdet»

Kilian Baumann sagte weiter: «Jetzt wird ja behauptet, die Versorgungssicherheit der Schweiz sei mit den beiden Initiativen gefährdet. Das Einzige, das momentan in einigen Regionen gefährdet ist, ist die Versorgungssicherheit mit sauberem Trinkwasser.» Weiter werde auch versucht, Biobäuerinnen und Biobauern gegen die Initiativen einzusetzen, weil einige Biobauern die Trinkwasser-Initiative nicht unterstützten. An dieser Stelle wies Baumann darauf hin, dass Bio Suisse mit grosser Mehrheit die Ja-Parole zur Pestizidinitiative beschlossen habe. «Und auch die Kleinbauern-Vereinigung unterstützt die Pestizidinitiativen mit einer eigenen Kampagne», so Baumann weiter. Bei den Grünen könne man Flyer und Bio-Baumwolltaschen für die 3x-Ja-Kampagne bestellen, und die Partei werde auch zwei Online-Podien organisieren.

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20 Responses

  1. Kaum zu glauben, dass man so seine Berufskollegen verraten kann.Man könnte glauben das wir Bauern keine Sorge zur Umwelt tragen und alles vergiften wollen. Im gegenteil wir geben unser bestens und verbessern uns stetig oder will jemand das gegenteil behaupten?

  2. Die Haltung von Herr Baumann kennt man seit Jahren. Das überrascht mich nicht! Aber was ich nicht verstehe ist die Haltung der Kleinbauernvereinigung. Das sind die ersten die verschwinden werden!

    1. Schau doch mal den VKMB genauer an. https://kleinbauern.ch/verein/ Die tatsächlich aktiven Kleinbauern sind nur noch Deckmantel einer weiteren „Anti-Bauernorganisation“ , die mit ihrer praxisfremden Lobbyarbeit weit mehr für die Sistierung der AP22+ etc verantwortlich ist, als bisher bekannt ist.

      1. Im Leitbild des VKMB, wo Baumann im Vorstand ist, steht unter anderem: „Sie strebt die Versorgung der Bevölkerung mit möglichst ökologisch, fair und regional produzierten Lebensmitteln an.“
        1. Versorgung der Bevölkerung wird durch TWI und PI gefährdet (Abhängigkeit vom Ausland erhöht.
        2. ökologisch: (= Haushalts-Logik), beinhaltet nicht nur „die Natur“ und die „Umwelt“, sondern vor allem den Menschen, dezentrale Besiedelung, seine Finanzen, sein Arbeitsplatz: durch Regulierungen gefährdet.

      2. 3. fair und regional: in ausreichender Menge nur möglich, wenn auf die restriktiven Regulierungen, besonders auf die Trinkwasser- und Pestizidinitiative (aber auch auf alle 3 weiteren Initiativen vom 13. Juni) verzichtet wird.
        Daher: 5 x NEIN am 13. Juni zu allen (klein- und mittleren) bauernfeindlichen Vorlagen.
        Kilian Baumann ist ein Wolf im Schafspelz. Wie diese Wölfe im Schafspelz die schon im Herbst 20 mit schönen, leeren Worten die Bevölkerung zur Ablehnung des Jagdgesetzes verführt haben.

      3. Es ist wirklich schade, dass es überhaupt einen Bauernverband und eine Kleinbauernorganisation geben muss. Warum können wir nicht einfach mit einer Stimme auftreten. Diese Polarisierung überall finde ich langsam aber sicher zum heulen. Das Gleiche in der Berufsschule, warum muss es da jetzt noch eine separate Bioklasse geben? Wo bleibt der gesunde Menschenverstand? Und: auch 80 Kühe sind ein Kleinbetrieb verglichen mit Gut Hohen Lukov bei Rohstock….(4000 Kühe)

  3. Fieser Kuhhandel ? Fies finde ich die verleumdnerischnen Worte von Kilian B. Dass man als Biobauerbauer überzeugt sein muss, von seinem Handeln, versteht sich von selbst. Dass man allerdings die PSM anwendenden Bauern als Wasservergifter hinstellt, ist gemein. Telo Top, Top Fokus , ganze letzte Woche : ich zitiere Michael Aarand : Die effiziente Landwirtschaft braucht PSM. Besagter ist Leiter des toxikologischen Institut Uni Züri. Sendung findet man im Internet.

      1. Seit ca. 4 Jahren schreibe ich Kommentare auf der SB Internetseite. Aus lauter Anstand habe ich vor anderthalb Jahren wieder ein Abo gekauft. Die Zeitung allerdings, landet meist unbeschaut im Altpapier. Als Generattion, die Eisenbahnwagons ( hunderte) Papierholz in 1 Meter Trämel von Hand verladen hat, finde ich das ganze Papierverschwendung. ich gehe jetzt Rübeneggen , bin ich zurück, habe ich keine Antwort, schreibe ich die Kündigung. Die Antwort soll pesönlich eintreffen, nicht öffentlich!

        1. Antwort erhalten und akzepiert ! Verflixt : K.B. lacht sich blos ins Fäustchen, wenn wir seine Provokationen mit Kommentaren erwiedern ! ( Ps. das Rübeneggen machte Freude….)

  4. Nur komisch dass sich Herr Baumann wie die TWI wehement wehren mir eine Abnahmegarantie zu Kostendeckenden Preisen zu geben für Produkte welche nach TWI Vorschriften produziert sind! Warum wohl, weil sie selber nicht daran glaubem dass der Konsument bereit ist die Mehrkosten für Bioprodukte zu bezahlen, Stattdessen auf Billigstimporte ausweicht welche die TWI nicht verbietet und so der Bauer auf seinen Bioprodukten sitzen bleibt oder sie unterpreisig verkaufen muss. Armenhaus Landwirtschaft!!

  5. Dass Herr Baumann als Bauer? mit grossem Einkommen aus nicht Landwirtschaft für die Medien ein gefundenes Fressen ist, um die Landwirtschaft in der Schweiz in Grund und Boden zu fahren, ist längst bekannt. Schon seine Eltern finanzierten ihr Hobby in Frankreich mit doppelten Nationalratsgagen. Ich bin froh, dass ich als bald pensionierter Bauer nicht mehr lange unter den diskriminierenden Aussagen seitens grün und links leiden muss, welche ganze Bevölkerungsgruppen gegen uns Landwirte hetzen.

  6. im Bestreben, den Bund zu erneuern, um Freiheit und Demokratie, Unabhängigkeit und Frieden in Solidarität und Offenheit gegenüber der Welt zu stärken,
    steht in der Bundesverfassung aber ist nicht mehr im Kopf des Schweizers.
    Betet damit die wenige Freiheit und Unabhängigkeit nicht auch noch verloren geht !

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