Freitag, 5. März 2021
30.05.2016 13:31
Zukunftsforschung

Gefahr: Digitale Welt überrollt Bauern

Share on print
Share on email
Share on facebook
Share on twitter
Von: Raphael Bühlmann

Wie die Industrialisierung, stellt auch die Digitalisierung die Landwirtschaft vor ganz neue Herausforderungen. Für Agrarwissenschaftler Achim Walter ist klar: Um darauf vorbereitet zu sein, müssen jetzt Diskussionen stattfinden.

«Schweizer Bauer»: Achim Walter, Digitalisierung in der Landwirtschaft. Was muss man sich darunter vorstellen?
Achim Walter: So wie das Smartphone den Weg in unseren Alltag gefunden hat, so wird sich auch die Landwirtschaft weiterentwickeln. Das heisst, elektronische Innovationen werden unseren Umgang mit Traktoren, Gerätschaften, Melkmaschinen usw. verändern.

Können Sie ein konkretes Beispiel geben?
In naher Zukunft wird die Anwendung von Pflanzenschutzmitteln oder Dünger auf Drohnenbilder abgestützt. Dosierungsempfehlungen erhält der Landwirt dann eventuell unmittelbar auf dem Smartphone.

Und in der fernen Zukunft?
Vielleicht werden diese Informationen in der Zukunft direkt an Feldroboter gesendet, die Stickstoff oder Fungizide verteilen oder das Feld hacken. Aber nicht nur beim Ackerbau, sondern auch im Stall – bei Melkrobotern oder in der Fütterung – sowie in der Buchhaltung wird die Automatisierung voranschreiten.

Aber viele Landwirte bekunden Mühe mit dem Aufzeichnungszwang. Verändern sich mit der Digitalisierung auch die Ansprüche an Landwirte?
Ja, auf jeden Fall. Sie müssen ein noch besseres technisches Verständnis erwerben. Die Schweiz hat jedoch ein hervorragendes Ausbildungssystem, und die Ausbildung wird sich der technischen Entwicklung anpassen.

Können Sie auch hier ein Beispiel geben?
Ich ging in den 70er- bzw. 80er-Jahren zur Schule. Im Mathematikunterricht musste man damals langwierige Rechnungsabläufe durchführen. Mit der Einführung des Taschenrechners wurde das Kopfrechnen weniger wichtig. Man musste dafür lernen, den Taschenrechner und später den Computer zu bedienen. Vergleichbares erwarte ich für die «digitale Landwirtschaft»: Das Grundverständnis braucht es weiterhin, aber langwierige Routinearbeiten nehmen ab. Wichtiger wird die Bedienung von Maschinen und Software; das Risiko von Fehlern wird minimiert.

Ein Landwirt muss also immer noch mehr können? Ist der Melkroboter, der 24 Stunden melkt und einen rund um die Uhr mit Informationen versorgt, wirklich eine Arbeitserleichterung?
Das ist ein zweischneidiges Schwert. Es besteht die Gefahr, dass die Landwirte durch die Digitalisierungswelle überrollt werden. Deshalb ist es wichtig, dass rechtzeitig Diskussionen mit Herstellern, Bauern, Gesetzgebern und Bildungsinstitutionen stattfinden. Es gilt, die richtige Balance zu finden. Innovationen müssen zu echten Verbesserungen und nicht zu Mehraufwand führen. 

Bleiben wir beim Beispiel Melkroboter. Die gewonnene Zeitersparnis bringt ja dem Bauern nichts, weil alle Bauern rationeller arbeiten, der Milchpreis dadurch sinkt und er damit gezwungen wird, die kompensierte Zeit wiederum wirtschaftlich zu nutzen.
Ja, das ist ein komplexes Thema. Ich stelle aber fest, dass sich der technologische Fortschritt nicht aufhalten lässt. Wenn der Mensch etwas erfindet, will er es anwenden. Wie schnell und nach welchen Regeln das geschieht, ist eine andere Frage. Die Titanic wurde beispielsweise zu früh und zu sorglos auf ihre Jungfernfahrt geschickt.

Sind Sie überzeugt, dass Traktoren in Zukunft selbst fahren?
Ja. Ich glaube auch, dass das autonome Fahren bei den Traktoren noch schneller umgesetzt werden wird als bei den Autos. Das Feld ist begrenzt, die Rechtslage einfacher.

Wie sollen die Bauern der nächsten Generation damit umgehen?
Sie müssen sich den offenen Blick bewahren, schauen, in welche Richtung die Digitalisierung in der Landwirtschaft geht und mitbestimmen, was brauchbar ist. 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

SCHWEIZER BAUER

DER SCHWEIZER BAUER AUF YOUTUBE