Mittwoch, 2. Dezember 2020
27.10.2020 10:10
Schokolade

«Grenzschutz ist diskriminierend»

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Von: awp/blu

Die Auswirkungen der Corona-Pandemie setzen die Schweizer Schokoladeindustrie massiv unter Druck. Zwischen Januar und August 2020 sind die Umsätze von Schweizer Schokolade um 14,3 Prozent eingebrochen. Der Branchenverband Chocosuisse fürchtet um Arbeitsplätze und fordert nun den Abbau «standortschädlicher Regulierungen».

Vom Umsatzrückgang in den ersten acht Monaten 2020 waren sowohl das Inlandgeschäft (-14,9 Prozent) als auch die Exporte (-13,9 Prozent) der Schweizer Schokoladefabriken betroffen, wie einer Mitteilung des Branchenverbands Chocosuisse vom Dienstag zu entnehmen ist. In der Periode von Mai bis August 2020 verkaufte die Branche sogar 21,5 Prozent weniger als noch im gleichen Zeitraum des Vorjahres.

Touristen und Reisegeschäft fehlen

Im Inlandmarkt waren laut den Angaben die Verkaufspunkte mit normalerweise hohen Kundenfrequenzen und internationalem Touristenaufkommen besonders betroffen. Gleichzeitig habe allerdings auch die Menge importierter Schokolade zugenommen, womit die Schweizer Hersteller «doppelt unter Druck» seien, so Chocosuisse.

Gelitten hat aber auch das Exportgeschäft, das gemessen an der Verkaufsmenge mehr als 70 Prozent ausmacht. Auch hier ging der Branchenumsatz im Sommer besonders stark zurück. Stark betroffen war dabei das weltweite Reise-Verkaufsgeschäft wie auch das Geschäft mit der internationalen Hotel-, Kongress- und Reisegastronomie. Eine Erholung in diesen wichtigen Märkten sei auf längere Zeit nicht in Sicht.

Teure Rohstoffe

Um bessere Rahmenbedingungen zu schaffen, fordert Chocosuisse Korrekturen von der Politik. Regulierungen wie der Preisschutz für Zucker und Milchpulver würden Schweizer Hersteller gegenüber ausländischen Konkurrenten diskriminieren. Der Branchenverband verweist dabei auf «protektionistische Regulierungen», welche den Standort Schweiz gefährdeten. Wegen dem Grenzschutz seien nämlich Rohstoffe wie Milchgrundstoffe und Zucker in der Schweiz sehr viel teurer als im angrenzenden Ausland. Ausgleichsmechanismen seien «unvollständig oder inexistent».

Gemäss Verband gewährt die Schweiz beim Import der EU einen Nachlass von 18,5 Prozent. Bei der privaten Auffanglösung zum abgeschafften «Schoggi-Gesetz» würden derzeit über 30 Prozent der dafür bereitgestellten Mittel in andere Kanäle fliessen, kritisiert Chocosuisse. Heftig kritisiert wird der Mindestgrenzschutz für Schweizer Zucker. Dieser gehe «voll zulasten» der Rohstoffkäufer.

Politik soll intervenieren

Ein von der Wirtschaftskommission des Nationalrats in die Vernehmlassung geschickter Vorschlag wolle für Chocosuisse die «protektionistischen Massnahme fortschreiben», was der Verband als unverständlich bezeichnet. Deshalb fordert der Verband Gegensteuer von der Politik, um den Produktionsstandort Schweiz nicht weiter zu schwächen. Die «bestehenden Wettbewerbsverzerrungen müssten dringend beseitigt werden», fordert er.

Die Schweizer Schokoladeindustrie umfasst laut den Angaben insgesamt 16 Schokoladefabriken mit 4’840 Mitarbeitenden. Im Gesamtjahr 2019 hatte die Industrie 200’274 Tonnen Schokolade produziert und damit einen Umsatz von 1,79 Milliarden Franken erzielt.

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