Samstag, 6. März 2021
19.09.2014 11:41
Appenzell

Immer weniger Betriebe

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Von: Martin Brunner

In der Schweiz gibt es immer weniger Landwirtschaftsbetriebe. Dies gilt auch fürs Appenzellerland. Die landwirtschaftliche Nutzfläche hingegen bleibt stabil, weil andere Betriebe das frei werdende Land übernehmen.

Die Gründe für die Aufgabe eines Landwirtschaftsbetriebs sind vielfältig. Sie reichen von «kein Nachfolger», «keine Existenz mehr», «Pacht verloren», «alleinstehend» bis zu «familiäre oder gesundheitliche Probleme». Die weitaus grösste Gruppe aber ist jene, die altershalber ihr Erwerbsleben beenden.

Max Stark von der Engi in Heiden gehört zu dieser. Er gab seinen Betrieb vor zwei Jahren auf. Damit hatte er aber überhaupt keine Mühe. «Ich konnte meine Schafe an meinen Kollegen Mario Heller verkaufen», erzählt er. «Er ist es auch, der das Land und den Stall in Pacht übernahm.»

Häufig kein Nachfolger

Max Stark passt ins Bild, das Jakob Scherrer vom Landwirtschaftsamt Ausserrhoden zeichnet. «Betriebsaufgaben kommen am häufigsten vor, wenn es nach der Pensionierung eines Betriebsleiters keinen Nachfolger gibt», erklärt er. «Das ist schon seit vielen Jahre so.» Konkret bedeutet dies, dass im Jahr 2013 die Anzahl der direktzahlungsberechtigten Betriebe um 12 von 659 auf 647 sank. In den letzten zehn Jahren ging die Zahl um 126 von 773 auf 647 Betriebe zurück.

Beim Strukturwandel bewegt sich Ausserrhoden damit mit knapp zwei Prozent im Durchschnitt der Schweiz. Trotzdem bleibt die landwirtschaftliche Nutzfläche der direktzahlungsberechtigten Betriebe mit 12’040 Hektaren insgesamt die gleiche. Die durchschnittliche Betriebsgrösse stieg hingegen innert zehn Jahren von 15,5 auf 18,5 Hektaren.

Grössere Betriebe

Ähnlich sieht die Situation in Innerrhoden aus. Bruno Inauen vom Landwirtschaftsamt Innerrhoden weiss, dass in zwölf Jahren die Zahl der direktzahlungsberechtigten Betriebe um 134 von 574 auf 440 gesunken ist. Er spricht dabei von 95 Prozent, die ihren Betrieb altershalber aufgaben. «Das heisst aber nicht, dass die landwirtschaftliche Nutzfläche zurückgegangen ist», sagt er. «Gibt es keinen Nachfolger, so übernehmen andere Bauern das Land.»

Das bedeutet wiederum, dass die Landwirtschaftsfläche seit der Bereinigung 2006 stabil auf rund 7100 Hektaren blieb. Die durchschnittliche Betriebsgrösse liegt deshalb heute bei 14,1 Hektaren. Das sind 3 Hektaren mehr als noch vor zwölf Jahren.

Schafe machten Freude

Zurück zu Max Stark: Er hat den elterlichen Milchwirtschaftsbetrieb mit 27 Jahren übernommen, arbeitete daneben aber immer zu 100 Prozent auswärts. «Deshalb und weil der Stall baufällig war, entschieden wir uns, die Milchwirtschaft aufzugeben.» Er begann vor zwölf Jahren mit der Schafhaltung für den Fleischsektor. Rund 200 bis 300 Schafe lebten in der Regel auf dem Hof mit seinen 12 Hektaren Land, davon ist rund die  Hälfte eigenes Land. 

Den Sommer verbrachten die Tiere auf einer Alp. «Diese Art des Betriebs ging mit meiner Arbeit bestens auf», sagt er. «Zudem machen mir die Schafe noch heute viel Freude.» Deshalb bleibt er der Landwirtschaft auch treu. Er hilft seinem Kollegen Mario Heller gerne, wo es notwendig ist.

Den Wald behalten

Aber auch das Holz beschäftigt den rüstigen Landwirt. Aus seinem Wald im Mattenbachtobel wurden diesen Frühling wegen des Unwetters vor zwei Jahren viele Hundert Kubikmeter Holz ausgeflogen. Ein Sammelplatz wurde auf seiner Wiese vor dem Hof eingerichtet, weil sie für den Heli ideal lag. Rund 140 m3 hat er für sich behalten. Dieses Holz hat er nach und nach gespalten und zu Brennholz verarbeitet.

«Den Wald mit seinen 7 Hektaren behalte ich, denn diese Arbeiten machen mir nach wie vor Freude», sagt er. «Kommt dazu, dass ich doch auch nach meiner Pensionierung etwas zu tun haben muss.» Ansonsten geniesst er die neue Freiheit, indem er oft spontan und nach Lust und Laune etwas unternimmt.

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