Mittwoch, 25. November 2020
19.10.2020 06:00
Junglandwirte

«Klar sollt ihr weiter melken»

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Von: Bettina Kiener

Viele interessierte Junglandwirtinnen und Junglandwirte, viele Informationen und kalte Füsse: So lässt sich der Höck der Jula Bern vom Donnerstagabend in Wimmis bei der Betriebsgemeinschaft Niesen beschreiben.

«Blickst du durch beim Schweizer Milch- und beim Fleischmarkt?», stand auf dem Flyer des Anlasses. Jürg Dummermuth, Milchproduzent, Vorstandsmitglied der Emmi-Direktlieferanten-Organisation Mittelland Milch und Vorstandsmitglied der Branchenorganisation Milch, referierte am Höck der Berner Junglandwirtinnen und Junglandwirte zum Schweizer Milchmarkt, und Peter Schneider, Leiter Klassifizierung und Märkte von Proviande, erklärte den Teilnehmenden die Marktmechanismen des Schweizer Fleischmarktes. 

Strukturwandel-Folgen

Der Milch- und der Fleischmarkt: Zwei Märkte, die eng miteinander verknüpft sind und die in diesem Jahr anders verliefen als sonst. Die Massnahmen zur Eindämmung der Pandemie und die Unsicherheiten im Frühling schüttelten die Märkte zuerst einmal so richtig durch. Die Fleischpreise fielen in den Keller, erholten sich jedoch rasch und sind seit Mai auf einem höheren Niveau als in den Vorjahren. «Der Schlachtviehmarkt ist gesünder denn je», sagte Schneider.

Nebst den pandemiebedingten Verwerfungen wurden heuer die Konsequenzen der strukturellen Veränderungen auf dem Milch- und dem Fleischmarkt gut sichtbar. In der Schweiz gibt es immer weniger Milchkühe und dementsprechend auch weniger Schlachttiere. Durch die sinkende Milchmenge schrumpften die Butterlager, und die von der Branchenorganisation Milch (BOM) gutgeheissenen Butterimporte im Frühling schlugen hohe Wellen.

0,6 Rappen sind besser als nichts

Es habe keine andere Möglichkeit gegeben, als Butter zu importieren – ohne leere Butterregale in den Läden zu riskieren, sagte Dummermuth. Die Produzenten hätten aber zumindest eine Erhöhung des Butterpreises im Detailhandel bewirken können: «Als Mittelland-Milch-Produzent habe ich seit Juli 0,6 Rappen mehr pro Kilogramm Milch.» Ob er mit diesem Aufschlag denn zufrieden sei, fragte eine Zuhörerin. «0,6 Rappen sind besser als nichts, aber ich würde immer mehr nehmen», so die Antwort. 

«Besser als nichts» ist nicht «gut», und einer der anwesenden Junglandwirte fragte: «Sollen wir weiter Milch produzieren?» Aus der Sicht der Fleischbranche sei die Antwort ein klares Ja. Denn über 80% der Rindfleischproduktion komme aus den Milchviehbeständen, erklärte Schneider: «Es braucht genügend Milchproduzenten in der Schweiz.»

Aufklären ist wichtig

Zum Schluss des Abends thematisierte Schneider das teilweise grosse fehlende Wissen der Konsumentinnen und Konsumenten über die Milch- und die Fleischproduktion. «Zeigt den Leuten eure Betriebe, erklärt, was eure Tiere fressen und wieso im Berggebiet keine Kartoffeln gepflanzt werden können», forderte er die Junglandwirtinnen und Junglandwirte auf. 

Verstehen die Berner Jungbauern den Fleisch- und den Milchmarkt nach dem Anlass besser? «So viel habe ich in so kurzer Zeit schon lange nicht mehr gelernt», bejahte ein Teilnehmer und Agronomiestudent. Der nächste Anlass findet am 22. Oktober bei Familie Gilgen in Oberwangen statt.

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