Mittwoch, 1. Dezember 2021
25.11.2021 17:14
Landschaft

Landwirtschaft von Siedlungen und Wälder verdrängt

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Von: sda

Die Siedlungsfläche in der Schweiz ist in den letzten zehn Jahren täglich um fast acht Fussballfelder gewachsen. Das ist etwas langsamer als in den Jahren davor. Die Vergrösserung der Siedlungsfläche erfolgte zu 90 Prozent auf Kosten der Landwirtschaftsfläche.

Die Siedlungsfläche hat sich 2009-2018 um 6 Prozent oder 181 km2 vergrössert und nimmt jetzt 8 Prozent des Schweizer Territoriums in Anspruch.

302 km2 weniger Agrarflächen

Die Landwirtschaftsflächen sind im selben Zeitraum um 2 Prozent oder 302 km2 geschrumpft, bedecken aber immer noch 35 Prozent des Landes. Wälder und Gehölze haben um 2 Prozent oder 206 km2 zugelegt und beherrschen jetzt ein knappes Drittel des Territoriums. Dieser Zugewinn entspricht beinahe der Fläche des Neuenburgersees. Das geht aus der am Donnerstag vom Bundesamt für Statistik vorgestellten vierten Arealstatistik hervor.

Ausser an die Siedlungsfläche hat die Landwirtschaft also Areale an Wälder, sogenannte «bestockte Flächen» verloren – je höher gelegen, umso mehr. Wälder haben sich nicht nur hoch gelegene Landwirtschaftsflächen zurückerobert, die aus Rentabilitätsgründen aufgegeben worden sind, sondern auch vormals unfruchtbares Gebiet: Denn der Klimawandel hat zu einer Verschiebung der Baumgrenze nach oben geführt.

Die Siedlungsflächen der Schweiz haben sich in den letzten knapp zehn Jahren um weitere 181 km2 ausgedehnt, was der doppelten Fläche des Zürichsees entspricht.
BFS

Weniger Gletscher

Unterhalb von 1000 Metern sind die Waldflächen seit 2009 dagegen insgesamt stabil geblieben. Als waldreichste Regionen der Schweiz können die Alpensüdflanke (Tessin und Bündner Südtäler) sowie der Jurabogen gelten.

Die Klimaerwärmung hat sich besonders dramatisch auf die Gletscher ausgewirkt. Als Teil der vierten Flächenkategorie, der sogenannt «unproduktiven Fläche», haben sie ungebremst an Terrain eingebüsst – zehn Prozent oder 119 km2 seit 2009. Zurück bleibt zunächst Geröll und Fels, Pflanzenbewuchs auf früheren Gletscherflächen wurde seit 1985 nur wenig festgestellt.

Mehr Raumbedarf pro Kopf

Von den verschiedenen Arten der Siedlungsflächen hat das Wohnareal mit 11 Prozent am stärksten zugelegt. Die Zunahme der Wohnfläche hat sich zwar ebenfalls verlangsamt, übertrifft aber das Bevölkerungswachstum. Das bedeutet, dass pro Kopf mehr Wohnfläche beansprucht wird. Gründe dafür sind das Bedürfnis der Einzelnen nach mehr Raum und die Zunahme der Kleinhaushalte mit ein oder zwei Personen.

Laut BFS gibt es aber Anzeichen für eine allmählich sparsamere Bodennutzung, sprich verdichtetes Wohnen. So waren die Wachstumsraten bei der besonders flächenzehrenden Gebäudeart der Ein- und Zweifamilienhäuser in den letzten Jahrzehnten rückläufig, während sie bei den Mehrfamilienhäusern deutlich angestiegen sind. Auch kann eine Verkleinerung der Gebäudeumschwünge beobachtet werden.

Weniger schnell als das Wohnareal vergrösserten sich zwischen 2009 und 2018 das Industrie- und Gewerbeareal mit einem Plus von 7 Prozent sowie die Strassenfläche mit plus 3 Prozent. Diese nahm also deutlich weniger stark zu als die Zahl der Motorfahrzeuge, die im selben Zeitraum um 16 Prozent zugelegt hat.

Das Siedlungswachstum trug damit besonders viel dazu bei, dass sich die landwirtschaftlich genutzte Fläche der Schweiz seit 2009 um 2% oder 302 km2 verkleinerte.
BFS

Mehr Treibhäuser

Die Landwirtschaftsflächen der Schweiz bestehen zu 70 Prozent aus Wiesen und Weiden. Die Hälfte davon entfällt auf nur saisonal genutzten Alpwirtschaftsflächen. Das Ackerland nimmt ein gutes Viertel aller Landwirtschaftsflächen ein, im Mittelland ist der Anteil mit 57 Prozent deutlich höher, dafür in den Alpen tiefer.

Auf den restlichen 3 Prozent der Landwirtschaftsflächen wachsen Spezialkulturen wie Obst und Reben oder es wird Gartenbau betrieben. Die Treibhäuser nehmen eine Fläche von insgesamt 10 km2 ein. Dies ist etwas mehr als 2009, als es noch 9 km2 waren. Seit 1985 haben sich die Treibhausflächen verdoppelt.

KI beschleunigt Arealstatistik

Die bisher vier Erhebungen für die Arealstatistik nahmen jeweils neun bis zwölf Jahre in Anspruch. Künftig wird es dank Künstlicher Intelligenz schneller gehen – nämlich nur noch sechs Jahre, wie das BFS am Donnerstag bekanntgab.

Denn seit Sommer 2021 werden selbstlernende Algorithmen für die Interpretation der hochaufgelösten Luftbilder eingesetzt, auf denen die Statistik basiert. Über die vom Bundesamt für Landestopografie zur Verfügung gestellten Bilder wird ein Raster mit Stichprobenpunkten im Abstand von je 100 Metern gelegt – 4,1 Millionen Stichprobenpunkte insgesamt.

Im Rahmen der Interpretationsarbeiten wird für jeden einzelnen Punkt die Bodennutzung und -bedeckung bestimmt. Die Bestimmung der Bodennutzung geschieht per visueller Interpretation am 3D-Bildschirm.

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